Überall in meinen Schriften weise ich auf die Probleme der historischen Chronologie hin. - Einfacher ausgedrückt: Weiter als vielleicht dreihundert Jahren vor heute ist kein Ereignis mehr inhaltlich und zeitlich sicher. Und vor allem haben wir keine Möglichkeit, Bauten, Artefakte und Ereignisse der Vorzeit zu datieren. Wir können nur Mutmaßungen und Schätzungen anstellen. - Aber auch diese werden nach ein einer gewissen Zeit - wenn sie älter sind als vielleicht fünfhundert Jahren vor heute - problematisch und widersinnig.

Die offizielle Geschichtswissenschaft will von den chronologischen Problemen nichts wissen. Weiterhin versucht eine hochbezahlte Riege von staatlichen Wissenschaftspropagandisten dem Publikum weiszumachen, daß wir auch über weit entfernte Zeiten angeblich sehr gut Bescheid wissen. - Und vor allem hätten wir genaue Datumsangaben.

Freiburger Wissenschafter und Politiker folgen wie überall blind den vorgegebenen und vorgekauten Jahrzahlen. Ein paar aktuelle Beispiele aus der heimatlichen Geschichte beweisen dies:

Heute, im Jahre des Herrn 2005, sind schon Vorbereitungen im Gange, das 850-jährige Jubiläum der Stadtgründung zu feiern. - Wer wagt heute noch einen solchen Unsinn zu glauben?

Nichts desto weniger sollen für den Anlaß "850 Jahre Freiburg" zwei Millionen Franken locker gemacht werden.

Ebenfalls in diesem Jahre feierte das Nonnenkloster Magere Au (Maigrauge) sein angeblich 750-jähriges Bestehen. - Wenn die Verantwortlichen nur etwas Verstand hätten, würden sie feststellen, daß man dieser geistlichen Stätte höchstens 350 Jahre zubilligen kann.

Die Freiburger Kathedrale birgt in seinem Turm alte Glocken. Die älteste, mit einem Gewicht von sage und schreibe 1, 7 Tonnen, soll heuer genau 500 Jahre alt werden: Eine Inschrift an dem Klangkörper nennt nämlich als Herstellungsdatum Anno Domini 1505. - Wer zum Teufel soll vor 500 Jahren fähig gewesen sein, solche gewaltige Massen Metall zu gießen? - Und die heute christliche Religion bestand damals nicht einmal in Ansätzen.

Das letztere Beispiel, die Kathedrale, beschäftigt uns auch im nächsten Kapitel.

Die Kathedrale ist das bedeutendste Bauwerk der Stadt Freiburg; ihr 76 m hoher Turm bildet ein weithin sichtbares Wahrzeichen.

Das Gotteshaus ist im gotischen Stil errichtet und wurde im Burg-Quartier (quartier du Bourg) angelegt, das als ältester Teil der Stadt gilt. – Man möchte meinen, dies sei der Platz eines gallorömischen Oppidums. – Auf jeden Fall ist auch Freiburg sowenig wie Bern eine Gründung auf wilder Wurzel. – Und die „Zähringer" als Gründerherren ist erfundene Geschichte, die man glatt vergessen kann.

Man hat den Eindruck, dieses Münster sei nachträglich in die Stadtstruktur eingefügt, fast eingezwängt worden. Das ist plausibel, weil die Gotik ein junger Baustil ist, der sich erst gegen 1600 AD entwickelte.

Die alte Stadtkirche lag wohl nicht im Burg-Quartier, sondern gleich jenseits des alten Stadtgrabens, des Grabensaal. Es ist die noch heute erhaltene Kirche Notre-Dame – keine 200 m Luftlinie vom Portal der Kathedrale entfernt. – Das alte Gotteshaus wurde ursprünglich im romanischen Stil erbaut. Trotz den vielen An- und Umbauten und Renovationen ist dies heute noch sichtbar.

Notre-Dame ist älter als die Kathedrale. Doch man überschätze die zeitliche Distanz nicht. Ich würde meinen, zwischen den beiden Kirchen liegen einige Jahrzehnte. – Zu einer gewissen Zeit machten die europäischen Städte in kürzester Zeit große Veränderungen durch.

Der Erkenntnis, daß unsere heutigen Städte viel jünger sind als angenommen, steht die offizielle Geschichte und Kunstgeschichte gegenüber. Diese verläßt sich auf die Datierungen der Geschichtsbücher und die Chronologie, die uns schon in der Schule eingehämmert ist. – Daraus ergeben sich unmögliche Zeitstellungen, die den Geschichtskritiker und den gesunden Menschenverstand herausfordern.

Also ist am Eingangsportal der Kathedrale von Freiburg eine Tafel angebracht, die Folgendes sagt:

Bauzeit der Kirche: 1283 – 1490 (!)

Bau des Chors 1630

Hat denn niemand auch nur ein Fünkchen Verstand aufgebracht und erkannt, daß diese Datierungen absurd sind? Während über zwei Jahrhunderten soll man also in einem sagenhaften „Mittelalter" an einem Bauwerk gearbeitet haben. Dabei wirkt dieses Münster in Stil und Ausführung einheitlich und muß demzufolge innert wenigen Jahrzehnten hochgezogen sein.

Und da die Gotik, wie gesagt, erst gegen 1600 aufgekommen ist, so kann man eine Entstehungszeit bis etwa 1630 annehmen. – Diese wird auch durch die offizielle Datierung bestätigt, welche den Chor auf etwa 1630 ansetzt. – Aber nicht nur der Chor, das ganze Münster ist vielleicht um diese Zeit beendet worden. – Es gibt keinen Grund, die einheitliche Entstehung des Baus zeitlich auseinanderzureißen.

Die offizielle Datierung ist aus zweierlei Gründen Stumpfsinn: Erstens läßt sie eine Gemeinschaft Jahrhunderte an einem Bauwerk arbeiten, nur weil die Gelehrten stur den absurden Zeitstellungen folgen.

Dann wäre gemäß den offiziellen Zeitangaben zwischen der Vollendung des Münsters und dem Bau des Chors eine zeitliche Lücke von 140 Jahren. Haben die Bürger während so langer Zeit in einer Kirche gebetet, die gegen Osten statt einer Apsis ein riesiges Loch hatte?

Die unmögliche Datierung der Freiburger Kathedrale beweist, daß die offiziellen Wissenschafter meistens nichts überlegen, sondern nur abschreiben, was in den Büchern steht, und nachplappern, was ein Professor darüber meint.

Die Entwicklung von der Vorgeschichte zur Geschichte muß neu überlegt werden – sowohl inhaltlich wie zeitlich.