Kammenegg: eine neu entdeckte Burgstelle im östlichen Emmental


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Die Burg wird auch beschrieben in dem neuen Buch des Autors:

Burgen rund um Bern (2020)


Der Burghügel von Kammenegg. Ansicht von Süden

Foto: Autor, 19.10.2020


Kammenegg: Plan

Äquidistanz der Höhenkurven: 1 m

Grafik: Autor


Die Erdburg Kammenegg im Lichtgutgraben bei Trachselwald

Die Burgstelle Kammenegg liegt auf der Südseite des Lichtgutgrabens, einem rechten Seitental des Heimisbachgrabens – früher Dürrbachgraben genannt – und gehört politisch zur Gemeinde Trachselwald.

Die Burg im östlichen Emmental wurde schon früher vermutet.

Doch erst der allgemeine Zugang zu digitalen Geländedaten ab etwa 2015 bestätigte das Objekt, das deutlich und mit allen Merkmalen erkennbar ist.

Genau liegt die Erdburg südöstlich des Weilers Äsch und südlich oberhalb des Gehöfts Lichtgut.

Die Anlage nutzt einen Sporn aus, der durch zwei Bäche gebildet wird, die sich kurz unterhalb vereinigen.

Kammenegg besteht zuerst aus einem ovalen Burghügel, der gegen Nordwesten gerichtet und in jene Richtung zugespitzt ist.

Gegen die Bergseite im Süden und Südosten wird der Sporn durch einen ausgeprägten Graben abgetrennt.

Mehrere Einzelheiten sind zu erwähnen.

Der Burghügel erreicht gegen die Grabenseite mit 876 Metern über Meer seinen höchsten Punkt. Der oberste Teil bildet ein Plateau von unregelmäßiger, fast rhombischer Form und hat gegen die drei Ausssenseiten einen deutlich erkennbaren Randwulst.

Gegen Nordwesten fällt das Plateau stetig etwa zehn Meter ab, zuerst steil, dann weniger steil. Die mehrere Meter abfallende Fläche zum unteren Plateau hat in der Mitte ein deutlich erkennbares Loch, das auf einen ehemaligen Sod hinweist.

Die gesamte Länge des Burghügels von der Grabensohle bis zum endgültigen Steilabfall am Ende des Vorplateaus beträgt ungefähr 45 Meter.

Der oberste Teil des Burghügels hat einen Durchmesser von etwa fünfzehn Metern und fällt gegen den Umfassungsgraben im Südosten drei bis vier Meter ab.

Der Burggraben nutzt vermutlich eine natürliche Rinne aus. Denn die Ostseite des Grabens hat eine steilere Kante als der gegen Süden gerichtete Teil.

Auffällig ist eine Kerbe oder Zugangsrampe, die im Süden den Graben fortsetzt.

Gegen Norden ist der Graben bis weit in den Abhang hinabgezogen.

Möglicherweise hatte der südliche Teil des Halsgrabens noch einen Vorgraben.

Das Gelände im Süden des Grabens und um die erwähnte Rinne herum ist teilweise verschliffen. Genaue Befunde sind nicht mehr möglich.

Dank der Bewaldung hat sich der Burghügel Kammenegg gut erhalten und gestattet ein paar interessante Einblicke.

Auffällig ist zuerst die Orientierung der Motte. Diese hat eine Ausrichtung von ungefähr 336° Nordwest. – Es ist dies ein Mittelwert zwischen den Querachsen 54° und 58° Nordost.

Die beiden Azimuts sind bekannt: Der erste bezeichnet den mathematischen, der zweite den tatsächlichen Sonnenaufgang zur Zeit der Sommersonnenwende.

Dem Burgenforscher fällt auf, wie viele Burghügel nach Nordwesten ausgerichtet sind.

Aber man weiss, daß die Astronomie bei den Alten eine große Rolle spielte.

Figur und Name

Als Figur denkt man bei Kammenegg zuerst an einen Pinienzapfen - mit umgebenden Blättern.

Ebenso fällt die Ähnlichkeit von Kammenegg mit der Burgstelle Zwingherrenhubel bei Zäziwil auf. Hier wie dort sieht man überdeutlich eine Blumenknospe mit umgebenden Blättern und mit dem Ansatz eines Stiels.

Der ursprüngliche Name der Burg von Kammenegg ist verloren gegangen.

Doch soll auf den merkwürdigen Flur- und Ortsnamen Lichtgut hingewiesen werden.

Allerdings ist der genannte Name vorläufig etymologisch nicht zu klären.

Aber man kann vermuten, daß er nicht ohne Grund auf den ganzen Talgraben übertragen wurde.