Diessenberg: eine schwer zugängliche Burgstelle bei Oberdiessbach im Kanton Bern

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Über weitere Burgen vergleiche:

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Planskizze der Burgstelle Diessenberg bei Oberdiessbach BE

Skizze: Autor, 2013

Der Plan ist als topographische Skizze zu verstehen. Deutlich springen auf dem nach Westen abfallenden Grat der Halsgraben im Osten und der hohe und schmale Burghügel mit dem schnabelförmig nach Westen gezogenen Plateau hervor. - Der Nagelfluhkopf hat eine Höhenangabe von ca. 900 Metern ü. M.


Die Burgstelle Diessenberg bei Oberdiessbach im LIDAR-Bild

Die digitale Abtastung ist hier sehr genau und aussagekräftig. Man sieht deutlich den Halsgraben im Osten und den bogenförmigen Graben unten im Westen. Auf dem Burghügel ist der nach NW gerichtete Verlauf der ehemaligen Mauer zu erkennen. Auch der Nagelfluhkopf, die höchste Stelle des Burgplatzes, scheint gegen Westen ummauert gewesen zu sein.


Der Grat von Diessenberg mit der Burgstelle in der Mitte. Ansicht von Südosten.

Foto: Autor, 14.8.2013


Aussicht von der Burgstelle Diessenberg in Richtung Oberdiessbach

Foto: Autor, 1.5.2009


Diessenberg bei Oberdiessbach BE: Blick von der Spitze des Burghügels gegen das spitz zulaufende Plateau im Westen.

Foto: Autor, 14.8.2013

Diessenberg: Nochmals das Plateau gegen Westen


Diessenberg: Sicht von Westen auf den Nagelfluhkopf, die Spitze des Burghügels

Foto: Autor. 14.8.2013

Man erkennt deutlich einen spiralförmig geformten Aufgang zur höchsten Stelle der Burg.


Der Zwingherr, Standort einer verschwundenen Burganlage

Die Burgstelle Diessenberg liegt mit dem höchsten Punkt auf 901 m Höhe,  auf einem steilen, teilweise felsigen nördlichen Ausläufer der Falkenfluh, südöstlich von Oberdiessbach (Kanton Bern) und 300 Meter höher als dieser Ort, heute auch zu dieser Gemeinde gehörig (früher: Gemeinde Aeschlen). Man darf ruhig sagen, daß keine Burgstelle im Kanton Bern schwerer zugänglich ist als Diessenberg: Zur Steilheit des Geländes kommt heute der ungepflegte, verwilderte Wald hinzu, welcher den Ort von allen Seiten schwer erreichbar macht. 

Der Burgplatz hat wie der Nagelfluh-Grat, auf welchem er liegt, eine ausgesprochene Ost-West-Ausrichtung.

Von oben, also von Osten, lassen sich heute noch folgende Merkmale der Burg feststellen:

Zuerst kommt ein Halsgraben, der gegenüber dem Grat um ca. 4 Meter eingetieft ist. Darauf folgt der schlanke, sehr steile Burghügel (siehe Bild) mit einer Sprunghöhe von gut 16 Metern gegenüber der Grabensohle. - Die Spitze der Motte bildet eine wohl grösstenteils natürlich geformte Nagelfluh-Kuppe. Von dieser geht es in zwei Stufen wieder neun Meter hinab zu einem Plateau, das gegen Westen spitz zuläuft. Vom Plateau geht es wiederum gute 15 Meter hinab zu einem unteren Vorplateau mit ehemaligem Wall und Graben.

Dem steilen Burghügel waren im Westen mindestens ein oder zwei Gebäude angelehnt, deren Fundamente noch schwach erkennbar sind.

Ebenfalls hatte das Plateau gegen Nordwesten eine Abschlussmauer, die im Westen spitz oder rundlich mit einem Mauer-Rücksprung endete.

Einem Aquarell aus dem frühen 19. Jahrhundert zufolge war die Wehrmauer von Diessenberg noch hoch aufragend erhalten. Heute verraten nur noch geringe Spuren den Verlauf der Mauer.

Studiert man den Grundriss der Burg genau, so kann man auch den ehemaligen Zugang erraten: Dieser verlief vom östlichen Graben her entlang des südlichen Steilabfalls über einen hölzernen Steg, der zum westlichen, spitzen Ende des Plateaus führte.

Der steile Burghügel von Diessenberg. Ansicht von Osten.

Foto: Autor, 2009


Vom Typus her zeigt sich Diessenberg durch die Lage auf einem hochgelegenen Ausläufer der Falkenfluh als eine Höhenburg.

Der Name der Burg ist leicht zu deuten: DIESSEN, das ist gleichartig wie DIES-Bach, TESSEN-Berg, TESSIN: TS > TRS = TROS (TROJA) oder TROJANUS. Also ist auch Diessenberg als feste Burg Troja zu verstehen.

Bei dieser Gelegenheit soll nochmals auf die empörende neue Burgenkarte der Schweiz von 2007 hingewiesen werden. Statt präziser Beschreibung der Plätze ist dieses Verzeichnis angefüllt mit irrelevanter Pseudo-Geschichte. Bei Diessenberg liest sich das so:

Geringe Mauerspuren der ehem. Burg der Herren v. Diesbach, erw. 1218, wohl A. 15 Jh. aufgelassen und Verlagerung des Herrschaftszentrums ins Tal.

Andere Pseudo-Historiker wissen sogar von einer Zerstörung der Burg "1331". - Sogar den genauen Tag wollen sie wissen: Es war "der 24. März 1331"!

Lassen wir die alte Geschichte dort ruhen, wo sie hingehört, nämlich im Märchenland!


Ansicht der Burgruine Diessenberg

Aquarell aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts

Die Ansicht ist topographisch ungenau. Sie bestätigt aber, daß die Burg Mauern besaß. Und übereinstimmend mit dem Plan zeigt das Bild eine lange Frontmauer gegen Nordwesten, mit einem stumpfen Winkel gegen Norden (links) und einem angedeuteten spitzen Winkel gegen Westen (rechts).