Griechenland ohne Säulen

So hiess ein in den 1950er Jahren erschienenes Buch von Johannes Gaitanides. Dieses behandelte die Nachkriegsgeschichte Griechenlands und den Bürgerkrieg.

Doch auch heute ist Griechenland wieder vermehrt in den Medien: Der Mittelmeerstaat hat nämlich lange Zeit über seine Verhältnisse gelebt, ist deshalb Pleite und wird nur noch von der internationalen Gemeinschaft am Leben erhalten.

Aber das moderne Griechenland hat nichts mit dem alten zu tun. - Mehr noch: Unsere Vorstellungen von einem klassischen Griechenland vor mehr als 2000 Jahren sind eine Chimäre.


Die größte Fälschung in der Geschichte der Menschheit ist die Geschichte der Menschheit", so der Mathematiker und Geschichtsanalytiker Eugen Gabowitsch. Mit dieser Ansicht steht er nicht allein. Eine Schar Kritiker hat sich aufgemacht, unser modernes Geschichtsbild zurechtzurücken. Ihre kühne These: Große Teile der "Historie"' entstanden erst zu Beginn der Renaissance und im Barock: In jener Zeit wurde das Altertum und das Mittelalter erfunden: Urkunden wurden aufgesetzt, Abschriften erstellt, Ereignisse rückdatiert. Wie, wann und aus welchen Motiven, erfahren Sie in diesem Beitrag.


Vorbemerkung

Der vorliegende Text ist eine Bearbeitung des Autors eines Artikels, der in der Zeitschrift ZEITGEIST, 2004, 1, Seite 20 -23 erschienen ist. - Die Publikation auf dieser Webseite erfolgte im Einverständnis mit dem inzwischen verstorbenen Autor.

Vgl. auch die eigenen

Thesen zur Geschichts- und Chronologiekritik (2009)


Eugen Gabowitsch (1938 - 2009)

Das Altertum – eine Erfindung der Renaissance?


Vgl. auch die Rezension des Buches von Eugen Gabowitsch:

Die Geschichte auf dem Prüfstand


Ansicht der Akropolis auf einer Photographie von ca. 1865, vom Autor koloriert

Der berühmte "antike" Hügel hatte damals noch ein teilweise anderes Aussehen: Vor allem stand in den Propyläen noch der mächtige sogenannte Frankenturm, den Schliemann in den 1870er Jahren als "unantik" abreissen liess.


Der berühmte Parthenon auf der Akropolis von Athen

Wurde das Bauwerk als heidnischer Tempel in der "Antike" oder als christliche Kathedrale im "Mittelalter" erbaut?

Nach Ansicht von CP ist der Parthenon vielleicht vor etwa 300 Jahren errichtet worden.  - Ebenfalls sind die im Text unten genannten Datumsangaben auf diesen Zeithorizont zurückzunehmen.

Abbildung aus: Lambert Schneider: Die Akropolis von Athen; Darmstadt 2001, S. 7


Geschichte wird uns an den Hochschulen im Allgemeinen als Faktum präsentiert: So und nicht anders ist es früher gewesen. Wir lernen, daß es verschiedene Epochen gab: die Vorzeit, das Altertum, das Mittelalter und schließlich die Neuzeit, in der wir heute leben und die in etwa mit der Renaissance (französisch: Wiedergeburt, gemeint ist die Wiedergeburt der Antike) begann. Es herrscht der Glaube vor, man wisse bestens Bescheid über vergangene Geschehnisse und deren zeitliche Abfolge. Gut, die Übergänge stehen nicht genau fest, und auch einige Lücken wie "Dunkle Zeitalter" (z.B. in der griechischen Antike oder im Mittelalter) gesteht man sich zu. Tatsächlich steht das Wissen um unsere Geschichtsschreibung jedoch auf gänzlich unsicherem Grund. Denn Historiker sind in erster Linie Philologen, die Analysen historischer Texte durchführen. Archäologie wird von ihnen bloß als Hilfswissenschaft betrachtet. Mit anderen Worten: Die heute gelehrte Geschichte beschreibt nicht die Vergangenheit selbst, sondern lediglich unsere Vorstellung davon.

Untersucht man z. B. überlieferte Quellen des Mittelalters, stellt man erstaunt fest, daß damals überhaupt noch nichts über das Altertum bekannt war. Keine Urkunde, kein literarisches Kunstwerk belegte die Existenz der so genannten klassischen Antike. Dies läßt die ketzerische Frage aufkommen, ob es überhaupt jemals die klassische Antike gab oder ob sie eine Erfindung der Renaissance ist, die dann von Schöngeistern des 18. und Professoren des 19. Jh. in die uns heute bekannte Form gebracht wurde. Sind dann Alexander der Große, Hannibal, Julius Cäsar, aber auch Karl der Große oder Iwan der Schreckliche womöglich nur Sagen-Gestalten? Und wie verhält es sich mit der Einteilung nach Epochen? Sind sie überhaupt gerechtfertigt oder nur Fiktionen der neueren Geschichtsschreibung?