Font (Kanton Freiburg): eine verschwundene Burg auf einem Felsen von außergewöhnlicher Form: einem Schiff

Font (canton de Fribourg): un château disparu avec un rocher d'une forme extraordinaire: un vaisseau


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Font FR: Ansicht des Burgfelsens, des Wohnschlosses und der Kirche von Südosten

Foto: Autor, 19.6.2013


Font FR: Ansicht des Burgfelsens und des Wohnschlosses von SE

Foto: Autor, 19.6.2013


Die Lage

Font ist ein kleines Dorf, etwa 2,5 km südwestlich von Estavayer-le-Lac (Stäffis am See) im Kanton Freiburg und gehört zur Gemeinde Châbles. Etwa 500 Meter westlich des Dorfs liegt die alte Kirche von Font und westlich davon, durch einen Wegeinschnitt getrennt, ein Wohnschloss des späten 18. Jahrhunderts. Dieses hat mit seinem Garten und von Mauern umgebenen Weinberg als Abschluss gegen den Steilabsturz zum Ufer des Neuenburgersees einen länglichen, teilweise zehn Meter hohen markanten Felsen. Die Felsrippe zieht sich von Châbles in südöstlicher Richtung bis Font.

Die verschwundene Burg

Font war eine alte Burg. Diese lag offenbar auf dem Burgfelsen, umfaßte aber auch östlich anliegende Teile bis zur Eintiefung zwischen dem heutigen Wohnschloß und der Kirche. Doch Genaueres läßt sich über die ursprüngliche Burganlage nicht mehr sagen. Die Spuren sind verwischt. 1997/98 soll es archäologische Untersuchungen auf dem Areal gegeben haben. Doch Berichte über Erkenntnisse liegen nicht vor.

Da nichts mehr vorhanden ist, halten sich alle Kommentatoren an die erfundene Geschichte der Burg Font: Diese soll 1011 AD (!) gegründet und von den Eidgenossen "1475" zerstört worden sein. - Absurd!

Der Burgfelsen und seine außergewöhnliche Form

Font FR: Der Burgfelsen in einer Aufnahme von 1936

aus: Heribert Reiners: Die Burgen und Schlösser des Kantons Freiburg, Teil 1, Basel 1937, 73

Da der südwestliche Teil des Burgfelsens damals von Bewuchs frei war, tritt die Schiffsform des Felsens hier überdeutlich hervor. - Sogar Schiffsschnäbel (lateinisch: rostra) sind links zu erkennen.


Font FR: Detailaufnahme des Bugs des Burgfelsens

Foto und Bearbeitung: Autor

Das Laubwerk zur Linken ist auf dieser Aufnahme teilweise wegretouchiert worden, um die Form des Bugs mit seinen Schnäbeln deutlicher hervortreten zu lassen.

Da der Felsen im welschen Teil der Schweiz liegt, sollen hier die französischen Ausdrücke für dargestellten Felsformen angefügt werden:

ein Vorderdeck: une proue

ein Schiffsbug: un gaillard d'avant

ein Schiffs-Schnabel: un éperon

Schiffs-Schnabel auf lateinisch: rostrum (Plural: rostra)


Seit über fünfzig Jahren kennt der Autor die Aufnahme von Font aus dem Freiburger Burgenbuch von Reiners (siehe Abbildung oben). Und schon damals hat er spontan gedacht: Aber dieser Felsen stellt doch ein Schiff mit einem besonders gestalteten Schiffsbug dar!

Seitdem der Autor sich mit Figuren in Burgengrundrissen, Stadtplänen und mit gestalteten Felsformen, etwa Felstorbogen befasst, ist die Einsicht evident:

Der Burgfelsen von Font stellt einen Schiffsrumpf dar. Dabei bildet das südwestliche Ende des Felssporns einen deutlichen Bug, dessen Eindruck durch drei, mehrere Meter waagrecht herausragende Felsschnäbel verstärkt wird.

Die Etymologie des Ortsnamens FONT bestätigt die Figur: Der Name geht auf lateinisch PONTUM, pontus = See, Meer zurück. 

Die ganze Felsrippe ist künstlich bearbeitet worden. An der Südostseite zeigen mehrere Eintiefungen in den Felsen an, dass Konstruktionen an die Rippe angelehnt waren.

Auch das nach SE gerichtete Vorgelände des Felsens, der heute mit Reben bepflanzt und von einer hohen Stützmauer eingefasst ist, verstärkt die Schiffsform. . Diese war jedoch nur gegen SE zu sehen. Das Schiff sollte also bei der Ansicht von SE sichtbar sein, nicht von der Seeseite her.

Bei der überdeutlichen Schiffsform des Felsens und der Bug-Form des Südostendes fragt man sich erneut: Weshalb hat dies bisher niemand offen ausgedrückt? - Sind wir alle zu verbildet, um zu sagen, was wir fühlen?