Die Ruine Kramburg (Chramburg) bei Gelterfingen (Bern)

Eine gewaltige Erd- und Steinburg am Belpberg


Der Burghügel der Kramburg. Ansicht von Nordosten.

Foto: Autor, 19.6.2014


Planskizze der Kramburg bei Gelterfingen BE

Äquidistanz der Höhenkurven: 5 m

Plan: Autor, 11.2014

Die Skizze zeigt die wesentlichen Teile der Anlage: In der Mitte der rundlich-ovale Burghügel, von einem halbrunden inneren Graben (grün) umgeben. Im Südwesten unterhalb der Motte die Stützmauer mit dem Rampenwinkel gegen Osten. - Der Burghügel ist gegen Nordosten durch einen Abschnitts- oder Schildwall (heute zweigeteilt) geschützt. - Weiter oben, ebenfalls gegen Nordosten, schützt ein zweiter Schildwall die Anlage.

Der Plan zeigt deutlich, daß in dem Grundriß der Kopf eines Tiers zu sehen ist. Wahrscheinlich stellt die Figur einen Fisch dar.


Die Burgruine Kramburg bei Gelterfingen BE im LIDAR-Bild

Das digitale Oberflächenmodell zeigt Einzelheiten, die sonst nur eine aufwendige Planaufnahme enthüllen würde:

Die beiden nach der Bergseite, also nach NE gerichteten gewinkelten Schildwälle sind deutlich erkennbar.

Ebenfalls zeichnet sich das untere Plateau, die Zugangsrampe ab. - Man erkennt sogar, daß der ursprüngliche Weg um die SW-Ecke des Burghügels nach oben gezogen wurde.

Vor allem aber zeichnet sich die alte gemauerte Burganlage auf der Motte sehr deutlich ab: ein rechteckiger Bergfried, an den sich gegen NE ein Burghof von unregelmäßiger Form anschließt.

Die Befunde sind hier farbig nachgezeichnet.


Der Burghügel der Kramburg: Ansicht von Nordosten.

Foto: Autor, 21.5.2014


Kramburg bei Gelterfingen: Der innere Graben gegen Nordwesten

Foto: Autor, 19.6.2014


Unmögliche Beschreibungen der Kramburg in anderen Internet-Erwähnungen

Man weiß, daß man von Burgen-Beschreibungen in Büchern und im Netz nicht viel halten soll. Das gilt auch bei der Kramburg.

In einem Wikipedia-Artikel steht zum Beispiel:

Die Kramburg befindet sich am südwestlichen Rand des Belpbergs auf einem Felssporn. Die Wälle und der Burggraben sind heute noch zu erkennen und auch einige Mauerreste sind erhalten.

Dies ist wenigstens eine summarische Beschreibung. Es gibt aber auch abenteuerliche Charakterisierungen.

In einem anderen Artikel wird die Kramburg als "mittelalterliche Felsenburg" bezeichnet.

Wo sind denn die Felsen der Burg?

Die Autoren, die solches Zeug schreiben, sind Amateure und haben das Objekt nie besucht.


Lage und Beschreibung

Die Ruine Kramburg liegt am südwestlichen Abhang des Belpbergs gegen das Gürbetal hin, nordöstlich oberhalb des Weilers Gelterfingen (Bern) und gehört zu dieser Gemeinde.

Der Burgplatz auf rund 700 Meter Höhe ist von Natur aus gut gesichert, liegt er doch auf der linken Seite eines tief eingeschnittenen Tobels, auf einer spornartigen Erhebung oberhalb des Weilers Kramburg.

Die Anlage hat entsprechend dem Lauf des Wildbachs eine nach Nordosten gerichtete Achse.

Zentral ist bei der Kramburg eine eindrucksvolle rundlich-ovale Motte (siehe Abbildungen). Diese ist gegen Nordosten durch einen gegen NW inneren Graben von einem schmalen halbkreisförmigen Plateau abgeschnitten.

Die Höhe der Motte ab der erhaltenen Grabensohle beträgt gut sechs Meter.

Der innere Graben ist teilweise in den Felsen gehauen - sichtbar an den steilen Grabenwänden. Gegen Süden ist der Graben teilweise zugeschüttet.

An das Plateau schließt sich ein innerer halbkreisförmiger Abschnitts- oder Schildwall an. Dieser ist heute durch einen Zugang zweigeteilt, war aber ursprünglich sicher zusammenhängend.

Vor dem Abschnittswall liegt gegen die Bergseite hin ein deutlich erkennbarer äußerer Graben, auch halbkreisförmig.

Oberhalb des äußeren Grabens liegt ein mächtiger zweiter, oberer Schildwall.

Gegen den Weiler Kramburg fällt die Motte steil ab. Die Burganlage endet etwa fünfzehn Meter unterhalb der Motte mit einer schmalen halbkreisförmigen Terrasse. Diese war durch eine gebogen verlaufende Stützmauer gesichert, von welcher noch an zwei Stellen Reste erhalten sind.

Die Stützmauer endete gegen Osten mit einem deutlichen Winkel, der noch gut erkennbar ist.

Die genaue Beobachtung der östlichen Mauerecke zeigt, daß diese ursprünglich eine Rampe darstellte. Also war der alte Zugang zur Burg von der unteren Ostseite.

Auf der Motte der Erdburg wurde in "mittelalterlicher" Zeit eine Steinburg hineingebaut. Aufrechte Mauerreste sind nicht mehr erhalten. Doch läßt sich der Grundriß erahnen:

Im Südwesten stand ein rechteckiger Wehrturm mit einer Seitenlänge von etwa acht Metern.

An diesen lehnte sich gegen Nordosten ein Bering an, der ein unregelmäßiges Rechteck bildete und einen Burghof von etwa 15 Metern Durchmesser umschloß.

Der Burgenmaler Albrecht Kauw hat - nach des Autors Meinung um ca. 1770 - die Burgruine Kramburg abgebildet. Doch enthält das Aquarell wenig nützliche Anhaltspunkte. - Siehe unten.

Die Ruinen der Steinburg wurden wohl schon um oder kurz nach 1800 vollständig abgetragen. Spätere Abbildungen der Kramburg gibt es keine.


Kramburg bei Gelterfingen BE: Reste der unteren Stützmauer im Osten

Foto: Autor, 19.6.2014


Kramburg bei Gelterfingen BE: Reste der unteren Stützmauer im Westen

Foto: Autor, 19.6.2014


Albrecht Kauw: Kramburg, Aquarell

(Historisches Museum Bern)

Kauw gilt allgemein als genauer Beobachter. Seine Burgenansichten sind meistens sehr detailgetreu.

Bei der Kramburg jedoch hat die künstlerische Phantasie Oberhand gehabt.

Es ist dies sicher eine Ansicht von Osten. Dafür spricht der Zufahrtsweg, der Graben und der Hang des Belpbergs im Hintergrund.

Die beiden Turmruinen jedoch sind auf alle Fälle gewaltig überzeichnet: Der Bergfried wäre rechts. Der linke Turm ist nicht nachweisbar.

Um zur Kunst zurückzukehren: Man möchte meinen, als symbolisierten die beiden Türme zwei zum Gebet gegen den Himmel erhobene Hände.


2016