Der Hübeliberg bei Bowil BE: Hohlweg und Erdwerk

Das imposante Erdwerk hat die Merkmale eines Wehrbaus. Doch ist es eher als Kultanlage oder Geoglyphe (Erdzeichnung) zu deuten.


Startseite: www.dillum.ch

Vgl. auch das Buch Die Ursprünge Berns (2015)


Das Erdwerk Hübeli im LIDAR-Bild

Der gegabelte Hohlweg ist charakteristisch für die Anlage.


Plan des Erdwerks Hübeliberg (Gemeinde Bowil  BE, Emmental)

Äquidistanz der Höhenkurven: 1 m

Plan: Autor, 2017


Der Hübeliberg von der Kirche von Bowil, also von Osten aus gesehen


Erdwerk Hübeliberg bei Bowil: Mittelteil des Hohlwegs. Ansicht gegen Süden.

Die künstlich ausgekehlte Senke im westlichen Abhang des Hübeli ist deutlich erkennbar.

Foto: Markus Schilt, 7.8.2010


Erdwerk Hübeliberg bei Bowil: Anfang des Hohlwegs im Süden. Ansicht gegen Norden.

Foto: Autor, 2000

Erdwerk Hübeliberg bei Bowil: Der Hohlweg von Süden

Foto: Markus Schilt, 7.8.2010

Erdwerk Hübeliberg bei Bowil: Der Hohlweg von Süden, zwischen dem südlichen Schildwall (links) und dem südlichen Burghügel (rechts)

Foto: Markus Schilt, 7.8.2010


Ein merkwürdiges Erdwerk


Auf der Westseite des teilweise bewaldeten Hübeliberges, östlich des Weilers Hübeli, rechts der Strasse und der Bahnlinie Oberhofen - Signau befindet sich ein gut erhaltenes altes Erdwerk.

Von Süden her führt ein deutlich erkennbarer Hohlweg zur Anlage. Der Anfang ist im offenen Gelände überdeutlich zu sehen (vergleiche das Foto). Der Hohlweg führt geradewegs nach Norden und endet dann an einem Steilhang.

Dieser westliche "Hohlweg" durchquerte nicht den Damm zwischen den beiden Erdwerken, sondern den länglichen Graben dahinter.

Der Weg trennt und gliedert ein axialsymmetrisches Erdwerk. Dieses besteht gegen Westen aus zwei lang gezogenen "Schildwällen", die miteinander durch einen kleinen Damm in einer Geländesenke verbunden sind.

Rechts des Hohlwegs sind zwei "Burghügel" angelegt, die ebenfalls miteinander verbunden sind.

Die "Burghügel" sind vom obersten Steilhang des Hügels durch einen zusammenhängenden, bis 5 m tiefen Graben getrennt. Der Abhang hinter dem Graben ist künstlich geböscht.

Sowohl die beiden "Schildwälle" wie die beiden "Burghügel" haben eine länglich-geschwungene Grundform, die wie künstlerisch gestaltet anmuten.

Das Erdwerk Hübeli ist, wie gesagt, erstens axialsymmetrisch angelegt. Und zum zweiten stellt es eine ausgesprochene Terrassenanlage dar: Die oberste Terrasse bildet die Höhe des Hügels. Von dieser sah man auf die obere Terrasse, die beiden "Burghügel" hinab. Und von diesen sieht man auf die beiden "Schildwälle".

Zwischen den beiden Schildwällen ist ein künstlicher Damm gezogen, der gegen den Hang im Osten eine kleine, langgezogene Senke bildet. Und der östlich anschliessende Hang zwischen den beiden Burghügeln bildet ein Halbrund, das an eine Arena erinnert.

Das digitale Höhenbild LIDAR zeigt deutlich einen zweiten "Hohlweg". Dieser führte zwischen den beiden bergseitigen Gräben der "Burghügel" hindurch und durchquerte auch die grosse Senke.

Überdeutlich zeigt das LIDAR-Bild also zwei gabelförmige Hohlwege, die sich im Süden vereinigten.

Das Erdwerk ist klar gegen Westen ausgerichtet. Die Terrassenanlage muss von der Seite von Bowil her einen monumentalen Eindruck gemacht haben.

Das Erdwerk Hübeliberg ist weder auf der alten noch der neuen Burgenkarte der Schweiz verzeichnet - obwohl der Ort bekannt ist. Grund für die offizielle Nichterwähnung ist der merkwürdige Charakter der Anlage: Ist das Erdwerk am Hübeliberg eine Burg oder ein Hohlweg? - Und weshalb liegen die beiden Burghügel am Abhang des Berges, und nicht auf der Höhe?

Weil die beiden Plateaus am Abhang liegen, ist sogar behauptet worden, die Anlage sei unvollendet. Als ob die Alten nicht genug Zeit gehabt hätten, ihre Erdwerke zu vollenden!

Zu bemerken ist die Nähe zur nördlich davon gelegenen Burgstelle Neu Signau und der nordöstlich in gleicher Nähe liegenden Burgruine Alt Signau.

Das Hübeli ist ein gut erhaltenes vorgeschichtliches Erdwerk. Aber es hatte wohl eher einen symbolischen, denn einen wehrhaften Zweck.

Eine oder mehrere Geoglyphen könnten in dem Hübeli enthalten sein. Beispielsweise sehen die beiden Schildwälle und besonders die beiden Burghügel im Grundriss wie Delphine oder Walfische aus. - Eine künstlerische Gestaltung der Anlage ist auf alle Fälle deutlich.

Die monumentale Terrassen-Anlage des Hübeli bei Bowil ist als vorgeschichtliche Kultstätte anzusprechen.

Das Hübeli als Monument eines alten Stierkults?

Wie gesagt ist das monumentale Erdwerk an Hübeliberg deutlich gegen Westen, gegen Bowil gerichtet.

Der Name BOWIL (im Aargau gibt es auch ein BOS-Wil) ist sicher auf lateinisch BOS, BOVEM = Ochs, Stier zurückzuführen. - Auch Bubenberg hat den gleichen Ursprung.

Das Erdwerk Hübeliberg könnte einen stilisierten Stierkopf darstellen. - Die Senke zwischen den beiden, gedoppelten Erhebungen symbolisieren die Ansätze der nach aussen oder nach oben gerichteten Hörner.

Der Hübeliberg ist ein Monument eines vorgeschichtlichen Stierkults.


Erdwerk Hübeliberg bei Bowil: Der nördliche Schildwall mit dem Hohlweg. Ansicht von Süden.

Foto: Markus Schilt, 7.8.2010


Erdwerk Hübeliberg bei Bowil: Der bergseitige Graben des nördlichen Burghügels. Ansicht gegen Süden. Die geschwungenen Formen von Graben und Hügel sind deutlich erkennbar.

Foto: Markus Schilt, 7.8.2010