Freiburger Künstler im 16. Jahrhundert? - Anmerkungen zu einer Neuausstellung alter Freiburger Kunst

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Freiburg - Fribourg: Tapferkeitsbrunnen (Fontaine de la vaillance) neben dem Chor der Kathedrale

Foto: Autor, 14.7.2004


Die Brunnenfigur des Kriegers mit dem Löwen zu seinen Füssen wird einem "Hans Gieng" zugeschrieben und mit "1548 AD" datiert.

Aus chronologiekritischen Überlegungen ist das Kunstwerk und der Brunnen aber erst etwa um 1700 glaubwürdig.

Wie alle alten Brunnenfiguren in der Stadt, so ist auch die Personifikation der Tapferkeit heute durch eine Kopie ersetzt.


Das Museum für Kunst und Geschichte in Freiburg hat 2004 seine Räume neu eingerichtet.

Bei dieser Gelegenheit machte anfangs Juli 2004 die Kunsthistorikerin Verena Villiger gegenüber der Presse einige Bemerkungen über die Freiburger Künstler des "16. Jahrhunderts":

Frau Villiger sieht das reiche künstlerische Schaffen im alten Freiburg und nennt neben Hans Fries die Namen Martin Gramp, Hans Geiler, Hand Roditzer, Hans Gieng, Wilhelm Ziegler und Hans Boden.

Doch trotz archivalischen Dokumenten ließen sich die wenigsten Werke zeitlich einordnen. Auch die Zuschreibungen seien in vielen Fällen höchst fragwürdig.

Sicher ist bei diesen Künstlern nur die Stilepoche der Spätgotik.

Verena Villiger nun hofft, in Zusammenarbeit mit der örtlichen Universität und dem kantonalen Kulturgüterdienst die Werke der alten Freiburger Künstler in der nächsten Zeit besser bestimmen zu können.

Was ist hier anzumerken?

Zuerst sind die erwähnten Künstler sicher der Spätgotik zuzuweisen.

Und die religiöse Thematik, die in diesen Werken vorherrscht, steht sicher auf dem Hintergrund einer religiösen Zeitenwende. - Verena Villiger veröffentlichte 2002 eine Monographie über den Maler Hans Fries unter dem richtigen Titel Hans Fries - ein Maler der Zeitenwende.

Für ein richtiges Verständnis dieser Künstler taugen jedoch weder die Universität noch andere staatliche Wissenschafts-Bürokratien. Diese bringen nur die alte Leier der erfundenen Geschichte ("Altertum", "Mittelalter", "Reformation") mit ihren absurden Zeitstellungen.

Aus der Sicht der Geschichts- und Chronologiekritik lassen sich gleichwohl ein paar Fingerzeige für eine neue Verortung der Freiburger Künstler geben.

Da die Gotik erst im 18. Jahrhundert begonnen hat, so ist die Spätgotik um 1760 zu suchen.

Und da es keine Reformation gegeben hat, sondern eine Glaubensspaltung, so ist die religiöse Zeitenwende ebenfalls im genannten 18. Jahrhundert zu suchen. Anders gesagt: Die Spätgotik entspricht der Zeitenwende der Glaubensspaltung.

Die alten Freiburger Künstler entsprechen in Ungefähr den spätgotischen Bildhauern, welche den Berner Skulpturenfund schufen. - Im Unterschied zu Bern wurde die religiöse Kunst in Freiburg aber nicht zerstört, sondern blieb erhalten - allerdings mit häufig falschen Zuschreibungen. Und alle alten Maler und Bildhauer wurden systematisch falsch datiert und rückdatiert. Dabei wurden auch umfangreiche Archivalien hergestellt, die historisches Wissen vorgaukeln.

Besonders die Brunnenfiguren zeigen, daß diese erst etwa um 1760/1770 entstanden sein können.

Und der in Freiburg, aber auch in Bern, vertretener Bildhauer Hans Gieng stellt sicher eine Kunstfigur dar, hinter dem sich vielleicht eine ganze Künstlerwerkstatt verbirgt.