Tschuggen bei Oberbalm BE

Erdwerk oder Höhenheiligtum?

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Der Berg Tschuggen. Ansicht von NW.

Foto: Autor, 23.7.2009


Die heiligen Berge rund um Bern

Seit Jahren erkenne ich bei meinen historischen, namenkundlichen und heimatkundlichen Forschungen die besondere Bedeutung der Berge - auch rund um Bern. Die Hügel und Erhebungen tragen Namen, die in die Vorgeschichte weisen. Und auf ihnen finden sich häufig Spuren von Wehranlagen.

Die heiligen Berge des Bernbiets, aber auch die Burgen und die figürliche Bedeutung in ihren Grundrissen, erkläre ich in dem neuen Buch Die Ursprünge Berns. Eine historische Heimatkunde Berns und des Bernbiets. Mit besonderer Berücksichtigung der Burgen und mit einem autobiographischen Anhang (2013).

Das Erdwerk Tschuggen

Die Erdburg Tschuggen (Koordinaten 599'250/190'100) liegt auf einer markanten Höhe südöstlich von Oberbalm. Der Hügel hat eine dreieckige Form. Wenn die Bewaldung nicht wäre, so hätte man von diesem 987 m hohen Berg eine prachtvolle Sicht nach allen Seiten.

So wie der Hügel, so hat auch die Burgstelle, welche das Gipfelplateau einen auffälligen dreieckigen Grundriß. Der längere Schenkel gegen NW mißt dabei 44 m, der kürzere gegen SE etwa 39 m, die Schmalseite etwa 33 m.

Plan des Erdwerks Tschuggen bei Oberbalm BE

Äquidistanz der Höhenkurven: 1 m

Planskizze: Autor, 3.2011

Der Plan findet sich auch in dem oben erwähnten Buch des Autors.

Überdeutlich erkennt man in dem Plan einen Vogelkopf mit dem Sod als Auge. Am plausibelsten ist eine Gans. - Man könnte natürlich auch den Kopf eines Schafs darin sehen, wenn man die Schnauze gegen SW sieht.

Man kennt die alte Sage von den Gänsen als Wächter auf dem kapitolinischen Hügel in Rom. - Jede Burg war eine Art festes Rom oder feste kapitolinische Burg. Also war es logisch, die Gans als (religiöses) Symbol der Wachsamkeit in der Struktur abzubilden.


Der künstlich überhöhte Burghügel hat zwei Zugänge, ein steiler an der Südwest-Spitze und ein bequemer von der Ost-Spitze. Bei letzterem ist der ursprüngliche Zugang zu sehen. Dort war früher ein Halsgraben. Deutliche Spuren sind allerdings keine mehr zu sehen.

Der Plan der Burgstelle (vergleiche die Abbildung) zeigt die allgemeinen Merkmale deutlich: ein unregelmäßig dreieckiges Plateau, das nach allen drei Seiten künstlich geböscht ist.

Auffällig sind die Aufwölbungen des Plateaus gegen Osten und an der Südwest-Ecke. - Man denkt an die Randwülste an den Spitzen einer Keltenschanze. Vergleiche hierzu den Artikel über Die Viereck- oder Keltenschanzen der Schweiz.

In der Nord-Ecke sind noch Spuren eines ehemaligen Sods zu erkennen.

Die Seiten des Dreiecks wurden zweifellos nach bestimmten Achsen ausgerichtet. - Messungen und Rechnungen können wenigstens teilweise einige Winkel und Beobachtungen nachweisen.

Die Kirche von Oberbalm war vor der Glaubensspaltung angeblich dem heiligen Sulpitius geweiht und ein bekannter Wallfahrtsort. - Es liegt nahe, zuerst dort einen Zusammenhang mit der Erdburg zu suchen. - Und dieser besteht, wie eine Rechnung erweist:

Die Distanz zwischen der Kirche Oberbalm und dem Erdwerk Tschuggen beträgt genau eine keltische Meile (Leuga), also 2225 m bei einem Himmelswinkel von 123° SE!

Sicher gab es auch eine Orientierung nach dem Schloß Worb - zu welchem Sichtverbindung besteht.

Die Höhenlage, die aussichtsreiche Lage und der dreieckige Grundriß der Burg lassen schließen, daß Tschuggen nicht nur der Verteidigung diente. Der Ort war gleichzeitig eine astronomische Beobachtungsstätte - vielleicht auch ein Höhenheiligtum, damit ein vorgeschichtlicher Wallfahrtsort.

Der Ortsname

Die Ortsnamen Tschugg und Tschuggen stellen eine Variante von SANCTUM (SNCTM > TSCM = Tschuggen) = heilig dar.

Man lese darüber das Buch Die Ortsnamen der Schweiz. Mit einer Einführung über die vesuvianische Namensprägung Europas (2016).