Die Burg Ro(h)rberg bei Rohrbach BE
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Im Dezember 2010 gab es in Zürich eine vom Tagesanzeiger veranstaltete Podiumsveranstaltung, bei der auch wieder Jeremias Gotthelfs berühmte Novelle Die schwarze Spinne besprochen wurde:
In Gotthelfs «Schwarze Spinne»
paktiert eine zugewanderte Deutsche mit dem Teufel und tötet Schweizer Bauern in
Spinnengestalt. Die Symbolik liess schon manchen Maturanden über die Bedeutung
der Erzählung verzweifeln: Moralpredigt? Bibelstunde? Gesellschaftsporträt? Für
einen Theatermann ist das natürlich ein gefundenes Fressen; noch heute lässt die
Geschichte verschiedene Interpretationen zu. Den deutschen Regisseur Frank
Castorf etwa, der die «Schwarze Spinne» im Januar am Schauspielhaus inszeniert,
interessiert am Stoff das «fremde Element».
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Aber die schwarze Spinne existiert: Zwei solche schlafen in Form von waldbestandenen Burgstellen bei Rohrbach im Oberaargau!
Vgl. auch: Die Altburg Kasern bei Rohrbach
Blick von der Altburg Kasern nach N auf das Dorf Rohrbach im Oberaargau BE
Die Burgstelle Rorberg befindet sich in dem Waldstück rechts oberhalb der Kirche.
Foto: Autor, 18.9.2010
Rorberg bei Rohrbach (Kt. Bern): Plan
Die Äquidistanz der Höhenkurven beträgt 1 m.
Planskizze: Autor, 10/2010
Überdeutlich erkennt man in dem Grundriss eine Spinne. Die Figur ist von den Erbauern beabsichtigt worden.
Ro(h)rberg bei Rohrbach BE: Blick von der Höhe des Donjons gegen S auf den Hof-Bereich
Man erkennt links die Grube des Sods.
Foto: Markus Schilt, 7.10.2010
Man erkennt im Hintergrund die Öffnung im südlichen Teil des Ringwalls: Die Lücke ist wahrscheinlich Teil des ursprünglichen Plans der Erdburg.
Foto: Markus Schilt, 7.10.2010
Plan der Burg Rorberg von 1903
aus: Die Burgen und Schlösser des Kantons Bern. Mittelland, Emmental und Oberaargau, II. Teil, Basel 1942, 12
Rohrberg oder Rorberg eine wahrhaft imposante Wehranlage. Die Burgstelle liegt unmittelbar nördlich der Ortschaft Rohrbach, zwischen Langenthal und Huttwil, auf einem ausgeprägten, nach Süden gerichteten Sporn des Bergzuges Rorberg über dem Langeten-Tal.
Gegen Norden ist der Burgplatz durch einen tiefen Halsgraben abgetrennt. Dieser hat gegen Norden eine Sprunghöhe von wohl 20 m und nach Süden immer noch 15 m.
Der ovale und zweifellos überhöhte Burghügel besteht aus einem Schildwall gegen Norden und ein sich daran anschliessende Plateau im Süden, das etwa 5 m niedriger und 20 m lang ist. Auf drei Seiten ist der Burgplatz durch einen Ringwall und Ringgraben (vergleiche die Abbildung) geschützt, der noch gut erhalten ist - ebenso wie der erwähnte Halsgraben gegen Norden. - Die Lücke in der Südseite des Walls ist vielleicht beabsichtigt und könnte den ursprünglichen Zugang andeuten.
Rorberg: Blick von Norden auf den westlichen Graben und Ringwall
Foto: Autor, 11.6.09
Der Burgplatz trug danach eine Steinburg: Auf der erhöhten nördlichen Stirnseite des Hügels stand ein rechteckiger Wehrturm, ein Donjon, mit den ungefähren Massen 15 x 17 m und ca. 2,5 m dicken Mauern. Auf der Nordseite sind noch durchgehende Reste des Mauerwerks zu sehen (vergleiche die Abbildung).
Den Donjon kann man sich ähnlich vorstellen wie den erhaltenen länglichen Wohnturm von Burgdorf.
Rorberg: Reste des Mauerwerks des Donjons auf dem erhöhten Nordrand des Burghügels
Foto: Autor, 11.6.09
Rorberg: Reste der Umfassungsmauer auf der Westseite des Burgplateaus.
Bei diesem kleinen Rest hat sich auch die äussere Mauerverblendung erhalten, die bei den übrigen Mauerspuren überall fehlt.
Foto: Markus Schilt, 7.10.2010
Der sich südlich an den Turm anschliessende Bering war ebenfalls durch eine halbkreisförmige Mauer geschützt, die nach ein paar sichtbaren Resten etwa 1,65 m dick war.
Zu bemerken ist, dass Rorberg im Norden von Rohrbach und rechts der Langeten im Süden (genauer gesagt im SSE) mit der mächtigen Altburg Kasern ein ebenbürtiges Pendant hat. Beide Burgen sperrten also das Tal zwischen Huttwil und Langenthal.
Übrigens: Die Burgstelle Rohrberg liegt trotz der unmittelbaren Nähe zu Rohrbach auf dem Boden der Gemeinde Auswil.
Der nördliche Halsgraben der Burg Ro(hr)berg bei Rohrbach, Kt. Bern. Aufnahme von 1940
aus: Die Burgen und Schlösser des Kantons Bern. Mittelland, Emmental und Oberaargau, II. Teil, Basel 1942, 13