Die Burgstelle Alt Hünigen bei Niederhünigen BE

Es ist dies eine ehemalige Sumpfburg, deren Ruine Kauw als „Münsingen“ abbildete.

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Alt Hünigen BE: Ansicht des Burghügels von Nordwesten

Foto: Autor, 11.12.2013


Der Burghügel von Alt Hünigen bei Konolfingen: Ansicht von Nordwesten

Foto: Autor, 13.10.2013


Der Burghügel von Alt Hünigen bei Konolfingen: Ansicht von Süden

Foto: Autor, 13.10.2013


Der Burghügel von Alt Hünigen bei Konolfingen: Ansicht von Osten

Foto: Autor, 13.10.2013

Es ist dies die ungefähre Sicht, die Kauw (unten) darstellt.


Kauw: Unbekannte Burgruine, angeblich Alt Münsingen = die ehemalige Burg Alt Hünigen bei Konolfingen

Wiedergabe mit freundlicher Genehmigung des Historischen Museums Bern

Rätselhaft ist auf diesem Bild das breite blaue Band hinter der Ruine. Es kann nicht einen Fluss (die Aare) darstellen. Es scheint, dass der Künstler damit ein sumpfiges und häufig überschwemmtes Gebiet betonen wollte.

Interessant sind auch die beiden schmalen Wassergräben, die den Burghügel umkreisen. Wie das breite Wasserband oben sind diese Gräben nicht unbedingt als real anzusehen, sondern sollen die dargestellte Topographie gliedern.

Während der Befund (siehe das LIDAR-Bild) den Burghügel als längliches Rechteck zeigt, stellt Kauw (aus künstlerischen Motiven?) eine eher rundliche Anlage dar.

Die Symbolik in Kauws Ruinen-Bild

Die Form der Turmruine erinnert an eine aufrechte Hand, der Bering an eine dazugehörige Manschette.

Die Ruine steht als Mahnmal der Vergänglichkeit in einer ansonsten blühenden Landschaft.


Die Burgstelle Alt Hünigen bei Konolfingen

Die Burgstelle Alt Hünigen liegt etwa 1 km östlich von Konolfingen und unmittelbar westlich von Niederhünigen BE, zu welcher Gemeinde der Platz gehört.

Alt Hünigen zeigt sich heute als sanfte Erhebung - teilweise mit Bäumen bestanden und landwirtschaftlich genutzt - in einer ziemlich flachen Umgebung, dem ehemaligen Hünigen-Moos.

Der Burghügel Alt Hünigen bildet ein längliches Rechteck mit den ungefähren Massen 20 x 45 Metern, in einer Nord-Nord-Ost-Achse ausgerichtet.

Als besonderes Merkmal kann heute nur noch ein Grabenrest gegen Süden ausgemacht werden.

Mauerspuren sind nirgends zu sehen.

Es heißt, der Burghügel von Alt Hünigen sei anfangs der 1970er Jahre teilweise abgetragen worden.

Das Aquarell von Kauw, das angeblich die Ruine einer Niederungsburg bei Münsingen darstellt

In der Sammlung der bekannten Burgen-Aquarelle von Albrecht Kauw, (Historisches Museum Bern) findet sich auch ein Bild, das die Ruine einer imposanten Wasserburg am Rande des Aaretals südlich von Bern zeigt und mit "Münsingen" beschriftet ist.

Den bisherigen Kommentatoren des Kauw-Aquarells ist wohl aufgefallen, daß die dargestellte Burgruine wohl kaum an der Aare bei Münsingen gelegen hat: Dort ist nirgends eine Burgstelle erwähnt - und auch nicht anzunehmen.

Anderseits sind Kauws Burgen- und Landschaftsdarstellungen bei aller künstlerischer Freiheit sehr genau. Die mit "Münsingen" beschriftete alte Burgruine in einer sumpfigen Gegend muß es gegeben haben.

Wasserburgen oder Niederungsburgen in der Umgebung von Bern sind sehr selten. Neben Bümpliz (und Landshut bei Utzensdorf) war wohl nur die verschwundene Kerrenburg bei Kernenried eine solche.

Kauws Bild stellt in Wirklichkeit die verschwundene Burg Alt Hünigen dar

Nun aber wird von der Burgstelle Alt Hünigen bei Niederhünigen ausdrücklich gesagt, daß diese eine Wasserburg in dem ehemals sumpfigen Hünigen-Moos gewesen sei. Die Wassergräben der Burg wären von dem heute neben dem Burgplatz in kanalisierter Form vorbeifließenden Hünigenbach gespeist worden.

Der Autor hat deshalb vor einiger Zeit wieder das erwähnte, mit "Münsingen" betitelte Bild von Kauw ins Spiel gebracht und ist sich heute sicher, daß jenes Aquarell in Wirklichkeit die verschwundene Ruine Alt Hünigen darstellt.

Dargestellt ist bei Kauw eine imposante Burgruine auf einer Motte.

Die Motte, auf welcher die Burgruine steht, ist in der Darstellung Kauws von zwei schmalen Wassergräben umgeben und liegt in einem flachen Feld.

Während der reale Befund der Burgstelle (siehe LIDAR-Bild) ein längliches Rechteck als Anlage zeigt, suggeriert das Bild von Kauw einen rundlichen Grundriss der Burg. Sogar den Burgturm könnte man als rund auffassen.

Verwirrend ist der dargestellte Hintergrund: Dieser wird von einem horizontalen Band aus Bäumen und Gebüschen durchzogen. Davor ist ein breites Wasserband zu sehen. Den Horizont nimmt links von der Ruine ein bewaldeter Berg ein, rechts davon in ziemlicher Entfernung ein paar Hügelzüge.

Die Analyse des Hintergrunds von Kauws Bild zeigt, daß der Maler im Grunde eine reale Topographie darstellt, sich dabei aber ein paar künstlerische Freiheiten oder Kunstgriffe erlaubt.

Kauw stellt die Burgruine Alt Hünigen in einer Ansicht von Osten dar. Der Burgturm stand demnach auf dem südlichen Teil des Burghügels.

Die Burgstelle Alt Hünigen hat sich nach der revidierten Chronologie von Kauws Werk um 1770 so dargeboten.

Offenbar wurde die Ruine bereits vor oder um 1800 vollständig abgetragen. Jedenfalls existieren keine weiteren alten Bilder von Alt Hünigen. - Auch schriftliche Notizen über eine Ruine Alt Hünigen fehlen.

NB: Ein Grund für die falsche Zuschreibung von Kauws Aquarell Alt Hünigen als Münsingen könnte in der erfundenen Geschichte liegen: Diese behauptet, Alt Hünigen habe dem Geschlecht der Senn von Münsingen gehört.

SENN (SN > (M)SN hat den gleichen Namensursprung wie MÜNSINGEN (MSN): MISENUM, der alte Hafen der heiligen Landschaft Kampanien.

Der Ortsname Hünigen

Hünigen, Hüningen, Hünliwald hat den gleichen hebräischen Ursprung wie das Huhn und die Hunnen: ha'on = die Kraft, die Stärke.

Hünigen spricht als Bezeichnung für einen starken, befestigten Ort, also eine Burg, für sich selbst.

Vgl. darüber Die Ortsnamen der Schweiz (2016)


Alt Hünigen im LIDAR-Bild