Diessenberg: eine schwer zugängliche Burgstelle im Kanton Bern

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Aussicht von der Burgstelle Diessenberg in Richtung Oberdiessbach

Foto: Autor, 1.5.2009


Ansicht des Grats von Diessenberg von Oberdiessbach aus


Der Zwingherr, Standort einer verschwundenen Burganlage

Die Burgstelle Diessenberg liegt mit dem höchsten Punkt auf 900 m Höhe,  auf einem steilen, teilweise felsigen nördlichen Ausläufer der Falkenfluh, südöstlich von Oberdiessbach, in der Gemeinde Aeschlen. Man darf ruhig sagen, daß keine Burgstelle im Kanton Bern schwerer zugänglich ist als Diessenberg: Zur Steilheit des Geländes kommt heute der ungepflegte, verwilderte Wald hinzu, welcher den Ort von allen Seiten schwer erreichbar macht. 

Der Burgplatz hat wie der Nagelfluh-Grat, auf welchem er liegt, eine ausgesprochene Ost-West-Ausrichtung.

Von oben, also von Osten, lassen sich heute noch folgende Merkmale der Burg feststellen:

Zuerst kommt ein Halsgraben, dem gegenüber der Burghügel (siehe Bild) eine Höhe von fast 20 Meter hat.

Der steile Burghügel von Diessenberg. Ansicht von Osten.

Foto: Autor


Der Burghügel selbst hat einen natürlichen Nagelfluh-Gupf als höchsten Punkt (Pkt 901).

Nach einer Zwischen-Terrasse kommt eine nach Nordwesten orientierte Abschluß-Terrasse. Deren Hauptfront scheint eine Orientierung von 42° NE besessen zu haben, mit einem stumpfen Winkel gegen Norden und einem spitzen Winkel gegen Westen. Diese Frontseite war einst von einer hohen Wehrmauer gekrönt, wie das alte Aquarell beweist. Heute jedoch sind keine Mauerspuren mehr zu entdecken.

Der Zugang zur Burg war in alten Zeiten wahrscheinlich von Osten, mittels eines Stegs, der an der felsigen Nordflanke des Burgplatzes herangeführt wurde.

Der etwa 10 m hohen Böschung vor der Abschlußmauer war an ihrem Fuß ein Graben und Wall vorgelagert. Diese westlichen Zugangshindernisse sind an ihrem südlichen Ansatzpunkt noch gut erkennbar.

Vom Typus her zeigt sich Diessenberg durch die Lage auf einem hochgelegenen Ausläufer der Falkenfluh als eine Höhenburg.

Der Name der Burg ist leicht zu deuten: DIESSEN, das ist gleichartig wie DIES-Bach, TESSEN-Berg, TESSIN: TS > TRS = TROS (TROJA) oder TROJANUS. Also ist auch Diessenberg als feste Burg Troja, hoch über dem Talboden zu verstehen.

Vgl. hierzu: Der Vesuv ist überall

Bei dieser Gelegenheit soll nochmals auf die empörende neue Burgenkarte der Schweiz von 2007 hingewiesen werden. Statt präziser Beschreibung der Plätze ist dieses Verzeichnis angefüllt mit irrelevanter Pseudo-Geschichte. Bei Diessenberg liest sich das so:

Geringe Mauerspuren der ehem. Burg der Herren v. Diesbach, erw. 1218, wohl A. 15 Jh. aufgelassen und Verlagerung des Herrschaftszentrum ins Tal.

Andere Pseudo-Historiker wissen sogar von einer Zerstörung der Burg "1331"! Sogar den genauen Tag wollen sie wissen: Es war "der 24. März"!

Lassen wir die alte Geschichte dort ruhen, wo sie hingehört, nämlich im Märchenland!

Plan der Burgstelle Diessenberg (Gemeinde Aeschlen) bei Oberdiessbach (Kanton Bern)

Plan: Autor, 5.2009


Ansicht der Burgruine Diessenberg

Aquarell aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts

Die Ansicht ist topographisch ungenau. Sie bestätigt aber, daß die Burg Mauern besaß. Und übereinstimmend mit dem Plan zeigt das Bild eine lange Frontmauer gegen Nordwesten, mit einem stumpfen Winkel gegen Norden (links) und einem angedeuteten spitzen Winkel gegen Westen (rechts).