Die Wehranlage Räsch bei Düdingen FR: eher ein Kastell als eine Burg


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Vgl. auch die Burgenseite für BE & FR: http://www.dillum.ch/html/inhalt_7.html


Vergleiche auch den Artikel über die Burgstelle Englisberg bei Granges-Paccot, gegenüber von Räsch, über dem linken Ufer der Saane


Luftansicht der Örtlichkeit des Kastells von Räsch, südwestlich von Düdingen FR

Man erkennt unten links das Ufer des Stausees von Schiffenen (gestauter Lauf der Saane). Links des Räschbachs (hier außerhalb des Bilds) liegt die Einsiedelei St. Magdalena, heute unterhalb der Autobahnbrücke über die Saane, bzw. den Schiffenensee.


 

Wehranlage Räsch bei Düdingen: Blick von E gegen die SW-Ecke

Foto: Autor, 5.4.2014


Räsch: Burg oder Kastell?

Die Wehranlage Räsch liegt einige hundert Meter im Südwesten des gleichnamigen Weilers und südwestlich von Düdingen (Kanton Freiburg). Das heute gänzlich bewaldete Objekt ist strategisch ausgezeichnet plaziert im Winkel zwischen dem bogenförmig verlaufenden Räschbach im Westen und Norden und der Saane-Böschung im Süden. Ebenerdig erreicht man das Erdwerk nur von Osten.

Vom Plateau ist die Wehranlage im NE und E durch einen breiten gewinkelten Abschnittsgraben getrennt.

Der Burgplatz bildet ein unregelmäßiges Viereck mit Diametern von ungefähr 80 x 85 m. Die ebene Innenfläche mißt etwa 3500 Quadratmetern. Die Fläche war auf allen vier Seiten durch eine aus Mörtel gefügte Mauer geschützt, von der auf allen Seiten, vor allem aber gegen die Saane hin, noch geringe Spuren vorhanden sind. Die ursprüngliche Mauerdicke kann auf 1,3 m geschätzt werden.

Die vier Mauerzüge verliefen offenbar überall geradlinig. Einzig im SW ist die Mauer gegen die Westspitze hin gebogen.

Die Außenmauern des Vierecks verliefen im SW und NW bündig zu den Hangkanten. Gegen die beiden Grabenseiten hingegen waren die Mauern gegenüber den inneren Grabenkanten etwas zurückgesetzt, ließen also ein schmales "Glacis" frei.

An der Südostecke markiert eine rechteckige Erhebung mit geringen Mauerspuren ein Gebäude von unbestimmten Massen. Ein großes Loch in dem kleinen Hügel läßt auf eine alte Grabung schließen.

Ebenfalls sind unterhalb der Nord-Ecke Anlage die Spuren eines gegen den Räschbach vorspringenden offenbar rechteckigen Turms oder eines Torbaus auszumachen. Der ursprüngliche Zugang wäre also von der Nordkante des Plateaus über einen Holzsteg zum Torbau zu rekonstruieren.

Die Mauern sind überall fast vollständig verschwunden. Doch als Erdwerk ist die Anlage in ihrer Struktur sehr gut erhalten. Das ist sicher der relativ abgeschiedenen Lage zu verdanken.

Die Größe der Anlage, die rechtwinkligen Außenmauern, der ebenfalls gewinkelte Abschnittsgraben und die große, ebene Innenfläche passen nicht zum Bild einer "mittelalterlichen" Stein- und Erdburg. Man denkt eher an ein "römisches" Kastell.

Ein Argument findet sich für die letztere Vermutung:

Schaut man sich den Verlauf der Mauerzüge von Räsch an, so denkt man an eine glockenähnliche Form. - Nun haben die römischen Kastelle von Solothurn und Olten ein ähnliches Aussehen. - Also ist Räsch vielleicht zu Recht als spätrömischer Wehrbau anzusprechen.

Man muß wissen, daß im SW, auf der gegenüberliegenden Seite der Saane sich die Erdburg Englisberg befand. Diese wurde um 1961 für den südlichen Brückenpfeiler der Autobahnbrücke vollständig eingeebnet.

Gab es hier eine Fährverbindung über die Saane? - Die Wehranlage von Räsch bei Düdingen läßt jedenfalls auf eine ehemals wichtige strategische Bedeutung des Platzes schließen.

Am Schluß sei noch erwähnt, daß man sich in der Westschweiz - und besonders in Freiburg - wenig mit verschwundenen Burgen befaßt. Außer in der alten und neuen Burgenkarte der Schweiz findet sich Räsch nirgends erwähnt. Bisher hat sich also noch niemand mit dieser doch großen und bedeutenden Wehranlage befaßt.

Einen Beweis für diese Ignorierung liefert auch die erwähnte neue Burgenkarte: Dort ist Räsch auf der anderen Seite der Saane, im Gebiet von St. Léonard eingetragen! - Außer dem Autor hat sich noch niemand darüber beschwert!

Plan der Wehranlage Räsch bei Düdingen FR

Die Äquidistanz der Höhenkurven beträgt 1 m.

Die Masse der Konstruktion in der SW-Ecke des unregelmäßigen Vierecks sind hypothetisch, ebenfalls die Turm- oder Torkonstruktion außerhalb der Nordecke.

Als Detail: Der gemauerte Wall gegen NE hat ein etwa 2 m breites Glacis (auf dem Plan nicht ersichtlich).

Planskizze: Autor, 11.2010


Räsch bei Düdingen: Blick von N in den Halsgraben im E

Foto: Autor, 5.4.2014