Englisberg: eine verschwundene Burg bei Granges-Paccot, Kanton Freiburg

Der Name hat sich erhalten. Die Burgstelle mußte der Autobahn weichen, wurde aber 1961 noch dokumentiert.


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Ein aktueller Einschub

2014 wurde über eine Gemeindefusion abgestimmt. Die neue Gemeinde sollte Englisbourg heissen. Das Projekt wurde verworfen.

Vom historischen Standpunkt her erinnert Englisbourg unmittelbarer an die ehemalige Burgstelle bei Granges-Paccot als der eigentliche Name Englisberg.


Vorbemerkung: Es gibt zwei ehemalige Burgstellen mit Namen Englisberg

Neben dem Englisberg bei Granges-Paccot FR gibt es eine ehemalige Burgstelle Englisberg bei dem gleichnamigen Weiler auf dem Längenberg in der Gemeinde Wald BE, südlich von Kehrsatz.

Von diesem Englisberg steht nicht einmal der genaue Platz der verschwundenen Burg fest. Wahrscheinlichster Standort ist westlich der Anstalt Kühlewil, am Rand der Hochebene vor dem Steilabfall zur Gummersloch-Schlucht.

Vergleiche dazu den Artikel: Burgen rund um Bern.


Die Ruine Englisberg

Aquarell von Jean-Joseph Combaz aus dem frühen 19. Jahrhundert (MAHF)

Wahrscheinlich handelt es sich bei diesem Bild um eine Ansicht vom Burgplatz gegen Westen.


Plan der ehemaligen Burgstelle Englisberg (Granges-Paccot, FR) nach den Sondierungen von 1961

Äquidistanz der Höhenkurven: 1 m

Planskizze: Autor, auf Grund eines archäologischen Plans von 1961

Beim inneren Graben vor der Burg ist der tiefere Teil stärker gefärbt.

Der Graben innerhalb der Mauern war nach der Erbauung der Steinburg bereits zugeschüttet.

Der Verlauf der Grabenbrücke ist hypothetisch. Immerhin befindet sich zwischen den beiden Gräben ein steinernes Widerlager.


Englisberg (Granges-Paccot, FR): Profil nach den Sondierungen von 1961

Grafik: Autor

Das Profil veranschaulicht die großen Schuttmassen, die über dem Turmgrundriß und in den Gräben lagen.


Plan der Burg Dübelstein (Dübendorf ZH)

aus: Thomas Bitterli: Schweizer Burgenführer, Basel 1995

Die Grundrisse von Englisberg und Dübelstein zeigen eine frappante Ähnlichkeit. Man möchte meinen, der gleiche Baumeister sei bei beiden Objekten am Werk gewesen.


Plan der Burg Wulp (Küsnacht ZH)

aus: Thomas Bitterli: Schweizer Burgenführer, Basel 1995

Auch diese Burg hat einen ähnlichen Grundriß wie die beiden oben genannten Objekte.


 

Englisberg: eine Burgstelle, die es nicht mehr gibt

Die ehemalige Burgstelle Englisberg lag nordöstlich des alten Weilers Granges-Paccot (Kanton Freiburg), auf einem damals bewaldeten, gegen Nordosten gerichteten steilen und teils felsigen Sporn auf der linken Seite des Saane-Tals. Zu erkennen waren von der Burganlage zuerst zwei breite Gräben, welche den Sporn gegen Westen abschnitten. Einiges Mauerwerk gestattete zu erahnen, daß die Wehrburg ein unregelmäßiges Vieleck bildete mit mindestens einem Eckturm. Letzterer war unter einer gegenüber dem Burgplatz sechs Meter hohen Motte im Südwesten auf der Grabenseite zu vermuten.

Um 1960 wurde klar, dass die geplante Autobahn A 12 genau über die Burgruine Englisberg führen wird. Genauer gesagt würde der Sporn der Burg das südliche Widerlager der Autobahnbrücke über die Saane bilden.

Die Burgstelle würde also zerstört und eingeebnet werden. Die Entscheidung war natürlich bedauerlich. Anderseits bedeutete sie einen Glücksfall für die Burgenforschung. Denn vorher sollte das Objekt durch Grabungen erforscht werden. 1961 ist dies geschehen. Im folgenden Jahr wurde Englisberg für den Bau der Autobahnbrücke eingeebnet.

Die Befunde nach den Ausgrabungen von 1961

Die 1961 durchgeführten Untersuchungen an der Burg Englisberg geschahen mittels mehrerer Sondierschnitte. Diese und hernach die Aufnahme eines exakten Plans gestatteten, sich ein klares Bild von dem Objekt zu machen.

Im Folgenden wir hier der Grabungsbericht wiedergegeben, wie er in den Nachrichten des Schweizerischen Burgenvereins, XXXIV. Jahrgang 1961, S. 27 - 30, publiziert worden ist (mit kleinen Änderungen und Kürzungen).

"Die gesamte Burganlage ... war auf einem steilen Sandsteinsporn über der Saane erricht. Geschützt war das Ganze durch einen doppelten Halsgraben, welcher künstlich in die Molasse eingetieft war. An den sauber geputzten Grabenwänden konnten noch deutlich die Spuren der Bearbeitung festgestellt werden.

Offenbar hatte einst eine Brücke die beiden Gräben überquert: das Fundament der Mittelstütze find sich noch auf dem die beiden Gräben trennenden Wall.

Gegen die Landseite, also gegen die Gräben hin, stand als Hauptwehr der 9,9 x 8,6 m im Geviert messende Bergfried. Er besass landwärts eine 3,2 m dicke Mauer; die übrigen wiesen eine Stärke von 2,45 m auf. Das Fundament war in Bruchsteinen in die Grube gebaut; das aufgehende Mauerwerk bestand aus sauber behauenen Sandsteinquadern, welche an einzelnen Stellen von Buckelquadern durchsetzt waren. Das 2. Stockwerk war offensichtlich in Bogenquadern aus Tuff aufgebaut. Die ursprüngliche Höhe konnte nicht mehr eruiert werden.

An den Bergfried schlossen sich nach zwei Seiten, in stumpfem Winkel weglaufend, zwei 2,7 beziehungsweise 2,45 m dicke Schildmauern, in deren Schutz sich der Burghof befand. Er war seinerseits wiederum  durch die geschlossene Ringmauer von 1,9 m Dicke gegen die Saane hin gedeckt. Das Haupttor war offensichtlich auf der Westseite in der dortigen Schildmauer. Gegen den Fluss hin wurde ein Ausfallpförtchen freigelegt.

Es konnte nur ein Wohnraum in der Nordostecke des Burghofs entdeckt werden. Der Burghof gliederte sich in zwei Ebenen, wobei die tiefer liegende, and die östliche Ringmauer angrenzende Partie als Wohnteil gedient haben dürfte. Eine Steintreppe verband die beiden Niveaus. Die gesamte Anlage war in sauber behauenen Quadern aufgemauert, war aber anscheinend einmal zerstört und wieder aufgebaut oder aus Gründen der Modernisierung umgebaut worden.

Eine systematische Zerstörung der jüngeren Anlage hatte ebenfalls stattgefunden, denn man konnte feststellen, dass die Ringmauer auf weite Strecken zuerst untergraben und dann mit Holz unterstützt worden war. Hernach hatte man an die Holzstützen Feuer gelegt, so dass ganze Mauerteile nach aussen umkippten.

Besonders interessant war die Beobachtung, dass hinter dem Bergfried, innerhalb des Burghofs längs der beiden Schildmauern ein ein weiterer Graben verlief. Über die Bedeutung und zeitliche Einordnung jenes dritten Grabens herrscht Unklarheit. Jedoch war er zur Zeit der endgültigen Zerstörung der Burg bereits ausgefüllt.

Ungeheure Schuttmassen lagen auf den Fundamenten und den Mauerteilen und lassen durch ihre Schichtung die systematische Zerstörung mit aller Deutlichkeit erkennen. Auf die planmässige Verwüstung weit auch der Umstand, dass nur wenige Kleinfunde geborgen wurden."

Rätsel um die ehemalige Burg

Man ist bei der Interpretation der verschwundenen Burgstelle Englisberg bei Granges-Paccot auf den Grabungsbericht und den Plan angewiesen. Die meisten Dinge sind einsichtig. Doch es bleiben einige Fragen und Rätsel übrig.

Zum ersten stellt der innerhalb der Ringmauer festgestellte erste Graben eine Frage. Man muß annehmen, daß zuerst die Gräben angelegt wurden. Dabei hatte man wohl zuerst einen kleineren Burgplatz vorgesehen.

Die Gräben sind in den anstehenden Sandstein eingetieft. Englisberg war also nicht zuerst eine Erdburg wie die meisten anderen Anlagen. - Und die Steinburg wurde in Sandsteinblöcken, teils mit Bossierungen gegen außen aufgeführt. Der Gebrauch von Sandstein für Burgen kam in der Gotik auf. Englisberg war also eine relativ junge Wehrburg.

Interessant ist auch die Feststellung der systematischen Zerstörung der Mauern. Die Burg wurde also nicht bloß aufgegeben, sondern bei dieser Gelegenheit auch verwüstet.

Englisberg scheint offenbar kaum eine Generation bestanden zu haben.

Schatzgräber und Amateure haben sich immer wieder mit einem unterirdischen Gang bei Englisberg befaßt. Dieser führte am unteren Teil des südöstlichen Steilabhangs in den Berg hinein. - Der Autor hat ihn in jungen Jahren mehrmals begangen. - Ob der Gang noch heute existiert, kann nicht gesagt werden.

Unbedingt ist noch auf einige alte Stätten in der Umgebung von Englisberg hinzuweisen.

Genau nördlich, über dem anderen Ufer der Saane, liegt die bekannte in den Felsen gehauene Einsiedelei St. Magdalena von Räsch.

Im Nordosten, über dem anderen Ufer des Flusses, liegt die große Burgstelle Räsch.

Welche möglichen Zusammenhänge zwischen diesen Anlagen bestanden haben, läßt sich nicht sagen.

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