Arconciel – Ergenzach: ein ehemaliges Burgstädtchen an der Saane - Sarine südlich von Freiburg – Fribourg

Mit einer Überlegung zum Ortsnamen


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http://www.dillum.ch/html/dillum_burgen_artikel_be_so_vd_fr.htm


Planaufnahme von Arconciel - Ergenzach

aus: A > Z. Balade archéologique en terre fribourgeoise. Archäologischer Streifzug durch das Freiburgerland; Fribourg 2005, S. 28


Der von Rudi Glutz von der ETH Zürich aufgenommene Plan ist nachträglich eingefärbt worden.

In Rot wurden die beiden Wehrtürme im Osten und im Westen gekennzeichnet, in Blau die Fundamente der Häuser.

Die Färbung ist jedoch nicht überall exakt. Besonders wurde der teilweise erhaltene Torpfeiler des Ausgangs gegen Westen - linkerhand des Fahrwegs - farblich irrigerweise als Teil eines Wohnbaus gekennzeichnet.

Der Verteidigungsturm beim Hauptzugang im Osten ist im Grundriß nicht mehr ganz festzustellen, scheint jedoch ein unregelmäßiges Viereck gebildet zu haben.

Im Unterschied zum westlichen Ende sind im Osten keine Spuren der Toranlage mehr erhalten.


Planskizze von Arconciel von 2006

Gegenüber dem obigen Plan stellt diese Skizze die heute noch sichtbaren Mauern und Befunde dar, ist also leichter lesbar - allerdings auch teilweise ungenau.

Quelle: http://www.dickemauern.de/arconciel/index.htm


Arconciel: Plan von Combaz, ca. 1800

aus: Heribert Reiners, 18

Der Plan ist zwar ungenau, enthält aber doch einige interessante Einzelheiten; etwa den rechteckigen Turm in der Mitte oben: Es ist dies der heutige Felsklotz. Darin schloss sich ein gedeckter Vorbau an, der ebenfalls eingezeichnet ist.


Eine grössere Anzahl neuerer Fotos von Arconciel finden sich - zusammen mit einer Beschreibung - unter:

(Man beachte die fehlerhafte Schreibung des Ortsnamens!)

http://www.swisscastles.ch/Fribourg/arconcield.html


 

Der erste (östliche) Verteidigungsturm von Arconciel - Ergenzach. Ansicht von Südwesten.

Die gesamte Burganlage ist heute leider stark verwachsen und stellenweise kaum passierbar. Fotos von grösseren Mauerteilen sind kaum mehr möglich. So bekommen solche historische Aufnahmen einen grossen Wert.

aus: Heribert Reiners: Die Burgen und Schlösser des Kantons Freiburg, I. Teil, Basel 1937, S. 21


Arconciel: Lithographie von Johann Friedrich Wagner, um 1840

Es ist dies eine Ansicht des unteren, westlichen Ausgangs des alten Städtchens. Man erkennt links den Turm mit Einzelheiten (z.B. dem zugemauerten Doppelfenster), die noch heute vorhanden sind. - Ebenfalls ist rechts neben dem Weg deutlich der Pfeiler des ehemaligen West-Tores zu sehen.


Der Felsklotz in der Mitte des Burgareals von Arconciel - Ergenzach. Ansicht von Norden.

Wie im Text gesagt, stellt dieser zubehauene Felsen den Rest eines ursprünglichen Felskopfs dar. Dieser wurde zur Gewinnung von Baumaterial offenbar zu einem größeren Teil abgetragen.

Der Felskopf belegt auch, daß das Burgplateau ursprünglich weniger eben war als heute.

Foto: Internet


Arconciel - Ergenzach: Reste des Turms auf dem Felsklotz

Foto: Autor, 2.6.2015


Arconciel - Ergenzach: Der Torpfeiler beim West-Turm

Den Torpfeiler erkennt man auch auf der Lithographie von Wagner. Nach dem Plan von Combaz stellt er den Rest eines Torturms dar.

Foto: Autor, 2.6.2015


Arconciel: Die Ostseite des West-Turms mit dem portalähnlichen grossen Loch

Wie im Text gesagt wird, ist dieses grosse Loch eigens ausgehauen worden, um den Turm unbenutzbar zu machen.

Foto: Autor, 2.6.2015


Arconciel FR: Ansicht des West-Turms von Süden

Man sieht auf dem Bild deutlich wie im unteren Teil des Turms die zubehauenen Verblendsteine entfernt wurden. Diese dienten als willkommenes wiederverwendbares Baumaterial.

Foto: Autor: 3.6.2014


Arconciel - Ergenzach: Vermauertes Doppelbogen-Fenster an der SW-Wand des westlichen Turms

Weshalb wurde dieses Fenster kurz vor der Aufgabe des Burgstädtchens vermauert?

Das vermauerte Fenster ist auch auf dem Bild von Wagner zu erkennen.

Photo: Autor, 15.6.2012


Arconciel - Ergenzach: Funde aus dem Burgareal

aus: A > Z, Fribourg 2005, S. 30


Lage

Die Burgstelle Arconciel (deutsch: Ergenzach) liegt 1 km südwestlich der Kirche der gleichnamigen Gemeinde, rechts der Saane, etwa 6.5 km südlich von Freiburg, in einer markanten Flußschleife. - Gleich gegenüber gibt es eine andere Flußschleife, in der sich die Burgstelle Illens - Illingen befindet.

 Man könnte Arconciel und Illens deshalb fast als Doppelburgen ansprechen. Deren Charakter hat gewisse Gemeinsamkeiten. Die beiden Anlagen sind aber doch verschieden.

Arconciel: ein altes Burgstädtchen

Wie bei Illens, so bot sich die rechtsufrige Flußschleife der Saane mit ihren zu beiden Schmalseiten steil abfallenden Felswänden für die Anlage einer Burg förmlich an. - Der befestigte Sporn von der Sohle des Halsgrabens bis zum Westturm hat eine Länge von etwa 325 Metern, ist aber nirgends mehr als 10 Meter breit.

Der Zugang zum befestigten Platz von Arconciel erfolgte von Osten. Dort ist der Sporn zuerst durch einen tiefen Halsgraben abgetrennt. Dieser ist heute durch Aufschüttung einer Rampe leichter zu queren.

Es folgt ein mächtiger Turm, ehemals mit einem anschließenden Tor und Torturm als Zugangssperre. Von dem Turm sind noch hochaufragende Reste mit einer Mauerdicke von ca. 2.2 m erhalten.

Darauf folgte das längliche und unregelmäßig schmale Plateau mit den ehemaligen Häusern.

Der genaue Plan zeigt auf beiden Plateaus eine Aneinanderreihung von rechteckigen Häusern beidseits des Wegs. - Besonders an der Nordseite sind die meisten Bauten festgestellt worden. - Heute ist von den Wohnbauten jedoch fast nichts mehr zu sehen. - Die Aufbauten der Häuser waren wohl aus Holz.

Nicht genau in der Mitte der Anlage erhebt sich ein mächtiger, zubehauener Felsklotz. Dieser zeigt gegen Norden Balkenlöcher. Und auf der Kuppe des Felsens sind noch geringe Fundamentreste eines Turms zu erkennen.

Der auf drei Seiten abgeschrotete Felszahn beweist, daß die Anlage von Arconciel - Ergenzach teilweise künstlich geebnet worden ist.

Die Burg wurde vor dem Geländeabfall gegen die Niederung der Saane im Westen  durch einen Viereckturm mit 1.35 dicken Mauern und mit einer anschließenden Mauer geschützt. Dieser ist als hoch aufragende Ruine erhalten. - Ob man den Turm als Donjon ansprechen darf, ist schwer zu sagen.

Links des Weges nach unten, unterhalb der Stützmauer des Turms im Südwesten, hat sich der Stumpf eines Torpfeilers erhalten. Dieser war Teil einer Zugangsporte.

Die eigentlichen Wehrbauten von Arconciel, also die beiden Türme, sind noch hoch aufragend erhalten, der Grundriß der Anlage einsichtig.

Die Burg Arconciel muß einen kompakten Eindruck gemacht haben: ein auf einem felsigen Grat angelegtes Burgstädtchen, zu beiden Zugangsseiten und in der MItte durch Wehrbauten geschützt.

Der befohlene Abgang des Burgstädtchens

Das Burgstädtchen wurde offenbar auf Befehl verlassen und unbewohnbar gemacht: Die baugeschichtlichen Beweise sind folgende:

- Beim östlichen Wehrturm wurde die grabenseitige östliche Wand herausgerissen. - Ebenfalls wurde die anliegende Toranlage vollständig zerstört.

- Beim westlichen Turm wurde in die nordöstliche Seite ein großes Loch als Öffnung in die Mauer geschlagen. - Ein solches sieht man auch auf einer alten Abbildung des Wehrturms von La Tornallaz bei Avenches von Gabriel Lory, Vater (vgl. Die Ursprünge Berns, Abb. S. 305).

- Ebenfalls wurde beim westlichen Wehrturm das doppelbogige Fenster (vgl. die Abbildung) zugemauert.

Ein Felsklotz in der Mitte des Burgareals als Schlüssel zum Verständnis der Anlage

In der Mitte der Anlage - also zwischen vorderem und unterem Turm - erhebt sich links des Weges nach unten ein etwa acht Meter aufragender und etwa zwanzig Meter langer Felsklotz. Dieser ist auf drei Seiten zubehauen und weist auf der Wegseite Nischen und Balkenlöcher auf.

Eine gründliche Überlegung zeigt dem mächtigen Felsen in der Mitte der Anlage als Schlüssel zum Verständnis von Arconciel:

Die beiden Türme und Tore sind vornehmlich aus Sandsteinblöcken gefügt. Dieser wurde an Ort und Stelle aus einer Felsrippe auf dem Grat gebrochen. - Der heutige Molasse-Klotz ist der Rest der Steinausbeutung zum Bau der Burganlage, also vor allem der beiden Türme und Tore.

Zur Anlage des Burgstädtchens wurde somit auch die Topographie innerhalb des Perimeters verändert.

Weshalb finden sich besonders im Kanton Freiburg etliche verlassene Burgstädtchen?

Aus dem Plan geht klar hervor, daß Arconciel nicht nur eine Burg, sondern ein Burgstädtchen (une bourgade, un bourg, une cité) war. Damit wird das Objekt in einem weiteren Zusammenhang interessant: Der Kanton Freiburg hat nämlich eine Reihe solcher abgegangener Burgstädtchen mit teilweise bedeutenden Resten.

Wie Arconciel ist das gegenüber liegende Illens zu beurteilen. Aber auch Pont-en-Ogoz (Winterlingen in Ogoz), Corbières (Korbers), Vuippens (Wippingen), Montsalvens, Bossonens, Montagny (Montenach), La Molière, auch Ober Maggenberg sind alte Kleinstädtchen, die aus unbekannten Gründen verlassen oder zerstört wurden.

Weshalb gerade Freiburg etliche solche verlassene Burgstädtchen aufweist, ist rätselhaft. - Dahinter stehen sicher bedeutende historische Ereignisse, die man aber nur schwer fassen kann.

Bei dieser Gelegenheit soll darauf hingewiesen, daß wir über die Burgstelle Arconciel in alten Zeiten nichts wissen. Denn gemäß der Geschichts- und Chronologiekritik setzt die plausible Geschichte erst etwa zur Zeit der Französischen Revolution ein.

Also ist die Notiz, wonach die Eidgenossen 1475 sowohl Illens wie Arconciel zerstört hätten, als pseudohistorische Floskel zu entlarven.

Das Studium der ältesten eidgenössischen Chroniken brachte sogar eine vorherige Verdoppelung jenes Ereignisses hervor: Bereits 1324 sollen die Berner und Freiburger gemeinsam Arconciel und Illens zerstört haben (Chronologie Helvetica von Schweizer - Suicerus).

Überlegungen zum Ortsnamen

Die Burgstelle Arconciel trägt den Namen des Ortes.

In meinem Buch Die Ortsnamen der Schweiz erkläre ich den Namen wie folgt:

ERGENZ = RGNS = REGEN(S) = REGINA (Maria)

Der Name ist also gleichartig wie etwa Regensberg und Regensdorf.

Nun ist die Burgstelle Arconciel relativ weit, nämlich 1 km vom namengebenden Ort entfernt.

Doch unmittelbar östlich vor der Burgstelle gibt es einen Hof und eine Flur mit dem sonderbaren Namen GOTALLA.

Ich meine, das Burgstädtchen hätte einen Namen getragen, der in dem eben genannten Flur- und Hofnamen enthalten war.

In Gotalla steckt das hebräische und deutsche Wort GOT drin.

Gott, Goten und gut gehen wie zahlreiche Ortsnamen zurück auf das hebräische ha'ot =  das (göttliche) Zeichen.

Die Anlage könnte ursprünglich etwa Guten-Burg geheissen haben.

Der Ortsname Gotalla beweist auch eine Epoche, als die Welsch-Schweiz deutschsprachig war.


1.6.2012 ff., 15.6., 8.2012, 2014, 2015