Die Burgruine Oberwangen bei Bern

Der Grundriß eines Donjons zeigt interessante Vergleiche mit anderen Burgtürmen im Bernbiet.


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Turmruine Oberwangen bei Bern: Luftansicht


Plan der Turmruine von Oberwangen bei Bern

Umzeichnung: Autor

aus: O(tto) Tschumi: Die Burgruine von Oberwangen bei Bern, Bern 1936, S. 5


Burg Oberwangen (Köniz): Das Turmfundament von Südwesten mit dem Zugang ins Innere

Bild: Autor, 17.7.2012


Burg Oberwangen: Der Ecksockel gegen Süden

Bild: Autor 17.7-2012


Lage

Die ehemalige Burg von Oberwangen (Gemeinde Köniz) liegt etwa 250 m südwestlich der Kirche des Orts auf einem nach Nordosten gerichteten Sporn, Kehrhübeli genannt, auf der linken Seite des Wangentals. Die konservierte Ruine des Turms ist auch vom Talgrund zu erkennen.

Ausgrabung, Masse; Konservierung, Vergleiche

Die Turmfundamente auf dem Kehrhübeli wurden 1935 wiederentdeckt. Im Winterhalbjahr 1935/36 hat der damalige Kantonsarchäologe Otto Tschumi mit Hilfe des technischen Arbeitsdienstes die Ruine ausgegraben und in einer Publikation beschrieben. - Das Turmfundament wurde danach in einer mittleren Höhe von bis zu 2.5 Metern aufgemauert und mit einer schützenden Zementabdeckung versehen. - Also konservierte Ruine präsentiert sich die Burg noch heute.

Die Ausgrabung von Oberwangen legte das Fundament eines typischen rechteckigen Donjons frei. Dieser hat die Masse 13.85 x 10.60, bei einer Mauerdicke von 2.2 Metern. - Die Längsachse des Grundrisses hat eine Orientierung von 50° NE.

Das Mauerwerk ist aus Geschiebesteinen gefügt. - Typisch für einen Donjon sind die Ecksockel, die alle vier Ecken verstärken.

Ungefähr in der Mitte des Turminnern gab es einen Schacht oder eine Zisterne von knappen 4 Metern Tiefe.

Bei der Ausgrabung wurde eine Brandschicht mit verschiedenen Resten und Spuren (Tierknochen, Kleinfunde, Münzen und Getreideresten) festgestellt. - Auch zwei menschliche Skelette hat man ausgegraben. - Der Turm von Oberwangen war also offenbar bewohnt.

Am Mauerwerk konnten zwei Ausgüsse nachgewiesen werden. Ferner wiesen zwei Seiten der Mauer Breschen auf, die durch Schatzgräberei entstanden waren.

Die Geschichte, welche an diese Ruine gehängt wird (Sitz der "Herren von Wangen", Zerstörung "1298") ist absurd und abzulehnen.

Gemäss der Geschichts- und Chronologiekritik hat der Turm irgendwann in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts gestanden und ist dann aufgegeben und eingeäschert worden.

Interessant jedoch sind die Vergleiche, die der Grundriß bietet:

Oberwangen hat eine grosse Ähnlichkeit mit dem Donjon der ehemaligen Burg Nydegg in Bern; aber auch mit dem Turm von Ägerten am Gurten und dem von Rorberg bei Rohrbach. - Mit aller Vorsicht erkennt man in den strukturellen Merkmalen die beginnende Gotik.