Zwei bisher unbekannte Burgstellen in der westlichen Landeshälfte der Schweiz!


SEEDORF bei Fribourg und BALLMOOS bei Uettligen (Üttligen), Kanton Bern

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Sensationelle Entdeckungen in unserem Land?

Man spricht von der kleinen Schweiz mit seiner bis in den letzten Winkel kartographisierten Fläche und ihrer intensiv genutzten Landschaft. - Entdeckungen an der Oberfläche sollten ausgeschlossen sein, könnte man meinen.

Doch schon vor zwanzig Jahren habe ich auf eine bisher unbekannte Erdburg auf dem Gemeindegebiet von Freiburg in einem Wald am Rande eines Steilabfalls zur Saane - Sarine entdeckt. Diese ist hier unter Freiburg - Fribourg: Vermischte Dinge zur Geschichte, Kunst und Heimatkunde besprochen.

Durch unseren Verein, die IG Keltenfreunde Schweiz, bekomme ich immer wieder Hinweise auf merkwürdige Punkte im Gelände.

In den letzten zehn Monaten wurde ich gleich auf zwei Burgstellen aufmerksam gemacht, die trotz ihrer deutlichen Gestalt unbekannt geblieben sind. - Jede dieser Anlagen ist einzigartig und auf ihre Weise sensationell.

Auch hierzulande lassen sich also noch Entdeckungen machen!

Jede der beiden Burganlagen soll im Folgenden beschrieben werden.

Seedorf bei Noréaz (Kanton Freiburg - Fribourg)

Am kleinen Lac de Seedorf, neun Kilometer westlich der Stadt Freiburg liegt ein Manoir aus dem 18. Jahrhundert, das heute zu einem Komplex verbaut als Behindertenanstalt dient.

Herr Peter Baeriswyl aus Ponthaux gab mir letzten Spätsommer den Hinweis auf eine Burgstelle bei dem erwähnten Seedorf.

Eine Besichtigung der Stelle im September 2004 erstaunte mich in mehrer Hinsicht:

Hier befand sich tatsächlich eine alte Burg, und zwar eine von gewaltigen Ausmaßen! -  Man versteht die Welt nicht, daß diese Anlage bis heute so gut wie unbekannt geblieben ist!

Plan der Erdburg Seedorf (Kanton Freiburg)

Planaufnahme: Autor, © 5/2005


Die Erdburg Seedorf liegt unmittelbar nordwestlich des 1769 erbauten heutigen Schlosses, auf einem Sporn auf des gegen Süden steil abfallenden, größtenteils bewaldeten Hügels, der Piamont genannt wird.

Das Zentrum, der Burghügel, hat die Koordinaten 570,120/183'300.

Der steile Sporn, welcher die Burg trägt, hat eine Orientierung nach Südosten und ist gegen Westen durch einen Bacheinschnitt und im Osten durch einen zu einem Steinbruch erweiterten zweiten Einschnitt geschützt.

Vom Norden, vom Waldplateau her, hat die Wehranlage zuerst ein Vorwerk aus einem wenig tiefen Graben mit einem wenig hohen Schildwall (vergleiche den Plan).

Der eigentliche Sporn ist durch einen halbkreisförmigen, etwa zwanzig Meter tiefen Hauptgraben von der Bergseite getrennt. Die Grabensohle ist sogar schon in den Sandstein gehauen.

Der abgetrennte Sporn fällt in mehreren, vielleicht künstlich geformten Terrassen zur Ebene hinab.

Der eigentliche Burghügel ist länglich und künstlich überhöht. Auf der Grabenseite sind noch deutlich die Reste eines Schildwalls zu erkennen, der in ostwestlicher Richtung verlief. Dieser Wall war wahrscheinlich in Murus Gallicus-Technik aufgeführt.

Weitere auffällige oder künstliche Merkmale lassen sich hinter den erwähnten Abschnittsbefestigungen nicht erkennen.

Imposant wirkt die Erdburg Seedorf vor allem durch den tiefen, schluchtartigen Hauptgraben, der - wie erwähnt, im unteren Teil sogar aus dem Felsen gehauen ist.

Die vorgeschichtliche Wehranlage ist sehr gut erhalten und auffällig, trotzdem sie im Wald versteckt ist.

Trotzdem ist die Erdburg unbekannt geblieben. - Zwar erwähnt die Burgenkarte der Schweiz, Teil 1, Beschreibung der Objekte, Wabern 1990, Seite 106 eine vermutete alte Burg, aber ohne genaue Koordinatenangaben. - Nur im Internet findet sich bei der Beschreibung des heutigen Seedorf ein Hinweis auf die alte Burg oberhalb des Schlosses aus dem 18. Jahrhunderts.

Das Beispiel zeigt einmal mehr, daß sich fast niemand, am wenigsten die offizielle Wissenschaft, für Erdburgen interessiert.

Ballmoos bei Uettligen (Üttligen oder Üettligen) (Kanton Bern)

Das große Dorf Üettligen liegt nordwestlich von Bern, im aussichtsreichen südlichen Vorfeld des Frienisbergs. Die ganze Gegend scheint burgenleer zu sein.

Kurz vor Pfingsten 2005 jedoch bekam ich einen Hinweis von Herrn Eberhardt Schwerdtel aus Hinterkappelen. Dieser machte mich auf eine Burgstelle zwischen Wohlen und Üettligen aufmerksam.

Ein Gang zu der Stelle zeigte mir sofort, daß man es hier tatsächlich mit einer Erdburg zu tun hat. - Die Burgstelle und ihr Umkreis wird heute von einer Vita Parcours-Anlage genutzt.

Die Burg liegt am linken Steilrand eines Waldgrabens, der Burggraben heißt und sich zur Aare hinab zieht. - Das Zentrum, der Burghügel, hat die Koordinaten 595'100/203'350.

Die Anlage besteht aus einem etwa zehn Meter hohen und zwanzig Meter breiten, rundlichen Burghügel, der künstlich überhöht ist. Das Plateau war gegen die Ostseite durch einen gebogenen Schildwall geschützt, dessen Wülste noch erkennbar sind.

Vom flachen Terrain im Osten war der Burghügel durch einen halbkreisförmigen Abschnittsgraben getrennt. Dieser ist im Norden noch erhalten und im Süden als Rest erkennbar. Gegen Osten ist der Graben zugeschüttet, da er dort außerhalb des Waldrandes zu liegen kam und deshalb die landwirtschaftliche Nutzung gestört hätte.

Vom teilweise verschütteten Graben abgesehen ist die Erdburg gut erhalten und ein typisches Beispiel für einen vorgeschichtlichen "keltischen" Wehrbau.

Die Burganlage fällt gegen Westen, also gegen die Waldschlucht Burggraben, sehr steil und teilweise felsig ab.

Am Fuße einer Felswand, südwestlich unterhalb des Burghügels, findet sich der Eingang zu einem Stollen, der heute kaum mehr begehbar ist. Dieser Tunnel führte in nordöstlicher Richtung und dann leicht nach links oben. - Der Ausgang liegt etwa 30 m nördlich, auf der gleichen Bachseite, knapp über dem Wasserniveau.

Der Eingang des Stollens unterhalb der Burgstelle Ballmoos (Uettligen BE)

Aufnahme: Autor, 13.5.2005


Herr Schwerdtel hält dieses Bauwerk für einen Wasser-Stollen. - Offenbar hat man damit Wasser von oben am Bach auf das Plateau des unteren Ausgangs geleitet, wo sich vielleicht eine Viehtränke befand.

Solche unterirdischen Gänge gibt es bei etlichen Burgstellen. Hier beschrieben ist das sogenannte Güggelisloch bei der Burgstelle Oltigen, rechts oberhalb der Aare bei Oberruntigen (Gemeinde Radelfingen BE).

Die Stollen regen die Fantasie an und haben in alten Zeiten den Stoff geliefert von unterirdischen Gängen und versteckten Schätzen in Burgruinen.

Die Burgstelle von Uettligen findet sich in der Burgenkarte der Schweiz nicht verzeichnet.

Hingegen ist der Ort in dem Archäologischen Hinweisinventar des Kantons Bern eingetragen. Dort wird die Wehranlage Ballmoos genannt, nach dem Weiler westlich des Erdwerks, auf der anderen Seite der Waldschlucht.

Bekanntlich gibt es auch einen Weiler Ballmoos südwestlich von Jegenstorf (vgl. Der Vesuv ist überall). - Bei diesem Ort wird eine verschwundene Burg behauptet.

Nun hat sich die Sache geklärt: In unbekannter Zeit hat man die beiden Ballmoos verwechselt. Die Burgstelle bei Uettligen verlor ihre Bezeichnung und wurde nun dem anderen Ort zugeschrieben.

Das archäologische Inventar nennt neben Ballmoos noch ein anderes Erdwerk gleich südlich davon: Koordinaten 595'300/203'000. - Eine neue Geländebesichtigung wird abklären, ob es sich tatsächlich um eine Burg handelt.


Anhang:

Bei dieser Gelegenheit sollen ein paar andere Burgstellen mit Koordinatenangaben erwähnt werden, die in dem Archäologischen Hinweisinventar des Kantons Bern verzeichnet werden:

Erdwerk Eggliburg bei Rapperswil BE:

597'700/213'500

Anmerkung: Die in der Burgenkarte und auf der Landeskarte 1:25'000 verzeichnete Burgstelle über dem Hochschwerzibach nordwestlich von Rapperswil, in offenem Felde, trägt ebenfalls den Namen Eggliburg (597'250/213'220)!

Befestigungsgraben Wickacher, südlich des Weilers Salvisberg:

588'600/202200

Erdwerk im Sandbühl, am linken Rand des Sampelgrabens, zwischen Innerberg und Murzelen (ungenaue Koordinatenangaben, offenbar am Waldrand östlich von Murzelen)

Erdwerk bei Weidhaus, südlich von Innerberg:

589'500/204'850


Burgstellen soll es manchmal an ganz abgelegenen und beinahe abenteuerlichen Orten geben. Als Beispiel nennt das Hinweisinventar den Schloßkeller (Schlosschällen), in einem durchfurchten felsigen Abhang auf der rechten Seite des Schwarzwassers, westlich von Hinterfultigen (Gemeinde Rüeggisberg), nördlich des Weges zwischen den Gehöften Chromen und Steiglen (Koordinaten  595'700/187'750).

Über die Schlosschällen hat der Heimatkundeforscher Fritz Guggisberg eine kleine illustrierte Broschüre verfasst. - Diese kann gegen Fr. 6.- in Briefmarken bei der Gemeindekanzlei in 3088 Rüeggisberg bezogen werden.

Über den Schlosskeller oder die Schlosschäl(l)en bei Hinterfultigen vergleiche seit August 2006 den Web-Artikel:

Der Schloßkeller oder die Schlosschällen bei Hinterfultigen.


Artikel von Eberhard Schwerdtel über die Burgstelle Ballmoos:

Wiederentdeckung einer Burg am Burggraben

aus: Gemeindeblatt der Gemeinde Wohlen, Nr. 4 (2005)

Das Gebiet unserer Gemeinde wird stark geprägt von Gräben, die das obere Gemeindegebiet in Nord/Süd-Richtung gegen die Aare bzw. gegen unseren See hin entwässern. Sie tragen Namen, die Bezug auf ihre Lage aufweisen (z.B. der «Wohlengraben») oder die Funktionsangaben machen (z.B. der «Bannholzgraben», der vom Mühlebach durchflossen wird, welcher früher die Hofenmühle antrieb).

Der große Graben zwischen Oberwohlen und Uettligen trägt in seinem oberen Bereich die Bezeichnung «Burggraben», während er in seinem Unterlauf als «Lättigraben» oder «Lättibach» bezeichnet wird.

Aber «Burggraben»? Am Burggraben befinden sich unser Vitaparcours und ein Chilbi-Platz. Weder die Landeskarte 1:25'000 noch der Wohlener Ortsplan geben jedoch im Gebiet des Burggrabens eine historische Stelle an. So ist es schon fast ein Zufall, daß mir im Laufe der Zeit auf Grund geringfügiger topographischer Gegebenheiten aufgefallen ist, daß am Burggraben die Reste einer kleinen Burganlage erkennbar sind. Da ich mir anfangs meiner Entdeckung nicht völlig sicher war, habe ich zuerst die Meinung zweier Bekannter eingeholt. Nachdem mir diese zugestimmt hatten, informierte ich den Freiburger Spezialisten Dr. Christoph Pfister. Dieser hat sich umgehend die angegebene Stelle angesehen und ebenfalls der Gegebenheit einer in den Karten nicht angeführten Erdburg zugestimmt. Beim Studium der einschlägigen Literatur hat er weiter heraus gefunden, daß die Burggraben-Burg auch in der Burgenkarte der Schweiz nicht eingetragen ist, jedoch im archäologischen Hinweisinventar des Kantons Bern genannt wird. In diesem Verzeichnis wird die Burg als «Wehranlage Ballmoos» geführt.'

Ballmoos bezeichnet nach unserem Ortsplan ein größeres Waldstück nördlich der Strasse Wohlen-Uettligen. Dieser Wald ist der Burggraben-Burg recht benachbart, so daß die registrierte Bezeichnung nicht fehlerhaft genannt werden kann. Vermutlich durch eine Verwechslung mit der Ortschaft Ballmoos bei Jegenstorf ist aber in der Folge bei dieser Ortschaft nach einer Burg gesucht worden, allerdings vergebens; die Burggraben-Burg geriet darob in Vergessenheit.

Nachdem die Burg am Burggraben nun wiederentdeckt ist, läßt sie sich auch von jedem Interessierten ohne Schwierigkeiten erkennen: Koordinaten 595'075/203'350). Die Anlage befindet sich südlich der Strasse Wohlen-Uettligen im Randbereich des Waldes auf der östlichen Seite des natürlichen Grabens und wird vom Vitaparcours gekreuzt. Sie umfaßt einen markanten Sandsteinhügel von rundlicher Form, an dessen östlicher Oberkante noch knapp die Randwülste eines halbkreisförmigen Schildwalls aus aufgeschütteter Erde zu erkennen sind. Zu den anderen Richtungen fällt der Hügel massiv und steil ab.

Am nördlichen Hügelfuß ist deutlich ein künstlicher Wehrgraben zu erkennen, der sich zum natürlichen Bachgraben absenkt. Im Osten ist das heutige Wiesenland in großem Rund gegen einen weitgehend zugeschütteten Wehrgraben eingesenkt. Im Süden schließlich befinden sich Teile eines weiteren Wehrgrabens und darunter massiv tiefer als die genannten anderen Wehrelemente ein großer ebener Platz, der halb durch den hier deutlich tiefer liegenden Bachgraben und halb durch hoch aufstrebende Felswände kreisförmig begrenzt ist. Diese ebene Fläche bildete evtl. eine Unterburg mit Werkstätten und Stallungen.

Im ganzen Burgareal findet sich keine einzige Mauerspur, weswegen es sich vermutlich um eine frühe Erdburg handelt. Als Besonderheit und eindeutige menschliche Hinterlassenschaft ist jedoch ein horizontaler Stollen zu nennen, der den Burghügel queren sollte. Auf der Nordseite beginnt er etwa einen Meter über der heutigen Bachsohle, so daß die Vermutung nahe liegt, daß er der Wasserversorgung der Burg dienen sollte. Er endet aber bereits nach etwa anderthalb Metern und bildet damit nur eine Art Felsnische von etwa 1.6 m Höhe. Auf der Südseite des Burghügels endet der Stollen auf etwa dem heutigen Niveau der ebenen Fläche, ist aber gegenwärtig durch herb gefallenes Material zu mehr als der Hälfte verschüttet. Seine Länge beträgt mehr als fünf Meter, wie das Einschieben einer Stange ergab.

Nach Meinung von Dr. Pfister bildet die Wiederentdeckung der Burggraben-Burg eine kleine Sensation, da es in unserer Gegend der rechten Aare-Seite sonst keine vergleichbare Anlage gäbe. Ich freue mich, mit der Wiederentdeckung ein klein wenig zur Erforschung unserer Vorgeschichte beigetragen zu haben, wobei ich mir völlig bewußt bin, daß evtl. der eine oder andere die Burg als solche längstens kennt. Den anderen wünsche ich ein vergnügliches Kennenlernen.

Eberhard Schwerdtel, Hinterkappelen