Lucens VD: Le vieux château au nord-ouest du château actuelLucens (früherer deutscher Name: Lobsigen oder Losingen): ein gewaltiger Burgplatz im Nordwesten des heutigen Schlosses


Das heutige Schloß von Lucens VD. Ansicht von Nordwesten, der Höhe vor der Altburg.

Foto: Autor, 31.5.2015


Vorbemerkung

Das heutige Schloß von Lucens (Waadt – Vaud) im Broyetal - ein ehemaliger bernischer Landvogteisitz – ist bekannt.

Fast unbekannt hingegen ist die große Wehranlage weniger als 500 Meter im Nordwesten des Schlosses, auf der Höhe eines durch das Vallon des Vaux und den Bach La Cerjaule gebildeten Sporns.

Doch erst neue Mittel zur Abbildung der Landschaftsoberfläche haben eine richtige Erfassung jener alten Burg möglich gemacht.


Plan der Altburg von Lucens (vieux Lucens) VD

Der Übersichtsplan gibt die 10 m-Höhenkurven der Landeskarte wieder, unterlegt mit dem digitalen Oberflächenmodell (DOM).

Die ausgezogenen Linien geben vorhandene Wallreste wieder, die gestrichelten (besonders im Süden) den ergänzten Verlauf.

Plan: Autor, 7.2015


Beschreibung

Die Motte der Kernburg von Alt Lucens. Ansicht von Südwesten.

Foto: Autor, 31.5.2015


Der erhöhte Teil der Motte der Kernburg von Alt Lucens. Blick gegen Südwesten.

Foto: Autor, 31.5.2015


Die Altburg von Lucens – wie sie hier auf Deutsch genannt wird – besteht aus zwei Elementen: einer Kernburg im Osten, auf einer auf der Landeskarte mit Punkt 593 markierten Kuppe, sowie einer großen, sich gegen Westen anschließenden Wallanlage.

Die Kernburg besteht aus einer am östlichen Rand des Plateaus aufragenden Motte. Dieser Burghügel hat gegen Westen, gegen eine heutige große Waldlichtung, eine Sprunghöhe von gut neun Metern.

Die Motte selbst hat eine ovale bis rechteckige Form mit den Massen von ungefähr 25 x 18 Metern.

Gegen Südwesten ist der Burghügel gegenüber dem übrigen Plateau der Motte um etwa zweieinhalb Meter erhöht. Auf dieser Erhebung sind noch schwache Spuren eines Turmfundaments von ungefähr fünf Metern Seitenlänge bei einer Orientierung von etwa 40° NE festzustellen.

Von der ausgedehnten Wallanlage, die sich gegen Westen an die Kernburg anschließt, sind in den bewaldeten, etwas erhöhnten Teilen des Sporns deutliche Spuren zu erkennen.

Gut erhalten ist der Wallschenkel gegen Nordwesten, also vor dem Steilhang des Vallon des Vaux. Dieser Wall hat dort gegen außen eine Sprunghöhe von ungefähr fünf und auf der Innenseite eine solche von etwa drei Metern.

Auffällig ist die große Breite der Wallkrone, beträgt sie doch ungefähr vier Meter.

Die Fortsetzung des Walls gegen Südosten ist zwar noch gut kenntlich, doch wird die Erfassung durch den dichten Bewuchs behindert.

Die Fortsetzung des Walls gegen Nordosten, hinunter gegen den Abhang, ist hingegen noch deutlich zu erkennen.


Die Altburg von Lucens im digitalen Oberflächenmodell (DOM)

Neben der Kernburg im Osten zeigt sich auf diesem Modell die Wallanlage deutlich im Gelände ab.

Das heutige Schloß Lucens ist unten rechts zu erkennen.


Erst die neuen Mittel der elektronischen Aufzeichnung der Erdoberfläche haben es ermöglicht, daß sich die Wallanlage der Altburg von Lucens genau erfassen läßt.

Auf dem digitalen Oberflächenmodell (DOM) ist die Westseite der Umwallung überaus deutlich zu erkennen. Man sieht, daß der Wall zweifach gewinkelt ist.

Und erst auf dem digitalen Oberflächenmodell ist zu sehen, daß die Wallanlage auch entlang des Nordabhangs zum Vallon des Vaux geführt wurde. – Eine Geländebegehung hätte diese Spuren wegen des dichten Bewuchses kaum erkennen lassen.

Das DOM zeigt auch, daß der Wall bis zur Kernburg im Osten gezogen wurde.

Gegen Süden ist der Wall nur noch ansatzweise im Wald zu erkennen. Die von Süden hineinragende große Waldlichtung mit der Bewirtschaftung der Oberfläche haben dort die Spuren verwischt. – Doch die Richtung des Walls zum Ostabhang kann erschlossen werden.

Nur die Hangkante im Osten des Plateaus, die zur Kernburg führt, scheint nicht von einem Wall bewehrt worden zu sein. – eine künstlich verstärkte Böschung hat offenbar dort genügend Schutz geboten.

Die Masse der Wallanlage der Altburg Lucens sind erstaunlich:

Die umwallte Fläche mit der Kernburg beträgt 37 Hektaren; die Länge 300 Meter bei 170 Metern größter Breite.

Allerdings gibt es im Kanton Waadt ein paar ähnlich große Wallanlagen, die man früher als Refugien und Oppida bezeichnet hat. Zu erwähnen ist Layaz bei Goumoëns-le-Jux.

Ravenel bei Suchy und Sermuz bei Gressy.

Auch das erst kürzlich vom Autor als Burgplatz erkannte Châtillon bei La Sarraz bietet sich als Vergleich an.