Abyss of time

Bemerkungen zur geschichts- und chronologiekritische Webseite von Jef Demolder

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Einführung

Seit anfangs 2018 existiert die Webseite von Jef Demolder mit dem Namen

Abyss of time

Erst vor kurzem (11.18) bin ich durch einen Hinweis auf diesen Blog gestossen.

Der Inhalt der Seite ist allerdings interessant und deckt sich in vielem mit meinen Anschauungen.

Aus dem Nichts können diese Beiträge nicht entstanden sein. Der Autor (J.D.) muss sich seit Jahrzehnten mit den Themen beschäftigt haben, bevor er sich entschloss, diese zu veröffentlichen.

Die erste Durchsicht ergab, dass der Autor die anderen erwähnenswerten Geschichtskritiker kennt - auch mich.

Die folgenden Ausführen haben deshalb folgenden Zweck:

- Zuerst soll die Person und die Webseite von Jef Demolder skizziert werden.

- Hierauf wird auf  Demolders Kritik an den anderen Geschichtsrevisionisten geantwortet.

- Besonders antworte ich auf die Kritik des Autors an mir.

- Schliesslich sollen in loser Folge einige der wichtigen und interessanten Themen der Webseite Abyss of time erwähnt werden.


Demolder und seine Webseite Abyss of time

Jef Demolder hat Jahrgang 1955, ist Belgier flämischer Herkunft, Absolvent der Universität Löwen in katholischer Theologie und Philosophie. Seine Karriere beinhaltete Tätigkeiten für NGOs. Gegenwärtig ist er Programmkoordinator für die Organisation Brüderlich teilen in Brüssel.

Mit Abyss of time hat Demolder einen griffigen Titel gewählt. Der Blog existiert sei anfangs 2018. Die ersten Einträge sind flämischer Sprache; dann hat der Autor vernünftigerweise auf Englisch gewechselt.

Die Abyss-Seite ist übersichtlich dank dem chronologischen Prinzip.

Die Webseite ist in Form von - meist illustrierten - Kästchen gestaltet: eder Beitrag mit einem genauen Datum versehen.

Des Autors relativ kurze Artikel erlauben einen raschen Einstieg in seine Gedankenwelt.

Zu jedem Artikel ist es möglich, über eine Anmeldung bei einem Blog Kommentare zu schreiben.

Demolder schreibt über die Bibel, das Alte und Neue Testament, die Kirchenväter, über Chronologen, die Probleme der Geschichtskritik, über archäologische Funde, bildende Kunst, Städtebau und Baukunst - um einige der wichtigsten Themen zu nennen.

Demolders Bild der Geschichte und Vorgeschichte gründet auf dem Katastrophismus. Diesen erdgeschichtlich bedingten Wechsel setzt er ins Spätmittelalter, um 1350. - Hier scheint Christoph Marx durch mit seinem Josua-Ereignis.

 letztlich sieht der Autor den Beginn der wahren Geschichte - wie ich - auf die Zeit um 1800. Also hält er sogar Napoleon für zur Hälfte fiktiv.


Demolder und andere Geschichtskritiker

Wie schon gesagt sind Demolders Ansichten nicht ex nihilo entstanden. Er kennt alle wichtigen Geschichtskritiker aus alter und neuer Zeit.

Ich beschränke mich hier auf die neueren Kritiker.

Demolder kennt Robert Baldauf, Johnson, Wilhelm Kammeier, Heribert Illig, Uwe Topper, Velikovski, Fomenko - und mich.

Auffällig ist, dass Demolder fast alle diese Personen kritisiert, ohne ihre Beiträge zu würdigen.

Baldauf zum Beispiel übertreibe, wenn er in allen antiken Versmassen der klassischen griechisch-römischen Dichter den Stabreim und Endreim der neueren Poeten sehe. - Aber wie steht es mit Baldaufs Meinung, dass die gesamte Literatur des Altertums und des Mittelalters, dazu die Bibel in kurzer Zeit, innerhalb von wenigen Generationen entstanden sei?

Dass Heribert Illigs Versuch der Zeitkürzung des Mittelalters untauglich ist, bleibt unwidersprochen. Vgl. meine Kritik an Illig.

Merkwürdig mutet an, dass Demolder offenbar Uwe Topper schätzt. Weshalb? Der Mann macht gute Einzelbeobachtungen zur Literatur, zur Kunst, zu alten Bauwerken und Kunstobjekten, auch zu archäologischen Fälschungen. Aber ein Gesamtbild bietet Topper nicht. Vgl. meine Kritik an Uwe Topper.

Wilhelm Kammeier wird als Forscher anerkannt. Das hängt sicher damit zusammen, dass der deutsche Forscher die Geschichte im Spätmittelalter beginnen lässt. Dort setzt Demolder sein katastrophisches Ereignis, welches die Antike beendete.

    Aufs Schärfste muss man sich dagegen wehren, wenn Demolder Velikovski und Fomenko in einen Topf wirft und als unerheblich abtut.

Den Katastrophismus von Velikovski kann kein seriöser Geschichtskritiker annehmen.

Aber Fomenko pauschal zu verurteilen, ist doch allerhand. Immerhin liefert jener russische Forscher das bislang umfangreichste Material zur Kritik an den Textbüchern der alten Geschichte und an ihrer Chronologie.

Vgl. meine Rezension über Fomenko - History - Fiction er science

Aber um Fomenko zu verstehen, ist ein gründliches Studium seiner Werke notwendig. Das haben die meisten nicht getan.

Obwohl Demolder also Fomenko ablehnt, bleibt die verblüffende Feststellung, dass der russische Forscher etliche Themen behandelt, die sich auch in Abyss of time finden.


Demolders Kritik an meinen Anschauungen

Im gleichen Post, in welchem er Illig behandelt (2. Juni), erwähnt Demolder auch mich und meine Webseite. Diese Ausführungen sollen hier original wiedergegeben werden:

For example, Christoph Pfister (www. dillum.ch), in the summary on history criticism on his website, and in his book The Matrix of Ancient History, holds that all human history has been created after the year 1700, and that history only becomes reliable after the time of Napoleon. Now, except for some aspects of Swiss history, this author is rather superficial, and in his general view on history, the mobile fails completely. Why should people suddenly start to create history, if they did not before? Historical knowledge is not vital.

Ob ich die geschichts- und chronologiekritischen Themen nur oberflächlich behandle, kränkt mich. Immerhin haben meine gedruckten Werke einen Gesamtumfang von ca. 1500 Seiten. Und die rund 200 Artikel auf meiner Webseite würden nochmals soviel ergeben.

Vor allem wirft mir Demolder vor, ich schweige mich über die Motive der Geschichtserfindung, über den Zweck der Grossen Aktion der literarischen Geschichtsschöpfung aus.

Darauf sei geantwortet, dass meine Matrix der alten Geschichte einen zweiten Untertitel hat:

Analyse einer religiösen Geschichtserfindung.

Die biblischen Geschichten, die Evangelien und die Legende von Troja bestimmen die alte, die erfundene Geschichte.

Demolder als Theologe beschäftigt sich ausführlich mit dem Alten und dem Neuen Testament. - Aber auch bei mir spielen diese

religiösen Texte eine grundlegende Rolle.


Themen in Abyss of time

Hier sollen in loser Folge einige der interessantesten Themen der Webseite von Jef Demolder wiedergegeben werden

Trotz der teilweise unberechtigten Kritik an mir und anderen Forschern ist Demolder nämlich einer der wenigen Geschichts- und Chronologiekritiker, die man anerkennen muss.

Nur die Betonung von Katastrophen schadet der Logik seiner Argumentation.

In jedem Fall trägt Demolder eine grosse Anzahl von interessanten Einzelheiten zur Geschichtsrevision und Geschichtsfälschung zusammen und vergisst nie, den chronologichen Aspekt zu erwähnen, auch nicht die Quellenfrage.

Übrigens: Beim Studium der Webseite von Demolder stösst man bald auf eine andere, ebenfalls interessante Seite:

https://malagabay.wordpress.com/


Der Vesuv und Pompeji, vorher und nachher (20.9.18)

Zeitgenössische Abbildung, welche den Vesuv und die umgebende Landschaft vor und nach der plinianischen Eruption zeigt.

Illustration aus dem Werk De incendio Vesuvii von Giambattista Mascolo, "1633"

Der Vesuv-Ausbruch, welcher Pompeji zerstörte, wird in zeitgenössischen Quellen mit "1631" datiert.

Demolder folgt in diesem Post der Argumentation des früh verstorbenen Andreas Tschurilow. Letzterer arbeitete die neuzeitlichen Elemente des angeblich antiken Pompeji heraus, unter anderem die Wasserleitung des Domenico Fontana, den Sarno-Kanal.

Die obigen Abbildungen zeigen eine genaue Kenntnis der Landschaft. Der Zeichner kannte den Vesuv mit dem Monte Somma (links) aus eigener Anschauung. Neben Pompeji werden unter anderem die Orte Herculaneum, Scafati, Boscius (Boscoreale), Sarno, Resina, Portici, Leucopetra (Pietrarsa), San Giovanni a Teduccio und San Sebastiano genannt.

Demolder sieht den Sachverhalt grundsätzlich richtig:

Pompeii is not a falsification. The falsification is in the interpretation. Walking around in the ruins of Pompeii, you have a mindblowing view of a Roman Italian city in the 17th century.

Pompeji ist keine Fälschung. Die Fälschung liegt in der Interpretation. Wenn man in den Ruinen von Pompeji spaziert, so hat man einen staunenswerten Einblick in eine römisch-italienische Stadt des 17. Jahrhunderts.

Ich sage, Pompeji war eine mittelalterliche Stadt des 18. Jahrhunderts mit antiken Elementen. - Der "plinianische" Vesuvausbruch, welcher die Stadt begrub, muss irgendwann kurz nach der Mitte des genannten Jahrhunderts angesetzt werden.

Auch Fomenko urteilt über Pompeji ähnlich.


Der Stein von Caesarea mit der inschriftlichen Erwähnung von Pontius Pilatus ist eine Fälschung (9.10.18)

Ich bin schon seit langem der Ansicht, dass der 1961 gefundene Stein von Caesarea Maritima in Israel eine Fälschung sein muss. Dies schloss ich nicht aus der Inschrift selber, sondern aus dem Sachverhalt als solchen.

Der Pontius Pilatus des Evangeliums gehört nicht zur Jesus-Geschichte. Dort ist er ganz unorganisch eingefügt.

Pontius Pilatus ist eine Figur in der Legende von Basilius dem Grossen. Dieser wird in Konstantinopel von Kaiser Valens angeklagt. Den Prozess führt der Statthalter der Provinz Pontus. Der Kaiser wäscht seine Hände in Unschuld. Basilius wird verurteilt, kann aber weiterleben.

Sueton und die römischen Kaiser (12.2018)

Demolder analysiert die Geschichte von den zwölf römischen Imperatoren, die Sueton erzählt.

Richtig kommen ihm Zweifel, ob es diese Kaiser gegeben hat.

Besonders erkennt Demolder, dass es keinen Unterschied gibt zwischen Vespasianus und Titus: Beide tragen den gleichen Namen. Und ihre Taten sind kaum auseinanderzuhalten.

Ich habe bereits vor langer Zeit erkannt: Vespasianus Titus war ursprünglich als ein Kaiser mit einer Herrschaftszeit von zwölf Jahren angelegt. Später wurde der Imperator gesplittet: Der (alte) Vespasianus mit zehn, der (junge) Titus mit zwei Jahren Regierungszeit.

Aber sowohl Vespasianus wie Titus sind Vesuvkaiser. - In ihre Zeit fällt die Eruption des Vesuvs.