Die Burgen, Neapel oder Troja und der Ursprung von Gewalt und Herrschaft

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Vorbemerkung

 Der vorliegende Artikel stellt einen Exkurs dar, den der Autor im Juni 2018 in sein Werk Die Ursprünge Berns (2018) eingefügt hat.


Die Bastille in Paris, eigentlich Le Château Saint-Antoine

aus: Lepage, Jean-Denis : Castles and fortified cities of medieval Europe; Jefferson N.C. 2011


Die Bastille, ursprünglich eine Burg zur Verstärkung eines Stadttores im Osten von Paris erbaut, bildete im Grundriss ein längliches Rechteck mit je vier Halbrundtürmen an den Längsseiten. Ein Wassergraben umgab die Festung.

Bekanntlich wurde die Bastille zu Beginn der Französischen Revolution erstürmt und abgebrochen.

Die Bastille offenbart in ihrem monumentalen Aussehen in kondensierter Form den Charakter der trojanisch-neapolitanischen Herrschaft:

Die vier Halbrundtürme auf jeder Längsseite der Burg erinnern an die vier Handwurzelhöcker einer menschlichen Faust. Die Symbolik ist offensichtlich: Die geballte Faust der neapolitanischen Gewaltherrschaft sollte bildlich beeindrucken und Feinde oder Aufsässige vom Widerstand abhalten.


Den Burgen wurde in diesem Buch viel Platz eingeräumt: zwei umfangreiche Kapitel mit etlichen Plänen. Und im Netz präsentiert der Autor etwa hundert illustrierte Artikel über Burgen in Bern und in der Westschweiz.

Sicher steht zuerst das besondere und lebenslange Interesse des Schreibers an diesen alten Objekten. – Im autobiographischen Anhang wird auf die Ursprünge jenes Steckenpferds eingegangen.

Doch im Laufe der Forschungen kam eine Ahnung und eine Einsicht in die Zusammenhänge: Die Burgen bedeuten mehr als nur alte befestigte Plätze.

Also wird hier ein letztes Kapitel angefügt. Es entstand aus der Beschäftigung mit den Burgen im Bernbiet. Aber in seinen Weiterungen erklärt sich mit diesen Objekten der Ursprung der Städte und vor allem der staatlichen Herrschaft.

Eine Burg ist eine kleine Stadt und umgekehrt. Und nur als Angehöriger einer Burg, als Burger oder Bürger, ist man ein anerkanntes Glied der Gesellschaft.

Noch bis ins 19. Jahrhundert war die Verbindung zwischen Burg oder Stadt und Bürger oder Burger lebendig. – Heute muß dieser Zusammenhang wieder neu erklärt werden.

Als zweites kamen des Autors Erkenntnisse über den Ursprung der Wörter in den heutigen Sprachen und über die europäischen Ortsnamen dazu. Ganz Europa ist von einer einzigen Namensgebung geprägt. Diese gründet auf dem Begriffskomplex Vesuv, Neapel, Troja, Iljum, Priamus, und so fort.

Jeder Winkel der Landschaft offenbart die gleichen Ortsnamen. Die ganze Alte Welt zeigt sich uniform in ihren Namen und Begriffen.

Und hinter den Namen Vesuv, Neapel, Troja steht eine alte Religion. Diese war mit einem heutigen Wort totalitär und hat das Denken und Handeln der europäischen Völker geprägt.

Der Vorgang war – leicht abgeändert - wie der Beginn des Johannes-Evangeliums: Am Anfang war der Vesuv, und der Vesuv war bei Gott. Alles ist durch ihn entstanden. Und außerhalb des göttlichen Bergs gab es nichts, was gewesen ist.

Eine heutige liberale Sicht der Dinge versperrt die Erkenntnis auf diesen in Umrissen erkennbaren Vorgang am Beginn der menschlichen Kultur. Es gab nur eine Religion oder Doktrin; es herrschte nicht Vielfalt, sondern Einfalt. Das erschließen wir aus den neapolitanischen oder vesuvianischen Begriffen.

Jede Burg hat ein anderes Aussehen, aber gleichwohl allgemeine Merkmale. Und jeder Burgname ist anders, aber entstammt demselben Begriffskomplex.

Auch die alte Landvermessung war kontinental übergreifend und kannte keine regionalen Besonderheiten.

Da fragt man sich, wie denn eine solche einheitliche Religion, ein solches Denken in gleichen Begriffen und solche gleichartigen Bauwerke entstehen konnten.

Man darf nicht an ein freiheitliches Zusammenwirken der Menschen für einen gemeinsamen Zweck glauben. Die menschliche Gesellschaft und Kultur ist durch Zwang geschaffen worden.

Der Ortsnamenforscher Otto Marti hat richtig bemerkt: Hinter der einheitlichen Ortsnamengebung stand eine gewalttätige, eine terroristische Macht. Die Schlüsselworte unserer Sprache beweisen es: Neapel, Troja, Priamus sind Synonyme. Und sie beinhalten Dinge wie Zwang, Gewalt, Furcht, Terror, Unterdrückung, Qual, und so fort.

Wir kennen gute zwei Jahrhunderte Geschichte. Diese besteht aus einer Unzahl von Kriegen, dauernder Gewalt, Unterdrückung, Zerstörung und Völkermorden. Von Freiheit wird viel geredet, die große Unfreiheit verschwiegen.

Wir haben gute Gründe anzunehmen, daß auch in den Jahrzehnten und mindestens ein oder zwei Jahrhunderte vor der sicheren Geschichtszeit die Menschenwelt wenig friedlich war.

Gewalt und Unterdrückung sind nämlich nicht eine Verirrung der Zivilisation, sondern Ursprung und Grundlage unserer Gesellschaft.

Ein kurzer Blick in die Bedeutung der Neapel-Wörter beweist die obigen Einsichten.

Das Zentrum einer Herrschaft ist eine Burg oder eine Stadt.

Das Wort Burg kommt von paracletum, Paraklet, der Tröster, aber auch Mahner. Weshalb braucht man eine solche Person? Ginge es nicht auch ohne?

Die Namen der Burgen haben meistens etwas mit Neapel oder Troja zu tun.

Das Neapel oder Troja der Sage war eine seeseitige, stark befestigte Stadt. Der legendäre Ort wurde zum Synonym für etwas Festes, etwas Starkes, aber auch etwas Gewalttätiges, Unheimliches.

Neapel oder Troja oder Iljum war ein dräuender Ort.

Dräuen (TRM) heißt drohen und geht auf Troja zurück. Auch der Tod kommt von dort (TRM > MRT = mortem, mors = Tod).

Wer Gewalt ausübt, macht viel Lärm. Das unheimliche Trommeln (TRM) hört man von weitem.

Die Herrschaft macht sich bemerkbar, indem sie Unbotmäßigkeit zurechtweist. Wer beschimpft wird (schimpfen = S.NP > S.NPL = heiliges Neapel), weiß was er von nun an zu tun oder zu lassen hat.

Man kann einen unbotmäßigen Bürger auch mundtot machen, indem man ihm einen Knebel verpasst (CNPL > C.NPL > S.NPL = SANCTA NEAPOLIS = heiliges Neapel).

Foltern (PL + TRM > NPL + TRM = Neapel + Troja) bedeutet körperliche Gewalt gegenüber Leuten, die sich unbotmäßig verhalten.

Strafen (S.TRPM > S.TR + (N)P(L)M =  heiliges Troja und Neapel) ist die ultimative Handlung gegen einen Feind der neapolitanisch-trojanischen Herrschaft.

Und trampeln (TRM + P(L)M = Troja + Neapel) darf man einen Untertanen in jedem Fall. Damit wird die Über- und Unterordnung in einer Gesellschaft auf drastische Weise gezeigt.

Terror hat seine Wurzel in TERRAM, terra = feste Erde, fest wie Neapel.

Englisch, Französisch und Italienisch heißt das Wort PRISON, PRIGIONE (PRS). Der persische Oberkönig Priamus auf seinem Burgberg oberhalb von Troja bestraft mit Gefängnis jeden, der seiner Ordnung zuwiderhandelt.

Politik und Polizei sind Neapel-Begriffe und stehen gleichlautend für gewalttätige Herrschaft.

Die Sage von Troja besagt, daß der feste Ort am Meer belagert, erobert und verbrannt wurde, wobei fast alle Einwohner umkamen.

Doch Iljum ist nie untergegangen, so wenig wie Neapel oder Atlantis. Die gewalttätige Herrschaft pflanzte sich fort.

Spätestens in einem schattenhaft faßbaren Spätrömischen Reich – das vielleicht vor etwa 300 Jahren anzusetzen ist - erreichte die gewalttätige Neapel-Herrschaft einen ersten Zenith. – Spätere „römische“ Schriftsteller wie Ammianus Marcellinus schildern in drastischer Weise jenen frühen Terror.

Das Burgenzeitalter ging mit dem Fortschritt der Technik und mit dem Aufkommen von Feuerwaffen zu Ende.

Die Romantik beschwor Burgruinen und ein edles Rittertum. Ivanhoe und Kenilworth Castle von Walter Scott, ebenso Der Abend zu Geristein von Johann Rudolf Wyss, verklärten eine Epoche, die alles andere als friedlich war.

Aber Festungen, Städte, Stadtstaaten und danach Staaten bestanden fort und entwickelten sich weiter. Die gewalttätige neapolitanische oder trojanische Herrschaft umspannte schließlich die ganze Erde.

Es schien unmöglich geworden, sich gegen die Gewalt, die von Neapel ausging aufzulehnen. Der ideologische Überbau der trojanischen Herrschaft, die Vesuv-Religion ließ keinen Widerstand zu. Neapel, Troja und Priamus galten als heilig.

Das alte Kirchenlied brachte es auf den Punkt: Eine feste Burg ist unser Gott. Die Festung Neapel ist göttlich, von Gott geschaffen.

Also war die neapolitanisch-trojanische Herrschaft mit ihrem gewalttätigen Charakter Teil der göttlichen Ordnung. Sie durfte dräuen, drohen, schimpfen, strafen, foltern und trampeln.

Gewalt und Terror sind grundsätzlich sinnlos, sogar naturwidrig; sie richten sich meist gegen die Falschen und wirken in jedem Fall zerstörerisch. Doch es scheint kein Zurück mehr zu geben. Die Götter dürsten weiter, so wie es Anatole France in seinem Roman geschildert hat.

Zum Beispiel sollen beim Begräbnis von Josef Stalin in Moskau im März 1953 über 1500 Menschen zu Tode getrampelt worden sein. Der Terror in der damaligen Sowjetunion hatte die Menschen derart irre gemacht, daß die Bürger das Trampeln verinnerlicht hatten und ohne Druck von oben ausübten.

Weiter gibt es Staaten, gibt es Politik, Krieg, Polizei, Militär und Gefängnisse; und die alten Religionen haben nur scheinbar ihre Macht verloren. Noch immer meinen die meisten, man müsse Gewalt ausüben und konformes Denken erzwingen, um die gesellschaftliche Ordnung aufrecht zu erhalten.

Wir kehren zu den Burgstellen in unserer Landschaft zurück. Diese sind heute nur mehr baugeschichtlich und heimatkundlich interessante Zeugnisse einer vergangenen Zeit.

Doch was von den Burgen und Schlössern ausging, wird gerne vergessen. Dabei sagt es der Burgenforscher Joachim Zeune richtig: Burgen waren Symbole der Macht. Und wir ergänzen: Sie waren die ersten Zentren der Gewalt.


Ergänzungen online:

Ist Neapel und die Gewaltherrschaft unser Schicksal?

Schon in der Buchausgabe hat der Autor eine Antwort gegeben. Macht und Gewalt müssen zertrümmert, aufgelöst werden.

In den autobiographischen Ausführungen habe ich geschrieben: Macht Macht machtlos.

Das mag schwierig erscheinen. Doch Macht und Gewalt sind keine von selbst existierende Kräfte. Sie entstehen, indem Leute an diese Dinge glauben, diese als gottgegeben hinnehmen und meinen, persönliche Vorteile daraus ziehen zu können.

Es ist wie mit der Herrschaft. Heute meinen alle, diese müsse von oben nach unten ausgeübt werden. Eine Regierung, eine Gruppe, Kollektiv irgendwelcher Art seien dazu befugt.

Schon Henry David Thoreau sagte: Eine Regierung hat nur so viel Macht über mich, wie ich ihr zugestehe.

 

Publikationsdatum: 17.7.2018