Illens – Illingen: eine bekannte Burgstelle über der Saane – Sarine bei Rossens (Kanton Freiburg)


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Aktuelle Ergänzung zu Illens - Illingen (Rossens FR)

Ein Förderverein unternimmt gegenwärtig die Restauration des Wohnschlosses von Illens. - Dabei wurde schon das Kellergeschoss freigelegt.

Gegen eine Restauration ist im Grunde nichts einzuwenden. Schade nur, dass weiter nur das gotische Manoir betrachtet wird. Die eigentliche Burganlage (siehe Plan unten) wird weiter ignoriert.


Aussicht von Illens auf die rechte Seite der Saane mit den Felsen. Oberhalb der Felspartien liegt in dichtem Wald verborgen die ausgedehnte Burgstelle von Arconciel - Ergenzach.

Foto: Autor, 30.8.2016


Illens - Illingen (Gde. Rossens FR): Plan

 Der Verlauf des sichtbaren und vermuteten Mauerwerks ist als approximativ anzusehen, da keine Vermessung der Anlage existiert. Besonders die Gebäude innerhalb der Ringmauer - auch der dort zu vermutende Bergfried - wären nur durch Sondierungen genau zu erfassen.

Im Süden vor dem Donjon zeigt eine Delle im Gelände einen ehemaligen Sod an.

In violett ist der ursprüngliche Zugang zur Burg eingetragen.

Plan: Autor, 2016



Neues von Illens - Illingen (Rossens FR): Die Kapelle von Illens stand beim heutigen Hof!

Im Juli 2013 fanden beim Hof Illens archäologische Sondierungen statt. Diese wurden gemacht, weil vor dem Hof auf der Westseite Vorbauten geplant sind. Zum Vorschein kamen ein Mauerwinkel und ein weiteres Mauerstück, ferner ein paar Gräber.

Wichtig sind hier nicht die (irrelevanten) Ausgrabungen, sondern die Mitteilung, dass die Kapelle von Illens (siehe unten im Artikel) gleich unter dem heutigen Fahrweg neben dem Hof stand und dem heiligen Nikolaus geweiht war.


Ein kunstgeschichtlicher Einschub

Der Tympanon (das Giebel-Relief) der Eingangspforte des Herrenhauses von Illens hat eine verblüffende Ähnlichkeit mit einem Objekt in Frankreich. - Auch die Wappen scheinen in ihren Elementen gleich zu sein:

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Tympanon du Manoir de Vieux-Moulin (commune de Vielmanay, département de la Nièvre)

ex: Pierre Barbier: La France Féodale, t. 1: Châteaux-forts et églises fortifiées; Saint-Brieuc 1968, p. 375


Illens: Die Supraporte über der Eingangstüre zum Treppenturm des Donjons

Foto: Internet


Neue Photos von der Burgstelle Illens - Illingen (Gemeinde Rossens, Kanton Freiburg)


Illens: Mauerwerk am Südfuß der Zugangsrampe

Foto: Autor, 10.7.2013

Das amorphe Aussehen der Mauer ist durch das Herausbrechen der Verblendsteine entstanden.


Illens: Der Torturm von Süden

Das heutige Aussehen des Mauerwerks ist dadurch zu erklären, dass alle äusseren Verblendblöcke weggebrochen wurden.

Man erkennt linkerhand knapp die Böschung neben dem Aufgang. Diese war wie die Aussenseite der Rampe durch Mauerwerk befestigt.

Der ursprüngliche Toreingang ist rechts neben dem Torturm (hier ausserhalb des Bilds) zu setzen.

Foto: Autor, 10.7.2013


Illens: Blick von SW auf den Zwinger der Burg. Links eine Ecke des Torturms.

Foto: Autor, 14.4.2013


Illens: Blick von Süden auf den ursprünglichen Torbereich. Links der Torturm.

Man erkennt rechts Mauerwerk aus sorgfältig behauenen Tuffblöcken. Dieses bildete die Unterlage für die Torschwelle.

Foto: Autor, 14.4.2013

Illens: Blick auf die Ringmauer nördlich des Donjons

Auf dem Bild ist deutlich zu sehen, dass der Mörtel der Erosion besser standhält als Sandstein. So erklärt sich das heutige wabenartige Aussehen des Mauerwerks.

Foto: Autor, 14.4.2013

Illens: Blick auf den Donjon von Süden

Der zugemauerte Eingang in der Mitte unten könnte ein Ausgang zu einem heute nicht mehr erhaltenen Sod davor gewesen sein.

Foto: Autor, 14.4.2013


Illens: Mit Sandsteinblöcken verblendetes Mauerwerk auf der südlichen Innenseite des Torturms.

Während aussen alle Verblendsteine weggebrochen sind (siehe oben), haben sie sich auf der Innenseite erhalten.

Foto: Autor, 14.4.2013


Illens FR: Luftansicht des Burgplateaus, ca. 2009



Illens - Illingen (Gemeinde Rossens, Kanton Freiburg): Ansicht des Donjons von Südwesten

Die beiden ebenerdigen Zugänge verraten, dass der Turm nicht als Wehrbau konzipiert wurde.

Foto: 5.2012


Illens - Illingen (Gemeinde Rossens FR): Der Wohnturm (Donjon) von Nordosten in einer Aufnahme von 1897 (Ausschnitt)

aus: Fribourg artistique à travers les âges; Fribourg 1897

Vor dem Donjon ist deutlich die hoch aufragende Umfassungsmauer zu erkennen.

In dem oben zitierten Werk findet sich ein ausführlicher, mit Photos und Plänen versehener Artikel über Illens aus der Feder von Charles Stajessi.


Illens - Illingen (Rossens FR): Ansicht der Kamine an der inneren Südwand des Donjons. Aufnahme von 1897.

aus: Fribourg artistique à travers les âges; Fribourg 1897


Illens - Illingen (Rossens FR): Ansicht der Kamine an der inneren Südwand des Donjons. Aktuelle Aufnahme.

Bild: Internet

Der Vergleich der beiden Aufnahmen der Kaminwand zeigt, daß sich der Zustand der Ruine in 115 Jahren nicht wesentlich verschlechtert hat.


Illens: Der Donjon von Arconciel aus gesehen

Foto: Autor, 15.6.2012


Ansicht des Wohnturms von Illens. Aquarell von Jean de Castella (1881 - 1965), um 1935

aus: Heribert Reiners: Die Burgen und Schlösser des Kantons Freiburg, Teil I, Basel 1937

Nach dem Bild war um diese Zeit das Dach des Treppenturms noch erhalten.


Illens: Teile der westlichen Umfassungsmauer des Plateaus, von Arconciel aus gesehen

Foto: Autor, 15.6.2012


Illens und Arconciel: Skizze von 1980

aus: Roland Flückiger: Mittelalterliche Gründungsstädte zwischen Freiburg und Greyerz als Beispiel einer überfüllten Städtelandschaft im Hochmittelalter; Freiburg 1984, S. 42 (Freiburger Geschichtsblätter, Bd. 63)


Lage von Illens - Illingen

Das Gehöft Illens (deutsch: Illingen) zwischen Corpataux und Rossens, etwa acht Kilometer südlich von Freiburg, links der Saane (französisch Sarine) gelegen, war die kleinste Gemeinde des Kantons. - Anfangs der 1970er Jahre mußte Illens mit Rossens fusionieren. - Die Burg Illens liegt nordöstlich des Hofes.

Beschreibung der Burgstelle von Illens - Illingen

Der Burgplatz von Illens war - wie die Ruinen von Arconciel - Ergenzach rechts der Saane - von Natur aus für die Anlage einer Befestigung bestens geeignet: Der Fluß bildet dort zwei markante schmale Schlaufen und hat sich teilweise über fünfzig Meter tief in die Molasse hineingefressen (siehe Luftaufnahme).

Das eigentliche Schloßareal von Illens bildet ein ungefähres Dreieck mit einer von Norden bis Süden messenden Länge von etwa 120 Metern. - Mit einer Fläche des Plateaus von ungefähr vier Hektaren zählt der Burgplatz zu den großen befestigten Plätzen - nicht nur im Kanton Freiburg.

Das Plateau war auf drei Seiten durch feste Mauern gesichert. Im Süden teilte ein teilweise natürlicher Graben die Burg vom umgebenden Gelände.

Ein in einer Serpentine geführter Weg führte zu dem im Südwesten gelegenen Eingang. - Dabei gilt zu wissen, daß jenseits des Grabens der ursprüngliche Weg rechts vom heutigen Zugang noch erhalten ist.

Schon der auf der Nordseite felsige Hauptgraben der Burg war teilweise durch eine Mauer verstärkt, von der noch einige Reste erhalten sind.

Der Zugang war doppelt gesichert: zuerst wahrscheinlich durch ein erstes Tor, dann nach einem Zwinger durch ein zweites Tor. Dieses ist wie das erste vollständig verschwunden.

Die Südseite des markanten Zwinger-Plateaus hat noch Reste einer Umfassungsmauer.

Neben dem verschwundenen zweiten Eingang erhebt sich die mächtige Ruine eines rechteckigen Torturms mit einer bis zum Felsabfall im Osten fortführenden Sperrmauer.

Der Torturm hat noch hoch aufragende Mauerreste. Jedoch sind alle Verblendsteine auf den zwei erhaltenen Seiten herausgebrochen (siehe Bild). Auf der Innenseite jedoch sind die Sandstein-Blendsteine noch erhalten (siehe Bild).

Heute führt der Zugang westlich neben dem Torturm vorbei zum Burgplateau.

Die Ringmauer vor dem Plateau gegen Westen verlief in einem stumpfen Winkel und ist in ihrem Verlauf noch deutlich zu erkennen. Der gewinkelte Abschnitt ist in seinem unteren Teil erhalten (siehe Bild).

Gegen Norden machte die Ringmauer einen scharfen Knicks und folgte dann nicht ganz parallel zum Donjon bis zum Felsabsturz im Osten. Dieses Mauerstück ist noch hoch aufragend erhalten (siehe Bild).

An die Ringmauer gegen Westen lehnten sich etwa drei längliche Gebäude an, deren Mauerverlauf noch erkennbar ist. - Jedoch könnten nur Ausgrabungen die exakten Masse dieser Strukturen feststellen.

Der nördliche Teil des schmalen Plateaus wird von einem als Ruine gut erhaltenen Wohnturm von länglich-rechteckiger Form eingenommen (siehe Bilder). Dieser in Sandstein aufgeführte dreistöckige Donjon gilt gemeinhin als Burg Illens. Die Kreuzsprossenfenster, der polygonale Treppenturm, eine große Kaminanlage an der inneren Südwand, dazu der ebenerdige Eingang zeigen, daß der Bau keine Wehrfunktion hatte.

Interessant ist der bereits erwähnte ebenerdige Eingang mit einer schön gestalteten nach oben zu einer Rippe geformten Supraporte. Das Wappenbild ist leider wegen der Erosion nicht mehr erkennbar (siehe Bild). - Die frappante Ähnlichkeit mit dem Tympanon des Manoir du Vieux-Moulin in Vielmanay (Nièvre) wurde oben erwähnt.

Der Donjon von Illens war ein Wohnschloß in gotischem Stil und deshalb jünger als die Wehrburg.

Illens - Illingen besteht also aus zwei Teilen: den Ruinen einer Burg und einem verlassenen Wohnschloß.

Die bisherigen Beschreibungen der Anlage haben diesen doppelten Charakter der Befunde ignoriert. - Niemand hat sich die Mühe genommen, Illens gründlich zu betrachten.

Unterhalb der Ringmauer auf der Nordwest-Seite befindet sich ein alter Steinbruch. Das Material für den Schloß-Bau wurde also - wenigstens zum Teil - von dort geholt.

Schon der provisorische Plan von Illens mit den Mauerzügen (siehe Bild) läßt erkennen, daß die Burg vom südwestlichen Zugangsbereich her einen imposanten Anblick geboten hat.

Wo lag der ursprüngliche Torzugang von Illens?

Eine neue gründliche Begehung des Geländes ergab, daß der heutige Zugang zum Burgplateau später angelegt wurde: Er führt westlich vom Torturm vorbei und schneidet dabei die westliche Ringmauer in einem spitzen Winkel.

Der ursprüngliche Eingang zur Burg ist jedoch sicher östlich neben dem Torturm zu sehen: Er führte vom Zwinger-Plateau unmittelbar nordwärts über den tiefen Halsgraben zu einem verschwundenen Tor. Dieser Bereich ist noch durch eine solide Grundlage aus sauber gearbeiteten Tuff-Blöcken kenntlich (siehe Bild).

Gab es einen Bergfried auf Illens?

Die Analyse der Befunde und der Pläne zeigen, daß der heutige Donjon nicht Bestandteil der ursprünglichen Burg war. Also müßte es einen Bergfried gegeben haben. Diesen kann man südlich der Ruine des Wohnturms vermuten. Dort erkennt man deutlich eine bis zwei Meter hohe Erhebung in der Mitte des Burgareals. Die Spuren deuten auf einen rechteckigen Turm von mindestens 10 bis 12 Metern Seitenlänge.

Vor dem Südfuß des Donjons zeigt eine Senke im Gelände einen alten Sodbrunnen an.

Archäologische Sondierungen könnten diese vermutete Konstruktion ebenso verifizieren wie die übrigen Spuren von Bauten auf der Innenseite der westlichen Ringmauer.

Eine verschwundene Kapelle und eine verschwundene Einsiedelei in Illens

Heribert Reiners erwähnt in seiner Beschreibung von Illens eine verschwundene Kapelle, gibt jedoch keinen genauen Ort an:

Außerhalb des engeren Burgbezirks ... lag die Burgkapelle, deren Fundamente ... 1915 aufgedeckt wurden. Es war ein kleiner Bau ... Da der Platz mit Gras überwucherte und Teil einer Wiese bildete, konnte das kleine Heiligtum ganz in Vergessenheit geraten, bis ein Zufall wieder zu seiner Entdeckung führte (Reiners, I, 102).

In dem Plan von Stajessi von 1897 (siehe Bild) ist auch ein Zehnt-Plan vom Ende des 18. Jahrhunderts beigefügt. Dieser verzeichnet deutlich eine Ermitage östlich neben oder besser gesagt unterhalb des Donjons.

Aber wo lag die Kapelle?

Im Juli 2013 klärte sich der Sachverhalt: Die Kapelle St. Nikolaus lag westlich neben dem Hof, unter dem heutigen Fahrweg zur Ruine. Die Reste kamen beim Neuaufbau des Hofes nach einem Brand zufällig zum Vorschein.

Illens: "am 3. Januar 1475" von den Eidgenossen zerstört - seither eine Ruine?!

Von der bedeutenden Burgstelle Illens existierte also bisher keine zureichende Beschreibung.

Auch ein genauer Plan wurde bis heute nicht erstellt.

Um so mehr glaubt man, die Geschichte jenes Schlosses zu kennen. Dieses stamme "aus dem 12. Jahrhundert" und sei "gegen 1470" von einem Wilhelm von Balm zu einem komfortablen Sitz ausgebaut worden. Da dieser Adelige aber in den Diensten Karls des Kühnen stand, wurde er bei den Eidgenossen verdächtig. Also zerstörten Berner und Freiburger Truppen "am 3. Januar 1475" jenes mächtige Schloß. - Dieses blieb seither eine Ruine.

Glaubt jemand die Geschichte von über 500-jährigen Eidgenossen, die in ihren Stammlanden wie Barbaren wüteten?

Aber der Clou der erfundenen Geschichte kommt noch:

Gemäß Haffners Solothurner Chronik (S. 337) hätten die Berner und Freiburger bereits "1324" sowohl Arconciel wie Illens zerstört!

Langt eine Zerstörung nicht? Mußten die Eidgenossen 150 Jahre später die beiden Burgen nochmals erobern?

Gemäß der Geschichts- und Chronologiekritik ist die Gotik ein Stil, der im zweiten Drittel des 18. Jahrhunderts geblüht haben muß.

Und die plausible historische Überlieferung setzt erst kurz vor und während der Französischen Revolution ein.

Also haben wir keine Kunde von der Vergangenheit jener Burg. Wir wissen nicht, wer sie wann erbaut hat und wann sie verlassen wurde.

Sicher ist nur: Die Wehranlage Illens wurde bewußt aufgegeben und dem Zerfall und Abbruch überlassen.

Nach der Aufgabe der Burg Illens aber wurde das heute als Ruine erhaltene gotische Wohnschloß erbaut.

Der Donjon war offenbar bis ins 19. Jahrhundert bewohnt.

Um 1900 soll eine Trappisten-Gemeinde den Wohnturm von Illens wieder bewohnbar gemacht haben. - Eindeutige Beweise gibt es dafür aber nicht. Vielleicht bestand nur ein Projekt.

Heute gibt es offenbar Pläne für eine Restauration des Wohnschlosses von Illens oder wenigstens für eine Sicherung der Ruine.


Illens: Plan Stajessi von 1897

aus: Fribourg artistique à travers les âges; Fribourg 1897

Der alte Plan von "1735" enthält einen Hinweis auf eine verschwundene Einsiedelei am Ost-Abhang unterhalb des Donjons. - Von diesem Objekt sind heute aber alle Spuren verschwunden.

Der Plan von 1897 ist ungenau und sehr schematisch. Doch verzeichnet er ein paar interessante Einzelheiten.


Anmerkung:

Eine Erdburg mit dem Namen Illens findet sich auch westlich des Gehöfts Les Rochettes in der Gemeinde Le Flon (Kanton Freiburg). - Jenes Objekt hat die Koordinaten 554'450/159'670. - Von der Burg, über dem Ostrand des Flon-Bachs gelegen, haben sich eine ovale Motte und Teile eines halbkreisförmigen Grabens erhalten.

Leider liegt die Burgstelle in einem ungepflegten und arg verkrauteten Waldstück. Und der Burghügel sieht durchwühlt aus. - Es ist heute schwer, sich ein zureichendes Bild jener bedeutenden Erdburg zu machen.

Die Burgstelle Illens bei Pont (Gemeinde Le Flon FR): Relief-Bild mit Einzeichnung der Befunde

Deutlich erkennt man einen ovalen Burghügel und einen zu beiden Seiten von Gräben eingefassten Kreisgraben auf drei Seiten. Die Ostseite liegt teilweise auf offenem Feld und ist daher verschliffen.