Gestelen bei Thalgut (Kirchdorf BE)

Ein merkwürdiges Erdwerk enträtselt sich als Geoglyphe.


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Gestelen wird auch behandelt in dem Buch:

Die Ursprünge Berns. Eine historische Heimatkunde Berns und des Bernbiets. Mit besonderer Berücksichtigung der Burgen und mit einem autobiographischen Anhang (2013)

Blick von Nordwesten auf das oberste Podium des Erdwerks Gestelen.

Aufnahme: Autor, 11.1979

Das Foto hat, gleich wie die anderen hier wiedergegebenen, dokumentarischen Wert: Durch die Lothar-Sturmschäden von Ende 1999 ist der Wald stark verändert worden. Die beiden Podien und ihre Umgebung sind heute arg verbuscht und mit dichtem Jungwuchs besetzt. - Deutlich ist auf dem Bild die Verschmälerung in Form eines Walls im Hintergrund zu erkennen.


Gestelen eine Erdzeichnung (Geoglyphe)

Das Erdwerk Gestelen liegt südlich des Landgasthofes Thalgut, über dem linken Ufer der Aare in der Gemeine Kirchdorf (Bern), halbwegs zwischen Bern und Thun.

In der alten Burgenkarte aus den 1980er Jahren ist Gestelen eingetragen. Es heißt dort:

Merkwürdige und nicht datierbare Wehranlage ca. 1200 m nordöstlich von Kirchdorf. Sichtbar: Wälle und Gräben im Gestelenwald.

In der sehr diskutablen neuen Burgenkarte von 2007 ist Gestelen nicht mehr eingetragen. Offenbar hat ein Gremium beschlossen, diesen Ort als zweifelhaft anzusehen.

Aber Gestelen ist deutlich ein vorgeschichtliches Erdwerk, auch wenn die Anlage und ihr Zweck teilweise unklar sind.

Planskizze des Erdwerks Gestelen (Kirchdorf BE): großes Podium (Mitte), flankiert im W und E von je einem Hohlweg; links oben das kleine Podium

Das zentrale Plateau (Flächenfärbung) hat im Norden ein paar auffällige Terrainbearbeitungen, besonders einen gewinkelten Wall mit abschüssigern Seiten gegen Osten. Auch das gebogene, schwanzförmige Ende im Süden, das bis in den Steilhang hineinreicht, ist bemerkenswert.

Planskizze: Autor, 10.2010


Gestelen BE: Das Erdwerk im LIDAR-Bild


Das Erdwerk Gestelen liegt am Nordabhang eines parallel zur linken Aareseite liegenden Plateaus. In das Terrain sind mehrere rinnenartige Gräben eingeschnitten. Diese kann man als Hohlwege ansprechen. Doch die zwei wichtigsten "Hohlwege" enden blind und sind als künstlich ausgekehlte Gräben anzusprechen, die ein längliches Plateau, ein Podium, vom umgebenden Terrain abtrennen.

Das zentrale Plateau ist fast künstlerisch geformt, mit einer unebenen Oberfläche und im Süden nicht durch einen Graben von der Böschung des Gestelen-Hügels abgetrennt. - Also handelt es sich nicht um einen Burghügel.

Am Süd-Ende hat das Plateau sogar eine schwanzförmige Fortsetzung und als Ende eine kleine Erdaufschüttung im Steilhang.

Auf halber Höhe zwischen dem zentralen Podium und der Höhe des Gestelen-Hügels befindet sich ein oberes Podium - kleiner als das untere. Dieses besteht gegen NW aus einem länglichen Hügel mit einem schwanzförmigen Wall als Fortsetzung gegen SE. - Das obere Podium ist von der Bergseite durch einen seichten Graben getrennt.

Merkwürdig sind die Terrainbearbeitungen am Nordende des zentralen Plateaus: Dort sieht man einen winkelförmigen Wall, der merkwürdigerweise gegen außen geöffnet ist. Und auf der Ostseite gibt es ein kleines tiefer gelegenes Plateau. - Diese Erdbearbeitungen machen fortifikatorisch keinen Sinn. Sie haben einen symbolischen oder künstlerischen Zweck gehabt - genauso wie die erwähnte Schwanzflosse des Plateaus im Süden.

Gestelen ist merkwürdig. Aber seit einigen Geländebegehungen kann man sicher sein: Das zentrale Plateau (und demzufolge auch das obere Plateau) stellt eine Figur, eine Erdzeichnung (Geoglyphe) dar.

Ebenfalls als eine Geoglphe ist zum Beispiel die rätselhafte Anlage von Pitor oder Pi Tord bei Marly (Freiburg) anzusehen.

Der Autor verweist auch auf die Ähnlichkeit mit dem Erdwerk auf dem Hübeliberg bei Bowil.

Die Figur, die in dem Plateau von Gestelen steckt, ist unterdessen auch von Bekannten des Autors erkannt worden: Es ist eindeutig ein Wasser-Lebewesen: ein Fisch, genauer gesagt ein Walfisch.

Einige ältere Fotos des Erdwerkes Gestelen

Der Autor hat Ende 1979 einige Bilder von Gestelen gemacht. Diese Fotos sind heute kostbare Dokumente. Denn der Bereich der Anlage - vor allem die beiden Podien - sind heute derart stark mit Jungwuchs bestanden, daß eine Übersicht sehr erschwert wird.

Blick von der Höhe des Gestelenwalds auf das obere Podium

Gegen Osten gerichteter Wall als südliche Fortsetzung des obersten Podiums. Ansicht von Süden. - Man beachte den noch heute sichtbaren Markstein.