Die Burgruine Hohburg oberhalb von Belp

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Vergleiche auch: Burgen rund um Bern


Hohburg bei Belp: Rest der talseitigen Sperrmauer am Westrand der Burgstelle. Ansicht von Süden.

Foto: Autor, 5.6.3013


Hohburg bei Belp: Ansicht des Burghügels vom Berghang aus

Foto: Autor, 5.6.2013


Hohburg bei Belp: Ansicht des Burghügels von der Bergseite, also von Osten

Die Kegelform des Burghügels ist von dieser Seite sehr schön zu erkennen. Ebenfalls fällt der ursprüngliche Zugangsweg als scharfe Biegung im rechten Bildteil auf.

Bild: Autor, 17.8.2011


Hohburg bei Belp: Ansicht des hinteren Plateaus von SW

Foto: Autor, 5.6.2013

Auf diesem Plateau stand der Turm der Hohburg, von welchem noch eine Zeichnung aus dem frühen 19. Jh. existiert (siehe Bild).

Eine rechteckige Grundform ist auf dem Foto deutlich zu erkennen.


Kartenausschnitt mit der Hohburg bei Belp

Die Hohburg auf der Landeskarte von 1944: Die Burgstelle trug damals den Namen Rudern.

Die alte Bezeichnung enthält das lateinische Wort RUDERA = Trümmer, Ruinen (von rudus, ruderis, n). - Nomen atque omen!


Der Belpberg von Norden

Der Standort der Burgstelle Hohburg ist durch die rote Pfeilspitze gekennzeichnet. In der Mitte erkennt man das Gehöft Breiten.

Foto: Autor, 17.8.2011


Hohburg bei Belp: Ansicht des Burghügels von Südosten

Vom Graben aus erkennt man als erste Geländestufe den Randwulst. Dahinter erhebt sich der steile Kegel des Burghügels. Ganz links ist der äußerste Rest einer gegen Süden gerichteten ersten Schild- oder Sperrmauer zu sehen.

Quelle: Internet


Hohburg bei Belp: Ansicht des Burghügels von Nordwesten

Standort des Betrachters ist das Plateau der hinteren Burg. Davor ist eine Rinne zu sehen, welche den Burghügel gegen Nordwesten abgrenzt.

Quelle: Internet


Hohburg bei Belp: Planskizze

Äquidistanz der Höhenkurven: 1 m

Der Burghügel hat eine Höhe von ca. 717 M. ü. M.

Die gestrichelte braune Linie auf der Ostseite des Burghügels zeigt den ursprünglichen Zugangsweg an.

Die Mauerspuren sind mit approximativer Genauigkeit eingetragen.

Plan: Autor

Eine oder sogar mehrere Figuren sind in dem Grundriß sicher verborgen.


Beschreibung der Burgstelle

Die Burgruine Hohburg befindet sich gut 1 km südöstlich vom Zentrum von Belp am steilen und bewaldeten Nordabhang des Belpbergs.

Man erreicht die Burgstelle von unten über einen Fußweg, der vom Hof Breiten an der rechten Seite eines Tobels auf die Höhe des Berges führt.

Die Hohburg findet sich auf einem nach Nordwesten gerichteten länglichen Sporn von etwa 65 m Länge, der von der Bergseite durch einen Halsgraben abgetrennt ist. Durch diesen führt auch der an der Nordseite in den alten Graben eingetiefte Wanderweg vom und auf den Belpberg. Die Lage ist für die Anlage einer Burg außerordentlich geeignet: Der Sporn ist auf allen drei Seiten sehr abschüssig und teilweise felsig.

Auf den schon erwähnten Halsgraben, der eine Nord-Süd-Ausrichtung hat, folgt ein Randwulst, der eine untere Terrasse bildet. - Der Blick von Osten (vgl. das Foto) zeigt, daß der ursprüngliche Zugang vom Graben über eine scharfe Biegung im Norden zu diesem unteren Absatz führte. - Das erklärt auch den Mauerzug am nordöstlichen Abhang.

Dahinter folgt ein steiler, kegelförmiger Burghügel, der die Grabenkante um elf Meter überragt und eine Grundfläche von etwa acht Metern hat. Die Landeskarte gibt die Höhe der Motte mit 720 Metern an. - Andere Angaben kommen auf einige Höhenmeter weniger.

Vom Burghügel geht es wieder etwas weniger steil neun Meter hinab. Nach einer weniger als ein Meter tiefen Rinne schließt sich ein kleines ungefähr rechteckiges Plateau mit Mauerspuren an.

Die Hohburg war wohl ursprünglich eine Erdburg. Der markante Kegel des Burghügels, der von der Bergseite sehr schön sichtbar ist, beweist dies.

Die Burgstelle wurde hernach versteinert. Rund um den Burghügel finden sich Mauerspuren und einige kleine Mauerstücke.

Der Plan der Anlage zeigt jedoch, daß der ursprüngliche Zugang vom Graben um das nördliche Ende des Randwulsts gezogen war. Dort kann ein Torzugang vermutet werden.

Auch die Spitze und der südliche Hang des Burghügels zeigen Mauerreste, die schwer zu deuten sind.

Über den Verlauf und die Funktion der Mauerreste würden nur Grabungen Klarheit bringen.

Nach einer alten Zeichnung vom Beginn des 19. Jahrhunderts hatte die Hohburg einen hohen, schlanken, rechteckigen Turm (vgl. die Abbildung). Dieser stand jedoch nicht auf der Höhe des Burghügels, wie man meinen möchte, sondern auf dem niedrigen hinteren Plateau .

An der Spitze des Sporns hat sich ein übermannshoher Mauerrest von ungefähr zwei Metern Dicke und mit Blendmauerwerk gegen Süden erhalten (siehe Bild). Nachweislich hatte diese Mauer keine Verbindung mit den übrigen gemauerten Teilen der Anlage.

Man fragt sich, weshalb ausgerechnet gegen die unzugängliche Talseite noch eine feste Sperrmauer errichtet wurde.

Das Rätsel dieser Mauer führt zu den Eigenheiten der "mittelalterlichen" Steinburgen: Diese Wehranlagen wollten oft durch ihr bloßes Aussehen beeindrucken.

Die talseitige Abschlußmauer ist deutlich gegen das Dorf Belp ausgerichtet. Von dort und näher vom Fuß des Belpbergs betrachtete man die Burg. Also mußte die Wehranlage in jener Richtung einen imposanten Eindruck darbieten. Die Abschluß- oder Sperrmauer gegen Nordwesten ist als eine Imponiermauer zu deuten. Sie sollte mit dem dahinter stehenden Turm von unten einen wehrhaften Eindruck vermitteln.

Die Hohburg hat wohl kaum eine strategische Funktion besessen; sie wurde bewußt an unzugänglicher Stelle angelegt. Der Symbolwert der Hohburg war größer als der Funktionswert.

Als Steinburg hat die Hohburg wohl kaum eine Generation bestanden. Dann wurde sie verlassen und zur Ruine. Spätestens gegen die Mitte des 19. Jahrhunderts war von dem Gemäuer nicht mehr übrig als heute.

Sogar ein alter Flurname beweist, daß von der Hohburg seit langem nur mehr kümmerliche Mauerreste vorhanden waren. Noch auf einer Karte von 1944 wird der Burgplatz mit RUDERN = lateinisch rudera = Trümmer, Ruinen bezeichnet (siehe Planausschnitt).

Die Hohburg bei Belp nach einer Zeichnung um 1820

Die Zeichnung ist wenig aussagekräftig. Man kann daraus nur entnehmen, daß auf dem Sporn ein hoher, schlanker und quadratischer Turm stand, mit einer Öffnung auf halber Höhe gegen Südwesten.

aus: Die Burgen und Schlösser des Kantons Bern, 1. Teil (Bernhard Schmid/Franz Moser), Basel, 1940, S. 35


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