Die Erdburg Frumberg im Hünliwald bei Allmendingen (Bern)

Die Wehranlage ist bekannt, aber der Name (und auch die Burg) abgewandert.


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Der Frumberg (die Höhe im Hünliwald) bei Allmendingen BE von der Schosshalde aus. Auf diesem Hügel stand in alten Zeiten eine Erdburg.

Foto: Autor, 14.5.2006


Die Erdburg Frumberg im Hünliwald bei Allmendingen bei Bern von Osten

Foto: Autor, 12.6.2013

Der Abschnittsgraben im Vordergrund ist deutlich erkennbar, ebenfalls die ebene Umrandung des rechteckigen Burghügels.


Der Frumberg zwischen Muri und Allmendingen bei Bern. Ansicht von SE aus der Gegend von Tägertschi

Foto: Autor, 15.8.2013

Aus dieser Perspektive zeigt der Hügel sehr schön die Gestalt eines Vulkankegels. - Die Alten wussten dies. Sie hielten diesen Berg für einen Vesuv - oder für den Ararat.


Der Frumberg im Hünliwald zwischen Muri BE und Allmendingen bei Bern. Ansicht von Kleinwabern aus.

Foto: Autor, 27.5.2013


Plan der Erdburg Frumberg im Hünliwald bei Allmendingen (Bern)

Äquidistanz der Höhenkurven: 5 m

Planskizze: Autor, 5/2011

In der länglichen Form des Hügels erkennt man ein Schiff, mit dem rechteckigen Burghügel (und vielleicht ehemals mit einem hölzernen Turm) als Aufbau.


Eine namenlose Erdburg bei Bern

Mitten in dem Dreieck zwischen Gümligen, Muri und Allmendingen, an der südöstlichen Peripherie von Bern, befindet sich der ausgedehnte Hünliwald (Hüenliwald). Dieser wird durch die Trasse der Bahnlinie Bern - Thun und durch die Kantonsstrasse Bern - Thun durchtrennt und im Norden durch einen Autobahnzubringer begrenzt.

Trotzdem ist der Hünliwald ein kompaktes Waldgebiet, in welchem sich in der Mitte ein Hügel von 652 m Höhe erhebt. Gegenüber Gümligen ist jener Berg um 90 m, gegenüber Allmendingen 70 m überhöht.

Der längliche Waldberg in der Mitte des Hünliwaldes ist trotz seiner geringen Höhe von allen Seiten überaus markant. Und der Hügel hat eine besondere Bedeutung.

Auf seiner Höhe sieht man die Reste einer Erdburg.

Der Berg ist heute namenlos. Aber der ursprüngliche Name läßt sich nachweisen. Damit aber erhält der Waldberg im Hünliwald eine einzigartige symbolische Bedeutung.

Wo liegt der Frumberg?

Ich kenne die Erdburg auf der Höhe im Hünliwald seit Schülerzeiten. - Und ich las auch von einer angeblichen Burg Frumberg. Diese soll in einem isolierten Waldstück südwestlich von Muri, im Südwesten des Waldberges gelegen haben.

Schon damals ging ich der Sache nach und besichtigte das Waldstück Frumberg bei Muri. Aber dort findet sich nicht die leiseste Spur einer Wehranlage. Der Frumberg schien eine sagenhafte Burg zu sein.

Zuerst löste ich das Rätsel des Namens. Die Erklärung findet sich in Die Ortsnamen der Schweiz - auch als Online-Ortsnamenlexikon Der Vesuv ist überall.

FRUM-Berg enthüllt PRIAMUS-Berg (FRUM = PRM = PRIAMUM). Jener sagenhafte König war Herrscher von Troja. Ein Priamus-Berg bedeutet das Gleiche wie Vesuv.

Jetzt begriff ich, daß die Höhe mit der Burg im Hünliwald nicht namenlos war und daß der Name Frumberg ursprünglich für die Höhe gegolten hat. - Im Laufe der Zeit ist der Ortsname hinabgewandert und hat dann jenes Waldstück westlich des Berges bei Muri benannt.

Die Erdburg Hünli hieß also Frumberg - der Hügel ist oder war nicht namenlos!

Und es läßt sich sogar beweisen, daß der Waldberg ursprünglich Frumberg geheißen hat:

Auf dem sogenannten Reinhardt-Plan von Allmendingen ist der Berg im Hünliwald sehr plastisch wiedergegeben und wie folgt beschrieben: Hier ist vor diesem das Schloß Pfraumberg gestanden (siehe die Abbildung).

Nicht nur der Name, auch die Burg ist zu einer bestimmten Zeit vom Hügel hinab gekommen:

Der Maler Albrecht Kauw (ca. 1750er Jahre) stellt auf einem Aquarell eine mächtige Turmruine Allmendingen dar. - Lange Zeit war der Standort verschollen. Doch vor Jahrzehnten fand man im Keller eines Einfamilienhauses in Allmendingen, rechts der Strasse nach Thun, Fundamente jenes Baus.

Das heutige Wohnschloss Allmendingen, links der Strasse nach Thun, ist eine Campagne aus dem 18. Jahrhundert und heute Privatbesitz.

Darstellung des Frumbergs auf dem sogenannten Reinhardt-Plan von Allmendingen aus dem Jahre "1729" = 2. Hälfte des 18. Jhs.

Der Waldberg ist auf dieser Planzeichnung als deutlicher Kegel herausgearbeitet: Der Frumberg, ein Vesuv am Stadtrand von Bern!

aus: Allmendingen; Bern 1989

Der besagte Plan stellt den Hügel übrigens nicht länglich wie er ist dar, sondern als Kegel. Mein meint, die Alten hätten noch gewußt, daß der Frumberg einen symbolischen Vulkan darstellt - einen Berner Vesuv!


Die Burganlage auf dem Frumberg

Die Erdburg auf dem Waldberg im Hünliwald erstreckt sich über die ganze Länge - etwa 180 m - der schmalen Höhe (vergleiche den untenstehenden Plan) in nordwestlicher Richtung.

Den zentralen Teil nimmt ein Burghügel ein, der durch zwei Abschnittsgräben vom Hügel abgetrennt ist.

Das Plateau mißt ca. 14, 5 x 29 Meter, bildet also ein Doppelquadrat - eine ungewöhnliche geometrische Anlage. Das Podium trägt auf drei Seiten Randwülste. Gegen die vierte Seite, nach Nordosten fehlen solche: Der Steilabfall in jener Richtung machte solche unnötig. - Gegenüber der natürlichen Höhe des Berges ist der rechteckige Burghügel um etwa zwei Meter überhöht.

Innerhalb der keltischen Landvermessung lässt sich eine Orientierung des Doppelquadrates von 300° NW ausmachen.

Im Nordwesten der Burganlage findet sich nach etwa 50 Metern ein zweiter Halsgraben, der die andere Spitze der dort steil abfallenden Hügelkuppe abtrennte.

Die Erdburg Frumberg nach einer älteren Planzeichnung von Bendicht Moser

Der mit Schraffuren gefertigte Plan besticht durch seine Anschaulichkeit. - Doch ist er in den Details ungenau. Vor allem ist der rechteckige Burghügel zu wenig lang gezeichnet. - Auch stellt der Plan im Nordosten der Burg neben einem dritten noch einen vierten Graben dar, von welchem keine Reste erkennbar sind.


Mauerreste sind nirgends erkennbar und werden auch in früheren Angaben nicht erwähnt. Der Frumberg war eine ursprüngliche Erdburg.

Bei der Burg auf dem Hügel im Hünliwald haben inoffizielle und offizielle Schatzgräber schon im Boden gewühlt. Aber auch die Archäologen haben nichts von Bedeutung gefunden. - Wie denn auch?

Sagen rund um den Frumberg

Wie bei vielen Burgstellen, so ranken sich auch um die Burg auf Frumberg im Hünliwald alte Sagen. Vor allem berichten sie von unterirdischen Gängen, welche die ehemalige Burg mit Nachbarschlössern verbinden.

Nun gehört zu jedem Tunnel ein Eingang, welcher hier nie gefunden wurde. Aber die Geschichtenerzähler wissen sich herauszureden: Die Zugänge zu diesen Höhlen würden geheimgehalten oder seien verschüttet!

Man kann zu diesen Sagen stehen, wie man will. Aber sie haben die Phantasien von unzähligen Menschen beflügelt und sogar Schriftsteller und Künstler zu Werken angeregt.

Untenstehend findet sich die Abbildung eines Höhleneingangs unterhalb des alten Frumbergs.

Die romantische Darstellung eines mächtigen Zugangs läßt vielleicht den Wunsch aufkommen, an den Hängen des Waldbergs im Hünliwald doch nach einer solchen Örtlichkeit zu suchen!

Leider ist dem nicht so: Die abgebildete Höhle ist die sogenannte Rindfleischhöhle im Glütschbachtal bei Thun.

Die Zuschreibung Höhle im Hünli beruht auf einer Verwechslung: In den Alpenrosen illustriert die Abbildung den Artikel Die Traufhöhle bei Amsoldingen (S. 291 - 295)

Die angebliche Höhle im Hünliwald = die Rindfleischhöhle im Glütschbachtal bei Thun auf einem Stich aus dem frühen 19. Jahrhundert

aus: Allmendingen; Bern 1989, Seite 105