Die SCHWANDIBURG bei Deisswil (Stettlen) BE

Die Spuren jener Burg sind noch deutlich sichtbar. Von einer Geschichte ist jedoch nichts bekannt.

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Plan der Schwandiburg bei Deisswil

Grafik: Autor, 11/2005

Die Grafik ist auch abgebildet in dem Buch des Autors: Die Ursprünge Berns (2008)


Die Burg im Schwandiholz

Das Schwandiholz ist auf der Nordseite des Worblentals zwischen Worblaufen und Worb gelegen. Am Südostfuß liegt der Weiler Deisswil mit seiner großen Kartonnagefabrik. Politisch gehört die kleine Ortschaft zur Gemeinde Stettlen, die sich gleich östlich davon anschließt.

Die erste Geländestufe des Bantiger-Berges läuft gegen Südosten, also gegen Deisswil hin, in einem markanten oval geformten Berg aus. Die Hügelkuppe bot sich für die Anlage einer Wehranlage förmlich an.

Die Schwandiburg nimmt den gesamten höchsten Teil des Schwandibergs ein. Die Burg besteht zuerst aus einem Plateau auf der NW- und der SE-Seite (vergleiche die Abbildung). Auf dieses ist der eigentliche Burgberg aufgesetzt, ein wiederum ovaler Hügel, der allseitig schroff abfällt.

Ansicht des Burghügels der Schwandiburg von NW, vom nordwestlichen Vorplateau her

Foto: Ch. Pfister, 18.11.2005


Der künstlich abgeböschte Burghügel der Schwandiburg war zuerst durch eine Ringmauer geschützt, die dem Rand entlang lief. Von dieser Befestigung sind noch etliche Spuren, besonders im Nordwesten und auf der ganzen Nordostseite sichtbar.

In der südöstlichen, leicht überhöhten Seite des Burgplateaus sind noch die Reste eines Wehrturms sichtbar (vergleiche die Abbildung). Dieser war aus Bruchsteinen und behauenen Steinen mit Mörtel gefügt. Die Dimensionen des Turms waren ca. 6.50 auf 8.00 Meter bei einer Mauerdicke von 1.30 m.

Blick auf die Turmfundamente auf dem Plateau der Schwandiburg von Süden her

Der Grundriß des rechteckigen Turmes ist auch auf der Aufnahme zu erkennen.

Foto: Ch. Pfister, 18.11.2005


Vom Burgplatz kann man etliche benachbarte Hügel sehen, so den Bantiger, die Höhe von Flugbrunnen und - etwas weiter entfernt - den Gurten. - Auch das Gümligentäli liegt in Sichtlinie.

Die Schwandiburg macht den Eindruck einer alten "römischen" Steinburg auf der Grundlage einer Erdburg, die vollkommen an das Gelände angepaßt war und für die damalige Zeit als uneinnehmbar gelten konnte. - Doch über ihre Geschichte wissen wir nichts. Das erstaunt auch nicht, gehört die Wehranlage doch in vorgeschichtliche Zeiten, die bekanntlich schon hinter dem 18. Jahrhundert einsetzen.

Ausgrabungen, aber kein Plan

Entdeckt und ausgegraben wurde die Schwandiburg erst 1938. In diesem Jahr wurden auf dem Burgplateau im Rahmen eines Beschäftigungsprogramms für Arbeitslose ausgiebige Sondierungen durchgeführt. Damals wurden die noch heute sichtbaren Fundamente des Bergfrieds freigelegt.

Von den Ausgrabungen der Schwandiburg wurde jedoch offenbar kein Plan angefertigt. Man weiß nur, daß neben der RIngmauer und dem Turm noch die Spuren eines Palas, einer Toranlage und sogar einer Kapelle freigelegt wurden.

Von den letzteren drei Gebäulichkeiten sind jedoch heute keine überirdischen Reste mehr sichtbar. Schwache Mauerspuren südlich des Turms lassen schließen, daß diese dort zu suchen sind. Den Zugang aus Südosten legt auch ein alter Hohlweg nahe, der dort von der Seite von Deisswil her zum Burgplateau heraufführt.

Besonders die Existenz einer Kapelle im Perimeter der alten Burg im Schwandiholz jedoch ist hoch interessant. - Viele Hinweise deuten darauf hin, daß die Kirchen und Kapellen zuerst des Schutzes von Kastellen und Burgen bedurften. - Damit wird die Schwandiburg zu einer wichtigen Wehranlage im Bernbiet.

Von der Burg ist - man kann ruhig sagen selbstverständlich - nichts Historisches bekannt. Aber Wissenschafter wollten trotzdem etwas herausfinden. Also setzte man den Platz in Beziehung zu urkundlich erwähnten "Herren von Stettlen".

Aber wie ich nachgewiesen habe, wurden die "mittelalterlichen" Urkunden frühestens nach etwa 1650 verfaßt. Diese Dokumente berichten also nur erfundene Geschichte.

Das Oval der Schwandiburg als Typus

Der Grundriß der Schwandiburg ist wie gesagt ein Oval, das einem schon natürlich elliptischen Hügelform aufgesetzt ist (vergleiche den obigen Plan).

Eine alte Wehranlage hatte häufig eine von der Geometrie abgeleitete Grundform. Das Oval ist eine mögliche Figur und kann deshalb überall vorkommen. Die ehemalige Erdburg auf dem Bantiger hatte einen solchen Grundriß, aber auch die Knebelburg auf dem Jensberg südlich von Biel (vergleiche den Plan in Die heiligen Berge des Bernbiets).

Ein Vergleich von Burgengrundrissen zeigt, daß der ovale Typus nicht nur in Europa, sondern auch östlich des Mittelmeers vorkommt. Untenstehend sind einige Skizzen von Wehranlagen im Libanon und im südlichen Syrien abgebildet. Diese zeigen eine teilweise verblüffende Ähnlichkeit mit der Grundform der Schwandiburg bei Bern.

Die Verwandtschaft der Grundrisse weist auf eine ähnliche Entstehungszeit und eine ähnliche Kultur hin.

Schematisierte Pläne verschiedener Burgstellen im südlichen Syrien und im Libanon

aus: Nicolas Faucherre: La fortification au temps des croisades; Rennes 2004, p. 220


Der Ortsname Schwand(en)

Die Burgstelle oberhalb von Deisswil wird Schwandiburg genannt und liegt im Schwandiholz.

Orts- und Flurnamen mit Schwand(en) sind bekanntlich außerordentlich häufig. Sie lassen nach dem Ursprung fragen. - Sicher ist nur, dass nicht die die deutsche Bezeichnung schwenden = reuten, roden dahinter stehen kann. - Beim Schwandiholz handelt es sich im Gegenteil sogar um einen Waldberg.

Ich halte heute fast alle deutschen Wörter, die mit SCH beginnen, für hebräisch: Schloß, Schlacht, schlecht, schön, usw.

Neuerdings habe ich mich in meinem Buch Der Vesuv ist überall (Web-Version: Der Vesuv ist überall) auch mit dem Ortsnamen SCHWAND(EN) befaßt. Dabei komme ich zum Schluß, daß hier das hebräische shevah, shvah = sieben dahintersteht.

Ein Zahlwort als Burgen- und Flurname mag zuerst erstaunen. Aber jede Burg ist bekanntlich fest wie Neapel oder Troja. Und die Sieben ist die trojanische Zahl: Jene Sagenstadt hatte sieben Könige und sieben Tore.

Auch die Schwandiburg ist also ein (hebräisches) Troja!