Die "Schildkröte" bei St. Niklaus SO

Erratiker mit zoomorphen Formen.


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NEU: Auch im Stadtplan von Rom findet sich eine Schildkröte dargestellt


Die sogenannte Schildkröte im Wald nordöstlich von St. Niklaus SO

Koordinaten:  608 502/230 969

Foto: Autor, 17.10.2017


Es ist dies ein Findlings-Paar aus einem gewaltigen, rundlichen Block, dem ein kleiner, länglicher und flacher Stein teilweise untergeschoben ist.

Deutlich erkennt man, daß die beiden Erratiker vom Erdreich befreit worden sind und auf schmalen (künstlichen?) Sockeln ruhen.

Ist der kleine Block künstlich unter den grossen geschoben worden?


Bilder in Findlingen, Grundrissen und Felsen

Das Thema ist dem Autor seit fast zwanzig Jahren geläufig: In den Grundrissen der alten Burgen und Städte finden sich Figuren. Und etliche Erratiker oder Findlinge weisen Bilder auf. Das können Tiere sein oder menschliche Körperteile (Schwurhand, Penis, Vulva).

Zudem sind etliche gewachsene Felsen bearbeitet, vor allem in Form von Felstoren. Beispiele im Kanton Bern sind die Felstorbogen der Pierre Pertuis und der Zwingherrenbogen. Dazu kommt der Elefant von Geristein.

Und sogar alte Flußumleitungen sind bildlich geformt: Der Phallus der Halbinsel von Bern und die Schwurhand der Engehalbinsel nördlich von Bern.

Die Erratiker im Wald von St. Niklaus SO

Der Wald der Bürgergemeinde Solothurn nordöstlich der Stadt, am Fuße des Jura-Vorbergs der Martinsfluh, ist übersät von großen und kleinen Findlingen. Im Unterschied zu vielen anderen Orten sind diese hier erhalten. Denn im 19. Jahrhundert wurden die Erratiker als willkommenes Baumaterial größtenteils gesprengt und weggetragen.

Initiative Leute haben in jenem Wald oberhalb von St. Niklaus - Feldbrunnen um die wichtigsten Blöcke einen Megalith-Wanderweg markiert und mit Hinweisschildern versehen.

Bei etlichen Findlingsgruppen vermuten die Initianten richtig, daß auch astronomische Orientierungen (große nördliche und große südliche Mondwende, Nord-Süd- und Ost-West-Ausrichtungen.

Der Schildkrötenstein

In dem besagten Wald gibt es unter den zahllosen Findlingen etliche, bei welchen man glaubt, Figuren zu erkennen. Der Befund ist nicht immer deutlich. Bäume und Bewuchs verschleiern häufig das Bild. Und das wechselnde Licht hebt vermeintliche Bilder hervor oder verdeckt sie.

Zumindest bei einem Objekt scheint der Befund klar zu sein, wie das schon die volkstümliche Bezeichnung ausdrückt.

Die sogenannte Schildkröte ist ein Findlingspaar, zusammengesetzt aus einem imposanten Riesenblock, dem ein kleinerer, länglicher Stein teilweise untergeschoben ist.

Von Südwesten sieht der Betrachter fast unwillkürlich die Figur einer Schildkröte, mit dem buckeligen und massigen Panzer, unter welchem der Hals und Kopf des Tieres hervorragt.

Das Bild scheint eindeutig und es hält schwer zu behaupten, dies sei zufällig entstanden.

Unbedingt ist aber festzuhalten, daß beide Steine – der große und der kleine – künstlich vom umgebenden Erdreich befreit worden sind. Sie ruhen heute auf schmalen Sockeln. Bei denen meint man, sie seien gemauert.

Die Absicht, eine Figur zu schaffen oder zu verdeutlichen, scheint klar.

Weil die Erratiker in die Vorzeit hineinragen, kann niemand sagen, wann man es unternahm, die besagten zwei Findlinge zur Figur einer Schildkröte zu formen.

Man könnte sogar behaupten, der kleine längliche Findling – also Kopf und Hals des Tiers – sei künstlich unter den riesigen Block untergeschoben worden. – Doch wie alles im Dunkel der Vorzeit bleibt das eine Hypothese.

Eines gilt es zu wissen: In der Epoche, in welcher die Erratiker eine Rolle spielten, war die Gegend waldfrei. Die Bilder und Orientierungen wären sonst nicht klar sichtbar gewesen.

Mythologie und Ikonographie

Der griechische Gott Hermes wird häufig mit einer Schildkröte dargestellt.

Auch kommt die Schildkröte in französischen Wappen vor.

Eine Schildkröte ist auch im Stadtplan des "mittelalterlichen" Roms zu erkennen

Der Kopf und Hals des Tiers wird vom Vatikan am rechten Tiber-Ufer gebildet.

Nach Herwig Brätz steht die Schildkröte auch für die Sonne, die langsam über den Himmel hinzieht.

Der Papst ist wie die Kaiser Julius Caesar, Aurelian und Julianus Apostata auch ein Sonnengott.

Der Plan des "mittelalterlichen" und neuzeitlichen Roms ist hier um 180° gedreht.