Gestelen bei Thalgut (Kirchdorf BE)

Ein merkwürdiges Erdwerk enträtselt sich als Geoglyphe.

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Blick von Westen auf den Burghügel oder das Podium der Wehranlage Gestelen.

Aufnahme: Autor, 11.1979

Das Foto hat, gleich wie die anderen hier wiedergegebenen, dokumentarischen Wert: Durch die Lothar-Sturmschäden von Ende 1999 ist der Wald stark verändert worden. Besonders der Burghügel ist heute arg verbuscht und mit dichtem Jungwuchs besetzt. - Deutlich ist auf dem Bild die Verschmälerung des Podiums im Hintergrund zu erkennen, ebenso der obere Teil des zentralen Hohlwegs im Vordergrund.


Gestelen eine Erdzeichnung (Geoglyphe)

Das Erdwerk Gestelen liegt südlich des Landgasthofes Thalgut, über dem linken Ufer der Aare in der Gemeine Kirchdorf (Bern), halbwegs zwischen Bern und Thun.

In der alten Burgenkarte aus den 1980er Jahren ist Gestelen eingetragen. Es heißt dort:

Merkwürdige und nicht datierbare Wehranlage ca. 1200 m nordöstlich von Kirchdorf. Sichtbar: Wälle und Gräben im Gestelenwald.

In der sehr diskutablen neuen Burgenkarte von 2007 ist Gestelen nicht mehr eingetragen. Offenbar hat ein Gremium beschlossen, diesen Ort als zweifelhaft anzusehen.

Aber Gestelen ist deutlich ein vorgeschichtliches Erdwerk, auch wenn die Anlage und ihr wahrscheinlicher Zweck teilweise unklar sind.

Plan von Gestelen (Kirchdorf BE)

Der Plan beruht auf den heutigen Befunden, versucht aber anderseits auch das ursprüngliche Aussehen zu rekonstruieren.

Modern sind die Strasse Kirchdorf - Thalgut (dunkel) und die Waldstrasse (hell).

Die Hohlwege sind gestrichelt dargestellt.

Das zentrale Plateau (Flächenfärbung) hat im Norden ein paar auffällige Terrainbearbeitungen, besonders einen gewinkelten Wall.


Das Erdwerk Gestelen liegt am Nordabhang eines parallel zur linken Aareseite liegenden Plateaus. In das Terrain sind mehrere rinnenartige Gräben - eigentliche Hohlwege - eingeschnitten. Der größte Graben verläuft bogenförmig von Norden in Richtung Südosten und formt ein längliches kellenförmiges Plateau oder Burghügel. Das Plateau ist jedoch gegen Süden nicht durch einen Graben abgetrennt. Diese Eigentümlichkeit und die Tatsache, daß das Podium von der Höhe des Hügels einsehbar ist, lassen vermuten, daß es sich hier nicht um eine Burg zur Rundumverteidigung, sondern um eine gegen Norden gerichtete Wehranlage, eine Wegsperre handelte.

Merkwürdig sind die Terrainbearbeitungen am Nordende des zentralen Plateaus: Dort sieht man einen winkelförmigen Wall, der merkwürdigerweise gegen außen geöffnet ist. Und auf der Ostseite gibt es ein kleines tiefer gelegenes Plateau.

Rechts unterhalb des Podiums findet sich ein zweiter, kleinerer Hohlweg, der gegen Süden blind endet.

Links des zentralen Hohlweges, neben der heutigen Autostrasse, sind zwei weitere Einschnitte festzustellen.

Im Nordosten des zentrale Podiums - nach dem zweiten kleineren Hohlweg, der blind endet, gab es vor der Anlage der Waldstrasse wohl ein zweites, niedrigeres Plateau, das einen erhaltenen fingerförmigen Fortsatz nach Norden besaß.

Gestelen ist merkwürdig. Aber seit einigen Geländebegehungen bin ich mir sicher: Das zentrale Plateau stellt eine Figur, eine Erdzeichnung (Geoglyphe) dar.

Ebenfalls als eine Geoglphe habe ich vor kurzem die rätselhafte Anlage von Pitor oder Pi Tord bei Marly (Freiburg) erkannt.

Der Autor verweist auch auf die Ähnlichkeit mit der Wehranlage Hübeli bei Steinen im Emmental: Auch dort ist die Anlage in den Abhang eines Hügels eingearbeitet. Dieses Erdwerk bestand aus zwei Burghügeln mit je einem nach Westen vorgelagerten Schildwall. Zwischen diese beiden Erdwerke führte ein alter Hohlweg hindurch, von dem sich auch im offenen Gelände noch deutliche Spuren erhalten haben.

Endlich spricht der Ortsname für eine alte Anlage. Mit der vesuvianischen Ortsnamengebung der Schweiz und Europas wird die Bezeichnung einsichtig: GESTELEN bedeutet CASTELLUM = Burg.

Einige ältere Fotos des Erdwerkes Gestelen

Der Autor hat Ende 1979 einige Bilder von Gestelen gemacht. Diese Fotos sind heute kostbare Dokumente. Denn der Bereich der engeren Anlage - vor allem das zentrale Podium und der größere Hohlweg - sind heute derart mit Jungwuchs bestanden, daß eine Übersicht sehr erschwert wird.

Das zentrale Podium von Westen

 Im Vordergrund der größere Hohlweg.

Deutlich ist auf dem Foto im Hintergrund zu erkennen, daß das Podium gegen den Abhang des Hügels im Süden nicht abgetrennt ist.

Blick von der Höhe des Gestelenwaldes auf das Podium. Ansicht von Süden

Gegen Osten gerichteter kleiner Abschlußwall auf dem Podium. Ansicht von Süden.