Le Verney (oder Le Vernex) I (Châtillon) und II (Le Ressat)

Zwei interessante und unbekannte Burgstellen in einer Halbinsel der Glane östlich von Autigny (Ottenach) FR

Anmerkung: Die Namen der beiden Burgen sind nicht fix. Man könnte sie auch mit Autigny benennen!

Die Burgstellen werden auch erwähnt im Buch des Autors: Die Ursprünge Berns (2013)


Plan der Burgstellen Verney oder Vernex I (unten) + II (oben), östlich von Autigny (Kanton Freiburg)

Äquidistanz der Höhenkurven: 1 m

Grafik: Autor, 2011


Die Burgstellen Verney oder Verney bei Autigny FR im LIDAR-Bild

(LIDAR = light detection and ranging)


Unbekannte Burgstellen in der Westschweiz

Viele bedeutende Burgstellen im Mittelland sind wenig bekannt. Das gilt besonders für die Westschweiz. Im Kanton Freiburg sind einige gewaltige Erdburgen sogar erst in jüngster Zeit wahrgenommen und registriert worden.

Im genannten Kanton hat der Autor sogar zwei völlig unbekannte Erdburgen festgestellt: eine Erdburg im Bois de Pérolles auf dem Stadtgebiet von Freiburg (Fribourg) und die Erdburg von Seedorf bei Noréaz, 9 km westlich der Stadt.

Gewaltige und interessante Burgstellen an der Glane

Zwischen Autigny, deutsch Ottenach, etwa 15 km südwestlich von Freiburg, bis zur Mündung der Glane nordöstlich von Posieux und südwestlich von Freiburg liegen an dem genannten Fluß mehrere gewaltige und hoch interessante Burgstellen:

Bekannt ist die Glaneburg (Châtillon-sur-Glâne), angelegt in einem Sporn an der Einmündung der Glane in die Saane (Sarine). Der gewaltige Abschnittswall und Abschnittsgraben gegen Westen ist gut erhalten. Archäologische Grabungen haben aber die Bedeutung des Ortes mehr verunklärt als erhellt.

Westlich, kurz vor Chavannes-sous-Orsonnens, liegt eine Erdburg, auf einem Sporn zum Glane-Tal hin angelegt. Von dieser ist noch deutlich ein Abschnittsgraben und Abschnittswall gegen Westen zu erkennen. - Die Spuren deuten darauf hin, daß der Burgplatz ursprünglich durch zwei Wälle und zwei Gräben gesichert war.

Nordwestlich von Ecuvillens liegt die hoch interessante Burgstelle La Vuardaz: eine längliche Motte, welcher ein länglicher, merkwürdiger Wallgarten vorgelagert ist.

Auf der andern Glane-Seite von La Vuardaz, auf gleicher Höhe, liegt die Erdburg Neyruz.

Dann finden sich zwei Burgstellen ostsüdöstlich von Autigny. Von dort weg fließt die Glane (La Glâne) meistenteils in einem engen und tief in die Molasse geschnittenen Bett bis zu ihrer Einmündung in die Saane (Sarine). Der Fluß bildet dabei teils ausgeprägte Mäander.

Eine solche Flußschlaufe östlich von Autigny wird dadurch akzentuiert, daß die Glane von Süden den Bach La Longive zugeführt bekommt. Dadurch wird eine markante Halbinsel gebildet. Diese wird auf zwei Seiten vom Fluß, auf einer Seite durch den erwähnten Bach begrenzt und läßt nur einen Zugang von Südwesten offen.

Das Terrain der Glane und der Longive ist bewaldet. Doch das von diesen beiden Gewässern gebildete Plateau ist waldfrei und heute durch einen Fahrweg erschlossen.

Der außergewöhnliche Geländevorteil bot sich zur Anlage von Befestigungen förmlich an. Dort finden sich gleich zwei alte Wehranlagen in unmittelbarer Nähe.

Die größere Wehranlage, die Erdburg Vernex I, ist auf der Burgenkarte der Schweiz, Teil 3 verzeichnet und beschrieben als Châtillon unter Grenilles, weil die Burg zu jener Gemeinde gehört.

In der sehr diskutablen neuen Burgenkarte der Schweiz wird die Anlage ebenfalls unter dem Namen Châtillon beschrieben.

Aber daß es 90 m nördlich davon noch eine zweite große Burgstelle gibt, von mir Vernex II genannt, ist in der alten  Burgenkarte nicht aufgeführt. - In der neuen Burgenkarte von 2007 wird diese Anlage Le Ressat genannt (nicht zu verwechseln mit Le Ressat bei Granges-Marnand oberhalb des Broye-Tals).

Es soll darauf hingewiesen werden, daß es neben der Namensform Vernex auch Verney(s) gibt. - Flurnamen haben die Neigung zu oszillieren.

Der Name Vernex oder Verney enthüllt durch die Konsonanten VRM > PRM den trojanischen Oberkönig PRIAMUS. Und jede Burg ist ein fester Platz, also ein Ort, der auf Troja oder Neapel hinweist.

Ebenfalls ist auf den Fluß-Namen GLANE hinzuweisen. Dieser ist folgendermaßen zu erklären: GLANE = GLNM > CRNM = CHRISTIANUM. Die Glane ist ein Christen-Fluß.

Die Erdburg Le Vernex I (Châtillon)

Die Wehranlage Vernex I sperrt wie gesagt die Halbinsel gegen Südwesten ab. Die Burg besteht aus mehreren Teilen:

Gegen das rundliche Plateau hin ist die Burg durch einen tiefen und breiten, gut erhaltenen halbrunden Halsgraben von ungefähr 5 m Tiefe abgetrennt.

Dahinter erhebt sich ein mächtiger, ebenfalls rundlich verlaufender Schildwall mit einer Höhe von ca. 12 m über der Grabensohle.

Graben und Wall von Vernex I schützen ein Plateau, das sich gegen Südwesten verschmälert und dort durch einen zweiten, kürzeren und weniger hohen Schildwall oder eine Motte gegen einen tiefen Graben abgegrenzt ist.

Dem kurzen Schildwall nach Süden von Vernex I folgt ein ca. 20 m tiefer Graben. der den Hügelzug wie eine Runse durchschneidet.

Im Abhang zwischen Motte und Grabensohle ist dem Burghügel ein halbrund geführter Wall vorgelagert. - Ebenfalls ist eine längliche, einmal geteilte Erhebung zu sehen, welche vom Burghügel nach Südosten führt.

Die Höhe der Wälle und die Tiefe der Gräben bei Vernex I lassen den Betrachter sprachlos. Man fragt sich, mit welchen Mitteln die vorgeschichtlichen Erbauer diese gewaltigen Erdbewegungen ausgeführt haben. - Das Rätsel wird unlösbar bleiben.

Le Verney(s) (Châtillon) gehört zu den großen Erdburgen des Schweizer Mittellandes. Besonders fällt die verblüffende Ähnlichkeit des großen Schildwalls und des Grabens im N mit der Glaneburg (Châtillon-sur-Glâne) einige Kilometer weiter unten, am Zusammenfluß der Glane mit der Saane auf.

Die geschilderte Erdburg lässt in ihrem Plan einen Ochsenkopf erkennen.

Die Burg Le Vernex II (Le Ressat)

Kaum hundert Meter nordnordwestlich von Vernex I liegt auf der eckig zulaufenden Nordwestecke des Plateaus eine zweite Burgstelle Vernex II, auch Le Ressat genannt.

Die zweite Burg besteht aus einem länglichen nierenförmigen Burgplateau.  Auf der Süd- und Ostseite ist dem Burgplateau ein breiter Halsgraben vorgelagert. Auf der Ostseite folgt auf den Graben noch ein geschwungen geführter Randwulst. Möglicherweise bestand eine Fortsetzung dieses Wulsts gegen das Plateau im SE.

Der Halsgraben läuft im N in einen geschwungenen Weg aus, der sich ein Stück weit den Abhang hinunterzieht.

Das Burgplateau ist gegen S und teilweise gegen E durch einen Schildwall überhöht.

Der längliche Burgplatz von Vernex II hatte auf dem breiteren südlichen Teil hinter dem Schildwall eine Mauerkonstruktion von unbekannter Form (rechteckig oder rund?). In diesem Bereich kann man einen Sod vermuten. - Nur Ausgrabungen könnten klären, wie die Mauerspuren zu interpretieren sind.

Mauerreste der Ruine Le Vernex II

Blick von der Innenseite gegen Süden

Aufnahme vom November 2005


Die Burgstelle Vernex II ist wie die erste Burg stark verwachsen und verkrautet. Man merkt an diesem vernachlässigten Waldstück, daß die Burg unbekannt geblieben ist, obwohl deren Spuren deutlich zu sehen sind.

Man fragt sich ferner, weshalb denn auf der Halbinsel der Glane in geringer Nähe zwei Burgen angelegt wurden, wo doch eine, die Erdburg gegen Südosten, das Terrain genügend gesichert hätte.

Auch hier wird es auf die Fragen keine Antwort geben.