Eine Burgruine enthüllt eine interessante Baugeschichte!


Die Riedburg am Schwarzwasser (Gemeinde Köniz, Kanton Bern)

Beschreibung und Analyse einer Burgstelle im Bernbiet

Christoph Pfister


Christoph Pfister: Plan der Riedburg, gezeichnet 1959

Die Planzeichnung ist erstaunlich exakt, wenn man sie mit der untenstehenden Aufnahme vergleicht. - Gleichzeitig beweist das Dokument des Autors frühes Interesse für die Burgen unserer Heimat.


Die Lage der Burg

Die Burgruine Riedburg liegt am Nordhang der Schwarzwasserschlucht, kurz vor ihrer Einmündung in die Schlucht der Sense. Weiter nördlich, gegen Mittelhäusern, gibt es den Weiler Riedburg mit einem Landschlößchen des 18. Jahrhunderts - dem ehemaligen Stettlerschen Landgut.

Blick von der Schwarzwasserbrücke auf das Landgut Riedburg

Die Burgruine Riedburg befindet sich rechts im Bild in der Mitte des Waldes, der steil zur Schwarzwasserschlucht abfällt.

Aufnahme: Autor, 24.5.2005


Die Burgstelle liegt an strategisch beherrschender Stelle, gleich nördlich der alten Brücke über das Schwarzwasser, und in einer Kehre der alten Strasse, die zur Schlucht hinaus führt.

Die heutigen beiden Brücken über die Schwarzwasserschlucht für Bahn und Strasse sind elegante Bogenkonstruktionen für Strasse und Bahn.

Die Schlucht rund um die Schwarzwasserbrücken bilden heute im Sommer ein beliebtes Ausflugs- und Erholungsgebiet. - Die Ruine selbst wird von diesem Rummel kaum betroffen und ist wenig bekannt. - Nur bei den Pfadfindern ist der Name Riedburg ein Begriff.

Politisch gehört die Riedburg zu der Großgemeinde Köniz, die hier am Schwarzwasser die Grenze mit der ebenfalls großen Gemeinde Wahlern bildet, deren zentraler Ort bekanntlich Schwarzenburg ist.

In meinem Buch Der Vesuv ist überall und in meinem gleichnamigen elektronischen Ortsnamenlexikon Der Vesuv ist überall weise ich nach, daß RIED-Burg nichts mit dem deutschen Wort Ried für Moor oder Sumpf zu tun hat. Der Ortsname RIED (RT) verbirgt mit einer vollständigen Konsonantenfolge (C)R(S)T(M) ein CHRISTUM, Christus.

Die Riedburg ist eine Christen-Burg!

Bereits in meinem großen online-Artikel Die heiligen Berge des Bernbiets habe ich die Riedburg erwähnt. - Hier soll die Ruine im Detail beschrieben und analysiert werden.

Beschreibung der Burgruine

Plan der Burgruine Riedburg: heutige Befunde, vereinfacht

Grafik: Ch. Pfister, 24.5.2005


Die Burg nutzt einen natürlichen Sporn im nördlichen Steilhang der Schwarzwasserschlucht aus. Vom Steilhang ist dieser Vorsprung durch einen etwa 15 m tiefen halbkreisförmigen Abschnittsgraben getrennt.

Spuren eines zweiten äußeren Grabens sind noch schwach erkennbar.

Der Burgplatz bildet ein längliches Oval, mit einer Erhebung gegen den Graben hin.

Auf diesem ovalen Grund wurde die Steinburg hineingebaut. Diese besteht aus einem länglichen Rechteck, mit Wohngebäuden gegen Süden und einem Turm im Norden gegen den Graben hin.

Die Ausgrabungen von Hans Ott von 1959/60 ermöglichte eine genaue Rekonstruktion des Grundrisses (siehe den untenstehenden Plan).

Plan der Ruine Riedburg nach den Ausgrabungsbefunden von 1959/60

aus: Hans Ott: Ausgrabungen auf der Ruine Riedburg. In: Jahrbuch des Bernischen Historischen Museums, XXXXIX. und XL. Jahrgang, 1959 und 1960, Seite 116


Der deutlich abgesetzte Bergfried stand an höchster Stelle und hatte eine Seitenlänge von 10 m bei einer Mauerdicke von 2 m. Das Mauerwerk bestand aus Fluß- und Feldsteinen mit einer heute fehlenden Verkleidung aus bossierten und länglichen Sandsteinquadern.

Von den Wohn- und Wirtschaftsgebäuden war der Turm durch einen Hof getrennt.

Vom Palas sind auch heute noch als Erdwälle die hofseitige Mauer und eine Trennwand erkennbar, welche das Gebäude in zwei Räume unterteilte.

Nicht mehr erkennbar ist ein kleines, bei der Ausgrabung festgestelltes Gebäude in der Südostecke des Hofes, das vielleicht als Küche diente.

Der östliche, etwas kleinere Raum des Palas besaß einen Kachelofen, von dem etliche figürliche Fragmente gefunden wurden (vergleiche die Abbildung).

Zwei Ofenplastiken. Funde aus dem südwestlichen Teil der Riedburg

aus: Hans Ott, Seite 124


Die Außenmauer der Burg war vom Typus her eine Mantel- oder Futtermauer. Wie beim Turm bestand die Außenverkleidung aus sorgfältig behauenen Sandsteinblöcken, die aber im Unterschied zum Turm nicht bossiert waren. Von dieser Mauer sind an der Nordspitze und auf der südlichen Schmalseite noch bis zu 5 m hohe Reste erhalten.

An der Ostmauer fällt gleich neben der Hofmauer des Palas eine ehemalige Öffnung auf. Diese bildete vielleicht das Tor. - Die Ausgräber suchen dieses zwar eher auf der Westseite, gleich neben dem Bergfried.

Die vermutliche Baugeschichte der Burg

Auf Grund der Befunde kann man eine dreiteilige Entstehungsgeschichte der Burg annehmen.

Der Platz war zuerst eine Erdburg.

Später wurde in dieses Erdwerk eine Steinburg hineingebaut.

Der steinerne Wehrbau selbst bestand ursprünglich nur aus dem Turm. - Noch heute fällt der Unterschied zwischen dem Bergfried und der übrigen Burg deutlich auf. - Auch die Ausgräber halten den Turm für älter.

Auffällig ist schon die andere Orientierung des Turms. Während die Burg eine Orientierung von etwa 20° NE hat, so das Turmquadrat eine solche von 40° NE (vielleicht 42° NE entsprechend der keltischen Landvermessung).

Und der Bergfried bestand ursprünglich aus Fluß- oder Feldsteinen und wurde nachträglich durch eine Sandsteinmauer ummantelt.

Die rechteckige Außenmauer der Burg und die Wohngebäude scheinen in einem Zug erbaut worden sein.

Eine Burganlage der Gotik

Zeichnerische Ansicht der Buckelquader der Mauerverkleidung des Turms der Riedburg

aus: Hans Ott, Seite 118


Die Außenmauer der Riedburg mit ihren Sandsteinquadern macht einen sehr jungen Eindruck.

Man ist erstaunt, Wehrmauern die aus Molasse gefügt sind, zu sehen. - Dieses Baumaterial wurden in alten "römischen" oder "mittelalterlichen" Zeiten nicht für Befestigungen verwendet. Erst die Gotik brauchte den Sandstein: Die gesteigerte Bautätigkeit ließ keine andere Wahl zu.

Und auch erst die Gotik oder die Renaissance kannte die Bossierung der Quader. - Der Zweck war die Ablenkung der Geschosse - Pfeile der Armbrust und Geschützkugeln. - Denn die Gotik ist die Zeit der beginnenden Feuerwaffen.


Detail der Außenmauer E der Ruine Riedburg

Aufnahme des Autors, 24.5.2005


Detail der Außenmauer S der Ruine Riedburg

Aufnahme des Autors, 24.5.2005


In meiner Matrix der alten Geschichte, aber auch in Bern und die alten Eidgenossen weise ich nach, daß der gotische Baustil vielleicht im letzten Viertel des 17. Jahrhundert entstanden ist.

Dieser allgemeine chronologische Ansatz verschiebt den Bau der Riedburg - ausgenommen den Wehrturm - in die Zeit vor weniger als dreihundertfünfzig Jahren.

Die Burganlage ist spätestens in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts verlassen und damit dem Zerfall übergeben worden.

Bei den bernischen Burgen weist die Riedburg eine große Ähnlichkeit mit dem Rundturm von Geristein auf, mit dem ich mich ausführlich befaßt habe (vergleiche: Der Turm von Geristein). - Jenen Rundbau habe ich als frühen Artillerieturm erkannt und auf die Zeit nach 1650 datiert.

Der Turm der Riedburg hat ferner eine strukturelle Verwandtschaft mit dem gut erhaltenen Bergfried der Ruine Ober Maggenberg, am linken Ufer der Sense in der Gemeinde Alterswil (Kanton Freiburg).

Noch grösser ist die Ähnlichkeit des bossierten Mauerwerks der Riedburg mit der Burgruine Neu Bubenberg bei Schliern, ebenfalls in der Gemeinde Köniz. - Die beiden Anlagen müssen ungefähr zeitgleich sein.

Fiktives und reales Wissen von der Burgengeschichte

Die Entstehungsgeschichte der Burg muß nach den Befunden erschlossen werden. Es gibt keinerlei glaubwürdige Aufzeichnungen über diesen Wehrbau. Die gesamte Baugeschichte fällt in die völlige Geschichtsnacht. - Die pseudogeschichtlichen Mitteilungen, welche die Literatur über die Riedburg wiedergibt, sind inhaltlich wie chronologisch absurd.

Bei der Riedburg haben wir ein schönes Beispiel dafür, wie die kritische Betrachtung der baulichen Überreste zu anderen zeitlichen Ansätzen führt. - Und es wird klar, daß die Geschichte des Burgenbaus mitnichten in ein legendäres "Mittelalter" gehört, sondern in die beginnende Neuzeit. Der steinerne Burgenbau gehört in das 17. Jahrhundert.

Der Graben der Riedburg

Ansicht gegen Osten

Quelle: Internet


Ende Mai 2005, ff.