Die Teufelsburdi bei Winzenried

Ein besonderer Findling im Bernbiet

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Die Teufelsburdi bei Winzenried (Gemeinde Belp, Kanton Bern)

Koordinaten: 603'630/193'165

Aufnahme des Autors, April 1999


Der Ortsname Winzenried ist neuerdings auch erklärt in Der Vesuv ist überall (Buch) und Der Vesuv ist überall (elektronisches Ortnamen-Wörterbuch).


Die Teufelsburdi bei Winzenried

Obwohl man gerne von der "ausgeräumten Landschaft" spricht, so haben sich dennoch auch bei uns einige bedeutende Zeugnisse der Vorzeit erhalten. Die meisten Eigentümlichkeiten sind bekannt, andere muß man entdecken, wenige ausgraben.

Seit meinen Forschungen zur Vorgeschichte von Bern und Umgebung, die ich in meinem Buch Die Ursprünge Berns (2008) dargelegt habe, sehe ich unter anderem die überragende Bedeutung der Findlinge als Quellen nicht nur der Erdgeschichte, sondern auch der Vorgeschichte.

Nur wenige große erratische Blöcke haben sich bis heute erhalten. Besonders im 19. Jahrhundert wurde viele dieser Steine zwecks Gewinnung von Baumaterial gesprengt.

Die sogenannte Teufelsburdi von Winzenried, auch Teufelsstein genannt, ist ein eigentliches Naturwunder. Die etwa 4, 5 m hohe Felspyramide liegt am Rande eines Waldes auf einem Moränenzug am Ostrand des Längenberges, westlich von Belp und östlich des Weilers Winzenried. - Das Gestein ist ein Gneis aus der Gegend der Grindelwaldner Alpen. - Der Block steht seit 1951 unter Schutz.

Die Teufelsburdi von Winzenried sieht von Westen aus wie eine riesige Pfeilspitze. Man meint, sie sei zubehauen oder künstlich aufgerichtet. - Ist der Block vielleicht ein Menhir?

Fest steht, daß die Teufelsburdi  in der Vorzeit ein wichtiger Ankerpunkt der Vermessung war.

Beispielsweise konnte man von der Erdburg Tschuggen südöstlich von Oberbalm diesen erratischen Block als Kimme zur Bestimmung des Sonnenaufgangspunktes zur Zeit der Sommer-Sonnenwende nehmen (vgl. Die heiligen Berge des Bernbiets). - Und zum Fixpunkt Muri-Egg - einem wichtigen Eckpunkt des sogenannten Doppelquadrates von Bern - steht dieser Teufelsstein genau in einer Nord-Süd-Achse. - Ebenfalls führt von Winzenried eine Ost-West-Achse genau über die nördliche Spitze der Stadtmauer von Aventicum.

Die Teufelsburdi bei Winzenried ist nicht der einzige Findling im Kanton Bern, welcher diesen Namen trägt:

Da gibt es noch die mächtigen Blöcke der Teufelsburdi auf dem Jolimont bei Gals,

Und am Fuße des Gurtens, oberhalb der ehemaligen Gurtenbrauerei in Wabern lag bis 1830 ebenfalls eine Teufelsburdi, auch Ferlistein genannt (vergleiche Der Gurten als einstiger Burgberg von Bern).

Eine kultische Bedeutung solcher Steine in der Vorzeit ist natürlich immer möglich, nur fehlen dazu alle Hinweise. - Mit dem Steinkult verliert man sich in endlosen Spekulationen.

Das Naturwunder des riesigen Findlings bei Winzenried oberhalb von Belp ist staunenswert genug, auch ohne eine hypothetische Geschichte.

Unangenehmes rund um die Teufelsburdi

Ende Juni 2004 gab es für mich eine unerwartete neue Erkenntnis zu jenem erratischen Block.

Am 26.6. machten ein paar Angehörige der IG Keltenfreunde Schweiz eine Fahrt zu jenem Findling.

Bei dieser Besichtigung fielen zuerst ein paar unangenehme Sachen auf, die man heute leider bei jeder Landschafts-Begehung feststellt.

Zuerst erwies sich der Findling von Winzenried als völlig eingeschlossen von Laub und Jungholz. Es ist unmöglich, von der interessanten West-Seite her eine Aufnahme zu machen. - Der Wald wird heute weder zureichend genutzt noch gepflegt.

Aber der Gipfel ist doch dies: Gleich hinter der Teufelsburdi, auf der Krete der Moräne, verläuft ein frisch angelegter Forstweg! - Eine Waldstrasse dort wo niemand fähig noch willens ist zu holzen?

Diese Forststrasse wurde sicher mit staatlichen Subventionen gebaut; Geld für Wege, die nichts nützen und nicht genutzt werden!

Nun aber zu den erfreulichen Dingen.

Die Teufelsburdi bei Winzenried: ein Neapel- oder Vesuvstein!

Der Findling von Winzenried sieht von Westen her - wie erwähnt - wie eine Pfeilspitze, oder auch wie ein Kegel, eine steile Pyramide oder eine Flamme aus (vgl. die untenstehende Abbildung).

Die Teufelsburdi bei Winzenried

Panoramablick von Westen auf das Aaretal. Rechts die nördliche Stirne des Belpbergs.

Ausschnittbild aus:

E.Gerber/K.L. Schmalz: Findlinge; Bern 1948, S. 42

 (Berner Heimatbücher, Nr. 34)


Besonders das spitze, kegelförmige Aussehen fällt auf. Damit entsteht die Frage, ob die Alten zu einer gewissen Zeit aus dieser Form des Steins etwas herausgelesen haben.

Die Analyse des Namens WINZEN-RIED bestätigt die Vermutung: Der Stein ist tatsächlich nach seiner Form benannt worden!

Zuerst ist mit RIED mitnichten eine sumpfige Stelle gemeint. - Die Konsonantenreihe RT verlangt nach einer Ergänzung durch ein vorangestelltes  C: also CRT. - Daraus läßt sich CRST, also CHRISTUM, Christus ergänzen.

Und das WINZEN?

Hier darf man nicht an "Winzer" denken. Vielmehr steckt die Konsonantenreihe VNTS drin. - Man findet diese etwa in WINZN-AU bei Olten oder VINZEL bei Rolle (vgl. Die Namenlandschaft von Olten).

VNTS ergibt PNLS (ein T stellt ein umgestürztes L dar). Das PNLS ergibt in der richtigen Reihenfolge NPLS und damit NEAPOLIS, Neapel. Jene Stadt liegt am Fuße des Vesuvs. Und Neapel selbst kann Vesuv bedeuten. Jetzt erklärt sich Name und Gestalt jenes Findlings: Dessen spitzkegelige Form erinnert an einen Vulkanschlot. Und zu einer gewissen Zeit - vor vielleicht vierhundert Jahren - wurde buchstäblich jeder bedeutende Berg oder Ort nach Troja, nach Christus oder nach dem Vesuv benannt, wie ich in meinen Büchern und Artikeln immer wieder sage.

Einzigartig bisher ist jedoch bei der Teufelsburdi bei Winzenried Folgendes: Die kegelähnliche Form des Erratikers gab zu einer gewissen Zeit Anlaß, den Block nach dem Vesuv (oder nach Neapel) zu benennen! - Anders gesagt konnte nicht nur ein Berg oder ein Ort den Vulkan-Namen bekommen, sondern unter Umständen auch ein besonderer Stein!

Die Teufelsburdi bei Winzenried ist damit nicht nur geologisch und vermessungstechnisch ein bedeutender Felsblock, sondern auch im geschichtlichen Zusammenhang.


Ergänzungen: 14.4.2005, 9.1.2008