Steinbrüche oder keltische Denkmäler?

Merkwürdige Felsaufbrüche oder Felsportale rund um Bern: Teufelsküche, Sodfluh, Lindenfeld, Wünnewil, Gäbelbach


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Über die Felsportale vgl. auch das Buch Die Ursprünge Berns (2013)


Einleitung

Vorgeschichtliche Spuren entdeckt man durch eine genaue Betrachtung der Landschaft. Dabei zeigt sich, daß dort noch heute Denkmäler zu finden sind, welche man übersieht, weil man sie für jung hält. So sind dem Autor seit langem in der Umgebung von Bern mehrere alte "Steinbrüche" aufgefallen.

Diese "Steinbrüche" sind alle sehr klein. Es sind rechteckige Auskerbungen aus Felswänden oder steilen, felsigen Abhängen. Die Breite der Rückwand beträgt häufig nur etwa 4.5 Meter und die Tiefe höchstens zehn bis zwölf Meter. Die Sohle dieser Ausbrüche ist teilweise meterhoch mit Erde und Sand bedeckt und verfälscht so das ursprüngliche Erscheinungsbild.

Eine genauere Betrachtung der Eigentümlichkeiten dieser Steinbrüche zeigt, daß diese kaum der Gewinnung von Baumaterial gedient hatten. Die Ausbeute aus diesen bescheidenen Gevierten wäre zu gering gewesen. Zudem liegen diese merkwürdigen Felsportale selten an gut zugänglicher Stellen, sondern häufig an unzugänglichen Orten.

Die Teufelsküche im Grauholz (Bolligen BE)

La Cuisine du diable

Hell's kitchen

Koordinaten: 604'080/204'955


Aktuelle Ergänzung: Eine Sage von der Teufelsküche wird in die Neuausgabe von J.R. Wyss; Der Abend zu Geristein (2016) eingefügt.


Ein schönes Beispiel solcher Felsaufbrüche oder Felsportale ist die sogenannte Teufelsküche (im Dialekt Tüfels-Chucheli genannt) am Nordwestabhang des Grauholzberges nordöstlich von Bern. Das Objekt findet sich nordöstlich des Forsthauses, unmittelbar nach der ersten Spitzkehre des Fahrwegs nach Habstetten. Der Abhang trägt übrigens den Namen Kaiserstuhl.

Die Teufelsküche im Grauholz (Bolligen BE)

Foto: Autor, 27.6.2016

Rechts erkennt man einen Absatz, der den Aufbruch gegen außen um ca. 30 cm verbreitert.

Der Stolleneingang ist auf dem Bild knapp zu erkennen.


Die sogenannte Teufelsküche am Grauholzberg, 7 km nordöstlich von Bern

Auf dem Bild ist der Eingang des Stollens zu sehen.

Foto: Autor, 5.2013


Die Teufelsküche im Grauholz

Foto: Autor, 11.1997


Das imposante Felsportal hat eine Ausrichtung gegen Nordwesten und eine Sohle, die etwa 5 Meter in den Felsen hinein reicht. Die Rückwand ist ungefähr 8 Meter hoch und 2.7  Meter breit. Nach einem Absatz auf der linken Seite (von innen gesehen) verbreitert sich der Aufbruch auf drei Meter. Von vorne gesehen sieht der Ausbruch aus wie der schön gearbeitete Abzug eines Kamins. Von daher stammt auch die volkstümliche Bezeichnung Teufelsküche.

Merkwürdig ist bei obiger Anlage ein etwa 17 Meter langer und ursprünglich etwa 1.6 Meter hoher unterirdischer Gang, der am Fusse der Rückwand geradewegs in den Berg hineingetrieben wurde und blind endet.

Ist die Teufelsküche ein keltisches Monument oder ein alter Steinbruch?

Zur Teufelsküche gibt es Aufzeichnungen aus dem 18. Jahrhundert: Damals habe ein Bauhandwerker aus Jegenstorf von der Berner Regierung die Erlaubnis bekommen, in der Gegend der Wyssen Fluh, wie die Gegend damals hieß, eine Steingewinnung zu eröffnen. Aber es hätte sich herausgestellt, daß das dortige Gestein nicht abbauwürdig sei (Mitteilungen aus: Karl Ludwig Schmalz, Ortsführer Bolligen, 1985, 43).

Diese Mitteilungen sind unglaubwürdig. Die Teufelsküche ist älter, stellt ein vorgeschichtliches Monument dar.

Die Daten der vom Autor entdeckten keltischen Landvermessung liefern die Beweise. Vgl. hierzu den Artikel Das Doppelquadrat von Bern.

Zum Beispiel liegt die Teufelsküche auf einer Ost-West-Achse, auf welcher im Westen der Menhir Bottis Grab liegt. Dieser Stein wurde anfangs der 1960er Jahre versetzt, da er in das Trassee der Autobahn zu liegen kam. Heute kann man ihn gleich daneben (linkerhand gegen Norden) besichtigen. 

Der Sage nach soll dieser Menhir das Grab des Riesen Botti sein.

Die Teufelsküche im Grauholz liegt auch auf einer Ost-West-Achse mit dem Sod der Burgstelle Liebefels auf der Sodfluh bei Hub (Krauchthal).

Außerdem liegt die Teufelsküche auf einer Sonnenwendlinie von 126° SE/306° NW, welche die beiden Höhenburgen Bantiger und die Knebelburg auf dem Jensberg bei Biel verbindet und genau 11 keltische Meilen (Leugen) mißt. - Die Rückwand des Felsportals im Grauholz folgt jener Orientierung.

Die Teufelsküche muß eine besondere Bedeutung besessen haben. Man kann mutmaßen, daß in dieser Felsnische ein hohes, von weitem sichtbares hölzernes Götzenbild stand (vergleiche die Abbildung unten). Solche hat man an einigen Orten, etwa im Genfersee und im Neuenburgersee gefunden.

Eine solche Figur könnte als Kimme einer Visur gedient haben.

Von der Arena auf der Engehalbinsel war die Teufelsküche am Horizont zu sehen. Die Rechnung zeigt, daß die beiden Monumente in einem Himmelswinkel von 54° zueinander stehen. - Dieser bedeutet den tatsächlichen Sonnenaufgang zur Zeit der Sommer-Sonnenwende. Anders gesagt konnte man von der Arena aus in alter Zeit im NE genau am Horizont des Grauholzberges an der Stelle der Teufelsküche die aufgehende Sonne beobachten.

Vielleicht wegen der Beobachtung von der Arena aus hat der Felsaufbruch einen Absatz gegen jene Richtung.

Die Teufelsküche am Grauholzberg ist also eine eindrucksvolle Anlage aus keltischer Zeit.

Der erwähnte merkwürdige Stollen, der von der Rückwand der Teufelsküche in den Fels führt, scheint späteren Datums zu sein. Vielleicht ist er ein Schatzgräberstollen aus dem 19. Jahrhundert.

Der Stollen würde bedeuten, daß die ursprüngliche Sohle des Felsportals höher gelegen hat.


Die Erdburg auf dem Grauholz-Berg

Unbedingt zu erwähnen ist die Nähe der Teufelsküche zur Erdburg Grauholz: Diese liegt auf einem Grat östlich oberhalb des Felsaufbruchs. Die Entfernung beträgt in Luftlinie 250 m

Die Erdburg Grauholz liegt auf einem nach Nord-Nordwesten gerichteten Sporn des Grauholz-Bergs. Die Wehranlage ist vom Sporn durch einen breiten, etwa 30 Meter langen Graben getrennt (Abbildung). Das Burgplateau bildet ein Dreieck mit einer Länge von etwa 28 Metern bis zum Vermessungsstein Punkt 770 auf der Landeskarte.

Der nördliche spitze Teil des Plateau ist einen halben Meter tiefer und hatte in seiner Mitte wahrscheinlich einen Sod.

Das Objekt war immer eine Erdburg geblieben. Mauerspuren sind keine nachweisbar.

Auf den Karten ist die Örtlichkeit teils als Burg, teils als Chutzen vermerkt: Von der erhöhten, aussichtsreichen Lage würde sich die Erdburg Grauholz als Standort einer Hochwacht anerboten haben.

Und nochmals sei hier eine kapitale Eigentümlichkeit der alten Landvermessung aufgeführt, in welche die Erdburg Grauholz eingebettet ist:

Der (heute versetzte) Menhir Bottis Grab, die Teufelsküche im Grauholz, der Halsgraben der Erdburg Grauholz und der Sod auf der Burgstelle Liebefels bei Hub liegen alle auf einer Ost-West-Linie. - Das ist kein Zufall, sondern Absicht.

Hier eine Rechnung:

Menhir Bottis Grab (ursprünglicher Standort) - Burg Liebefels, Sod:

269,93°

4213 Meter

1,89 Leugen (keltische Meilen)

Erdburg Grauholz: Sicht auf den Halsgraben von Süden her

Foto: Autor, 13.5.2013


Erdburg Grauholz: Blick von Norden auf die Spitze des Burgplateaus

In der Bildmitte kann ein ehemaliger Sod vermutet werden.

Foto: Autor, 13.5.2013


Lindenfeld bei Krauchthal

Südlich des Thorbergs bei Krauchthal findet sich der Felsaufbruch Lindenfeld. Diese Anlage befindet sich knapp oberhalb der östlichen Talsohle des Lindentals am Eingang eines Waldtals (vergleiche das Foto). Südlich davon beginnt die markante Felswand der Geismeflüh (Geismundflüh).

Felsaufbruch Lindenfeld im Lindental südlich von Thorberg und Krauchthal (Kanton Bern)

Koordinaten: 609'120/205'390

Foto: Autor, 2000

Das Felsportal ist unterdessen (2016) vollkommen zugewachsen.


Der Felsaufbruch Lindenfeld ist in eine Felswand des sogenannten Gurten-Hogers hineingetrieben und zeigt mit seinen drei Seiten genaue Orientierungen gemäß der keltischen Landvermessung. An den Wänden lassen sich noch Widerlager für Balkenkonstruktionen erkennen. - Zu einer gewissen Zeit wurde der Aufbruch also durch ein Dach geschützt.

Das Felsportal ist heute leider arg verwachsen und nur mit Mühe zu erreichen, obwohl es fast auf dem Talboden liegt.

Oberhalb von Lindenfeld liegt der markante steile und teilweise felsige Sporn des Tannstygli (Tannstigli). Dies soll eine Erdburg gewesen sein. Aber ich sehe dort einen Kultort mit einer Fels-Skulptur - wahrscheinlich dem Kopf eines Lindwurms.

Lindenfeld muß ebenfalls keltisch sein. Die Anlage paßt hervorragend in das alte Vermessungssystem. Der Felsaufbruch liegt auf einer Linie von 42° NE, die sich von der Höhenburg La Feyla bei Le Mouret FR bis zur Höhenburg Gysnaufluh bei Burgdorf nachweisen lässt.

Und im Lindental existiert auch eine Sage, welche von einer Felsnische in der Geismeflüh spricht. Darin soll zu heidnischen Zeiten ein Götzenbild gestanden haben. - An dieser Fluh gibt es keine Nische. Aber das Felsportal Lindenfeld liegt nur fünfzig Meter weiter nördlich. - Und Sagen enthalten oft mehr Wahrheit als die gedruckte und gelehrte Geschichte.

Der Felsaufbruch auf der Sodfluh bei Hub (Krauchthal)

Den rätselhaften Felsaufbruch bei der Erdburg Liebefels auf der Sodfluh südlich von Hub bei Krauchthal behandelt der Autor im Rahmen der Burgenforschung: Die Burg Liebefels auf der Sodfluh bei Hub (Krauchthal).

Das Felsportal am Südrand der Burgstelle Liebefels im Laufental bei Hub (Krauchthal BE). Ansicht von Südwesten.

Koordinaten: 607'750/204'935

Foto: Autor, 24.11.2012


Zum Felsaufbruch Liebefels hier nur so viel: Das Monument liegt auf der gleichen Ost-West-Linie, auf welcher sich auch die Teufelsküche im Grauholz und der Menhir Bottis Grab im Grauholzwald befindet. - Ein solches Alignement kann nicht zufällig sein.

Das Portal von Liebefels stellt im Plan der Burganlage den westlichen Teil des südlichen Grabens dar. Die Rückwand der Anlage bildet eine Schmalseite der alten Zugangsrampe zur Burg.

Wünnewil FR

Felsaufbruch bei Wünnewil (Kanton Freiburg)

Koordinaten: 589'200/191'850

Photo: Autor, 2002


Das Portal von Wünnewil im Kanton Freiburg liegt im NE der Ortschaft, auf der rechten Seite des Tafersbaches (Taverna), in einem Felsband, das sich längs des Eisenbahntrassees hinzieht und von diesem durch einen Fahrweg getrennt ist (Aufnahme). - Die Breite der Rückwand beträgt hier etwa acht Meter. - Auch bei diesem Monument muß man an eine vorgeschichtliche Entstehung denken.

Gäbelbach (Bern-Bümpliz)

Das Felsportal im Gäbelbach im Westen der Stadt Bern

Foto: Autor, 11.2005


Der Felsaufbruch Gäbelbach liegt am linken Ufer des gleichnamigen Gewässers und ist in einen kleinen frei liegenden Felsaufschluß getrieben (Koordinaten: 595340/200260) (vgl. den Plan).

Die Dimensionen des Portals im Gäbelbach sind ungefähr die gleichen wie bei den anderen: Länge der Rückwand 6 m, Höhe der Rückwand 5 m, Länge der Schmalseiten: je 5 m (alles ungefähre Werte). 

Die gute Erhaltung der Anlage verdient hervorgehoben zu werden.

Kartenausschnitt mit dem Felsportal Gäbelbach BE

(Isoliertes Waldstück im unteren Teil, links des Gäbelbaches)


Ich sehe in diesen Felsaufbrüchen Kultanlagen. Sie sind als riesige Nischen anzusehen, in denen in vorgeschichtlichen Zeiten ein hölzernes Götterbild gestanden hat. Diese aus einem Stamm geschnitzten Standbilder waren von weitem sichtbar.

Etliche solcher Holzstelen hat man in Westschweizer Seen gefunden. Hier unten ein Beispiel aus dem Neuenburger See: die Madonna von "Yverdon".

"Madonna von Yverdon": Holzstele einer weiblichen Göttin, ausgestellt im Laténium NE