Christoph Pfister
Johann Georg Esslinger (1790 – 1838) und seine Analyse der Kirchengeschichte von Ende der 1820er Jahre
(Analyse d'un légitimiste suisse sur la Réforme et la révolution. Jean Georges Esslinger et une apologie inédite de la fin des années 1820)
Wissenschaftliche Untersuchung von 2006
Vorschau
Im Rahmen eines Weiterbildungsprogramms des Kantons Freiburg erhielt ich 2006 die Möglichkeit historische Detailforschung zu betreiben. Mein Kontakt wurde Professor Georges Python, Inhaber eines Lehrstuhls für Zeitgeschichte an der Universität Freiburg.
Professor Python schlug mir vor, ein bisher unbeachtetes Manuskript zu untersuchen.
In der Kantons- und Universitätsbibliothek Freiburg lagert ein umfangreiches anonymes Manuskript in französischer Sprache aus dem frühen 19. Jahrhundert. Dieses besteht aus 26 Folio-Bänden mit zusammen gut 4000 Seiten. - Als Autor gilt Johann Georg Esslinger (1790 - 1838), zuerst protestantischer Pfarrer im Kanton Zürich, seit 1820 Geistlicher bei der Schweizergarde in Paris.
Die Auswertung des Manuskript ergab, daß es sich um eine Apologie der katholischen Dogmatik und Kirche handelte, mit einer klaren Spitze gegen die Reformation und die Kirchenfeindschaft der Französischen Revolution. Der anonyme Autor zeigt sich als Anhänger der konservativen und legitimistischen Strömungen in Europa nach 1815.
Die Arbeit wurde für mich besonders interessant, als sich herausstellte, daß der Autor enge Beziehungen zu Karl Ludwig von Haller, dem bekannten Berner Staatstheoretiker hatte. - Über diese Persönlichkeit habe ich anfangs der 1970er Jahre meine Dissertation verfaßt (Die Publizistik Karl Ludwig von Hallers in der Frühzeit, 1791 - 1816, Bern 1976).
Die Auswertung des Manuskripts bestätigte zweifelsfrei die Autorschaft Esslingers. Und es ließ sich nachweisen, daß das Werk in den Besitz von Karl Ludwig von Haller kam.
Esslingers Apologie enthält interessante Gedanken, auch unter dem Gesichtspunkt der Geschichtskritik. Der Autor sieht die verblüffenden Ähnlichkeiten zwischen dem Arianismus der alten Kirche und dem Protestantismus, ihn verblüfft die Ähnlichkeit zwischen Augustinus und Martin Luther.
Daneben ist Esslingers Manuskript eine wertvolle Quelle für die geistigen Tendenzen in Frankreich und Europa vor der Julirevolution, besonders für die Gegenrevolution, den Konservativismus und den Legitimismus.
Die Arbeit ist französisch verfaßt. Dies deshalb, weil die Quelle in dieser Sprache geschrieben ist - und auch die meiste Sekundärliteratur.
Esslinger: Analyse d'un légitimiste suisse
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