Heidenstatt bei Wynigen (Kanton Bern): ein grosser, aber versteckter vorgeschichtlicher Burgplatz


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Luftansicht des Sporns von Heidenstatt

Die Aufnahme zur Winterzeit lässt östlich des Hofes deutlich die Linie eines Abschnittswalls oder Abschnittsgrabens erkennen. Man meint, nach einer Biegung auch eine nach Südwesten gerichtete Fortsetzung zu erkennen.

Im westlichen Teil ist in der steilen, nach Südwesten gerichteten Hangschulter auch deutlich der gewundene Verlauf des Hohlwegs zu sehen.

Bild: Internet


Plan von Heidenstatt (Gemeinde Wynigen, Kanton Bern)

Eingetragen ist in dieser Kartenskizze der (kaum noch sichtbare) Abschnittswall und -Graben gegen Osten und der ins Wynigental hinabführende Hohlweg.

Der rote Punkt bei Pt. 625 gibt den Standort eines Sods an.

Äquidistanz der Höhenkurven: 1 m

Planskizze: Autor, 9.2012


Die Lage

Heidenstatt heißt ein Gehöft westlich des Weilers Breitenegg, etwa 2.5 km nordnordöstlich von Wynigen (Kanton Bern) und zu jener Gemeinde gehörig. Das Gelände bildet dort einen nach Südwesten gegen das Wynigental gerichteten Sporn. Dieser ist gegenüber dem Talgrund um über 100 m erhöht.

Der Nordkante des Sporns entlang verläuft die Grenze zwischen den Amtsbezirken Burgdorf (Süden) und Aarwangen (Norden).

Die Spuren eines Abschnittsgrabens und – Walls

Der Sporn von Heidenstatt bildete einen vorgeschichtlichen befestigten Platz (vgl. den Plan). Die Spuren sind heute allerdings undeutlich und versteckt. Nur ein Kenner und nur durch Vergleiche mit anderen Erdbefestigungen läßt sich Heidenstatt als alter Burgplatz bestimmen. Mehrere Dinge sind bei dem Objekt zu beachten.

Zuerst sind östlich des Hofs von Heidenstatt die schwachen Spuren eines Abschnittswalls - und damit eines ehemaligen Abschnittgrabens - festzustellen. In der vegetationsarmen Jahreszeit - und auch da am besten anhand von Luftaufnahmen (vgl. die Abbildung) - ist deutlich eine etwa 150° nach Südosten verlaufende Linie im Gelände zu sehen. Diese Abschnittsbefestigung hatte offenbar eine Biegung, wonach sie sich vielleicht gegen Südwesten bis zur südlichen Kante weiterzog. - Der Verlauf nach dem Knick ist allerdings hypothetisch.

Der Abschnittsgraben und - Wall soll bis in die 1930er Jahre noch gut sichtbar gewesen und dann eingeebnet worden sein.

Vom Abschnittswall bis zur Kante des Abhangs im Westen hatte der geschützte Sporn von Heidenstatt eine Länge von etwa 400 Metern. - Die Breite der ehemaligen Befestigung im Osten betrug rund 100 Meter.

Bei dem Gehöft hat sich noch ein alter Sodbrunnen erhalten (vgl. Plan).

Von weiteren Befestigungen auf dem Plateau oder sogar von einer Siedlung haben sich keine Spuren erhalten.

Der Hohlweg

Am westlichen Ende des Plateaus von Heidenstatt, kurz nach dem Waldrand, zieht sich ein alter Hohlweg in geschwungener Form der Krete entlang zum Wynigental hinunter. Diese sicher künstlich angelegte Rinne oder Runse ist allerdings sonderbar und von gewaltigen Ausmaßen. Im oberen Teil erreicht dieser "Hohlweg" eine Sprunghöhe von sechs bis sieben Metern gegenüber beiden flankierenden Geländeschultern. Unten verflacht sich der Weg in dem flacher werdenden Gelände, um dann offenbar gegen den Talgrund hin nochmals einen gebogenen Verlauf zu nehmen.

Der "Hohlweg" hat wohl kaum als solcher gedient: Die Rinnen sind dafür unnötig tief ausgeschnitten und liefen ursprünglich wohl spitz zu.

Auch als Hangsperre wirkt dieser "Hohlweg" übertrieben und unlogisch.

Wie an anderen Orten - erwähnt sei das gewaltige Hohlwegsystem südlich von Bollodingen im Oberaargau - müssen diese künstlichen Furchen im Gelände anders interpretiert werden.

Der Hohlweg bei Heidenstatt bildete mit dem befestigten Plateau eine Figur, wie sie die Alten häufig in ihre Befestigungen hineinarbeiteten.

Die Ortsnamen

Neben den Spuren im Gelände beweisen auch die Ortsnamen einen vorgeschichtlichen Platz.

HEIDENSTATT belegt, daß frühere Generationen den Sporn richtig als eine alte befestigte Stätte erkannten.

Und am westlichen Fuß des Sporns von Heidenstatt findet sich der Flurname KASTEN. - Das deutsche Wort geht zurück auf das lateinische CASTELLUM = Burg. Eine Burg war auch eine Stadt und umgekehrt.

Der Platz von Heidenstatt war sicher ein befestigter vorgeschichtlicher Ort.

Die Figur in Heidenstatt

Der genaue Plan - das längliche Plateau mit den gewundenen Konturen, dann der eigenartig geformte sogenannte Hohlweg - offenbaren deutlich eine Tierfigur. Heraus springt ein Fischotter. Die spitze Schnauze und der mächtige Schwanz zeichnen sich im Gelände deutlich ab.

Der Abschnittswall könnte sogar die Schnauzhaare des Tiers andeuten - oder einen Fisch, den der Otter im Maul hält.

Der Fischotter kommt in Wappen vor, meistens mit einem Fisch in der Schnauze. Als Beispiel sei Männedorf im Kanton Zürich erwähnt (vergleiche die Abbildung).

Der Otter ist zuerst ein neapolitanisch-vesuvianisches Tier (OTTEN = TTM = TITUM, Titus). - Und weil er Fische fängt, galt er gleichzeitig als christliches Tier.

Doch auch der lateinische Name des Fischotters ist erhellend: LUTRAM, lutra = LTR. Heraus springt LUTHER oder LOTHAR. - Und wenn man die Konsonanten rückwärts liest (LTRM > MRTM), so ergibt sich Martyrium.

Das Wappen der Gemeinde Männedorf ZH: ein aufrecht schreitender Otter mit einem Fisch im Maul.


PS: Heidenstatt wird sowohl in der alten wie in der neuen Burgenkarte der Schweiz erwähnt und knapp beschrieben.