Münnenberg, eine mächtige Erdburg im Emmental
Vgl. Den Artikel über die Erdburg Bärhegen nördlich von Wasen BE
Plan der Burgstelle Münnenberg
Grafik: Autor, 7-2008
Die Lage der Burgstelle
Jeremias Gotthelf hat sie in seiner berühmten Novelle Die schwarze Spinne erwähnt. Und geheimnisumrankt ist sie noch immer: die mächtige Erdburg Münnenberg in der Gemeinde Lützelflüh.
Die Burgstelle liegt auf einem nach Süden geneigten steilen, bewaldeten Grat nördlich von Grünenmatt und in nächster Nähe des im SW gelegenen Weilers Flüelen. Vom Burgplateau sieht man hinüber zu dem östlich gelegenen Schloß Trachselwald und selbstverständlich nach Sumiswald.
Münnenberg ist in die alte Landvermessung eingebunden: Zur Burg Bärhegen im NNE von Wasen führt eine Linie des Sonnenaufgangs zur Zeit der Sommersonnenwende. – Und Trachselwald liegt mit Münnenberg auf einer Horizontale.
Beschreibung der Anlage
Die Wehranlage besteht zuerst aus einem ovalen Burghügel mit nord-südlicher Ausrichtung. Dieser hat auf der West- und Südseite ein ausgeprägtes unteres Plateau. Die südliche Zwischenstufe ist dabei höher und breiter ist als die östliche: Zweifellos wird hier der alte Zugang zur Höhe des Burghügels angedeutet.
Am nördlichen Ende des Burghügels deutet ein Loch noch einen alten Sod an.
Der Burghügel ist auf der Westseite durch einen länglichen, halbkreisförmigen Flankenwall geschützt. Dieser ist mit gewissen Einschnitten noch erhalten.
Gegen Norden trennte ehemals ein Halsgraben die Burganlage vom Grat.
Gegen Süden ist als Fortsetzung der Passage zwischen Wall und Burghügel ein Abschnittsgraben erhalten.
Gegen Osten machte der steile Abhang einen Schutz des Burghügels überflüssig.
Vom Weiler Flüelen her, ist ein Hohlweg als südlicher Zugang zu erkennen.
Die Anlage läßt klar erkennen, daß ein Weg von Norden nach Süden durch die Burganlage geführt wurde.
Ebenfalls ist noch ein spiralförmiger Aufgang zum Burghügel erkennbar. Dieser führte von Norden die Westseite hinauf. Dort ist eine Abtreppung in der Motte erkennbar. Von dem südlichen Zwischenplateau ist eine Fortsetzung des Aufgangs zur Hügelspitze im Osten anzunehmen.
Im Norden des Burghügels (Punkt auf der Grafik) sind noch Reste eines Sodlochs zu erkennen.
Der Ortsname Münnenberg
Der Name Münnenberg ist mir seit den Erkenntnissen von Der Vesuv ist überall einsichtig: Münnen ist gleich anzusehen wie MANNEN (z.B. Mannenberg): MÜNNEN = MNM > (R)MNM = ROMANUM, römisch. Es ist dies also eine Römerburg. Und das deutsche Wort Mann besagt auch Römer: Nur diese galten als vollwertige Bürger.
Münnenberg als alte Wegsperre
Es wurde gesagt, daß durch die Burganlage ein Weg geführt wurde. Dieser verlief zwischen dem Burghügel und dem Flankenwall gegen Westen.
Die genaue Betrachtung läßt mehr erkennen: Münnenberg lag an einem von Norden nach Süden verlaufenden Höhenweg. Diesen kann man noch heute auf der Landkarte von der Gegend von Affoltern bis zur Burg verfolgen.
Aber die alten Wege verliefen nicht wie heute im Talboden, sondern den Talhängen oder sogar den Höhen entlang. Denn die Täler waren früher größtenteils sumpfig und hochwassergefährdet.
Im Emmental lässt sich noch an einer anderen Stelle ein Höhenweg nachweisen:
Das Hübeli bei Steinen bildet eine Doppelburg an einem Hang. Den beiden Burghügeln ist auf der gegen das Tal gerichteten Westseite je ein Schildwall vorgelagert. Und der im Gelände teilweise noch deutlich erkennbare Hohlweg wurde zwischen den beiden Burgplateaus und den beiden Schildwällen hindurchgeführt.
Wie Münnenberg bildete das Hübeli eine Wegsperre einer hangseitigen Verkehrsverbindung.
Das Hübeli bei Steinen habe ich in meinem Buch Die Ursprünge Berns (2008) mit einem Plan beschrieben.
Jeremias Gotthelf und seine Novelle Die drei Brüder
Jeremias Gotthelf, der bestens bekannte Berner Schriftsteller der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, hat bekanntlich auch historische Novellen geschrieben, die hauptsächlich im Emmental und Oberaargau spielen (Kurt von Koppigen, Der letzte Thorberger, Der Knabe des Tells, Die Gründung Burgdorfs oder Die beiden Brüder Sintram und Bertram).
In diesen Zusammenhang gehört auch Die weiße Spinne, eine "weltliterarische Supernovelle" (Hanns Peter Holl). Diese aber verläßt durch ihren Inhalt die Niederungen einer geschichtlichen Erzählung.
Die Novelle Die drei Brüder aus den 1840er Jahren hat den Münnenberg zum Thema. Es ist dies eine Rahmenerzählung, die unter Gästen des Wirtshauses Flühlenstalden - unterhalb der Burgstelle - spielt.
Die Drei Brüder verraten die Sprachgewalt von Gotthelf. Aber sie sind auch ein Zeugnis des literarischen Historismus, der sich seit der Romantik entwickelte. Der Münnenberg ist nämlich nur ein Vorwand, um ein Sumiswald zur Römerzeit, damals "vor 1800 Jahren" zu schildern. Und konkret wird eine Geschichte erzählt, die sich während des Helvetieraufstands "69 AD" abgespielt haben soll.
In römischen Sumiswald soll es drei reiche und angesehene, aber charakterlich undurchsichtige Brüder gegeben haben. Diese hatten Sigbert als Feind, den Sohn eines geachteten helvetischen Notabeln. Nur einer der Brüder, Clodomir, hatte als Kind eine Tochter namens Gertrud. Der starke Sigbert überwindet im Ringkampf Guntram, den jüngsten der drei. Die Brüder schwören darauf Rache. Die Gelegenheit dazu bietet sich beim "Helvetieraufstand 69 AD": Sigbert soll das Emmental verteidigen. Gertrud hält zu ihm. Aber die drei Brüder verhindern eine wirksame Verteidigung der Helvetier gegen die in Vindonissa aufmarschierten römischen Legionen. Sumiswald wird niedergebrannt und Sigbert und Gertrud am Fuße des Münnenbergs von Speeren durchbohrt.
Der pseudogeschichtliche Firnis dieser Novelle ist sehr dünn: Die Helvetier, das sind die Schweizer zu Gotthelfs Zeiten. Und Sumiswald ist ein Markflecken wie damals. Es gibt dort Kühe und Käse, Kilbi und Schwinget. Sogar Erfindungen der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, wie der Regenschirm (!) und der Telegraph (!) werden erwähnt.
Und beim Verrat der drei Brüder erwähnt Gotthelf die Parallelität mit dem französischen Einmarsch 1798.
Neben der Schulgeschichte bietet Gotthelf in Die drei Brüder auch eine etymologische Phantasterei: Münnenberg soll ursprünglich Mühlenberg (!) geheißen haben, weil an der Grünen früher Mühlen waren.
Die Handlung dieser Novelle von Gotthelf wirkt konstruiert. Sowohl Sigbert wie Gertrud und die drei Brüder haben eine stereotype Charakterisierung. - Die Erzählung ist keine Meisterleistung von Gotthelf.
Wie sein Vorgänger Johann Rudolf Wyss in Der Abend zu Geristein und Der Ritter von Ägerten holt sich Gotthelf Stoffe aus der Pseudohistorie und überhöht sie literarisch.
Eines aber muß man Gotthelf lassen: Seine Beschreibung der Wehranlage Münnenberg ist ebenso lakonisch wie präzis: Von ihr sehe man noch den gewesenen Burggraben und den um die Spitze (des Burghügels) gewundenen Schloßweg.
Mai - Juli 2008