Die Burg Oltigen an der Aare (Gde. Radelfingen BE)

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Die Burgstelle Oltigen befindet sich am rechten Ufer der Aare (vgl. die Abbildungen), kurz unterhalb des Zusammenflusses der Saane mit der Aare. Politisch gehört der Ort zur bernischen Gemeinde Radelfingen.


Neues von der Burgstelle Oltigen:

Frau Reist hat eben mitgeteilt, dass der unterirdische Gang bei Oltigen, das sogenannte Güggelisloch, von einer Gruppe Leute von allem Schutt befreit wurde. Zusätzlich wurden auch der Eingang im Osten und der Ausgang gegen die Aare hergerichtet. Nun also kann man den Tunnel erhobenen Hauptes durchqueren.

Damit ist natürlich die Romantik entschwunden. - Aber vielleicht ergeben sich dadurch auch neue Erkenntnisse.

Der Osteingang des Güggelisloch bei der Burgstelle Oltigen (Radelfingen BE)

Aufnahme von Brigitte Reist, 12.6.2010


Die Burgstelle Oltigen, vom linken Aareufer aus gesehen

Foto aus: Die Burgen und Schlösser der Schweiz. Jura und Seeland, Teil 2, Basel 1936, S. 19

Die Burgstelle Oltigen, vom linken Ufer der Aare aus gesehen

Die Aare ist an dieser Stelle bereits durch das Niederried-Wehr gestaut.

Aufnahme: Autor, 17.6.2004


Blick von der Burgstelle Oltigen in Richtung SW auf die Aare. Im Hintergrund die Mündung der Saane (Sarine).

Foto: Brigitte Reist, 2009


Oltigen (hinten Mitte) von NW her gesehen

Foto: Brigitte Reist, 2009


Beschreibung der Burganlage

Die Burgstelle liegt auf einem schmalen, steilen Grat, einem nach NW orientierten Ausläufer der Runtigenfluh, mit dem Weiler Oltigen zu seinen Füssen und dem Örtchen Oberruntigen im Osten. Ein ungeteertes Sträßchen führt an der Burgstelle vorbei und verbindet die beiden genannten Weiler.

Die hervorragende Lage bot sich für eine Wehranlage förmlich an. Der langgezogene Sporn ist im SW durch den unüberwindlichen Steilabfall zur Aare und auf der anderen Seite durch den Kesselgraben bestens geschützt.

Zentraler Bestandteil der Burganlage (vgl. den Plan) ist der mächtige ovale Burghügel mit den ungefähren Massen 9 x 25 m. Dieser ist künstlich überhöht. Gegen den Graben im SE hat er eine Sprunghöhe von fast 25 Metern. Man kann in der Mitte auf dem Burghügel einen ehemaligen rechteckigen Turm vermuten, der aber nicht gesichert ist.

Mehrere Löcher von ehemaligen Maschinengewehr-Nestern aus den Weltkriegen beweisen, daß Oltigen auch im 20. Jahrhundert eine strategische Bedeutung besaß.

 

Der Burghügel von Oltigen, gesehen von Norden, vom oberen Plateau

Foto: Brigitte Reist, 2.12.2009

Das obere Plateau vor dem Burghügel von Oltigen. Ansicht gegen Nordwesten.

Man erkennt deutlich die Terrasse im Vordergrund und dahinter die Delle des Torzugangs mit dem dahinterliegenden Zierwall.

Foto: Autor, 2.12.2009


Plan der Burgstelle Oltigen an der Aare

Plan: Autor, 12.2009

Der zentrale und überaus steile, überhöhte Burghügel (Pt. 543) hatte gegen SE eine weniger hohe, beidseits durch Abschnittsgräben abgetrennte Vorburg und gegen NW ein erstes unteres Plateau mit einer Toranlage. Darunter schloß sich ein zweites unteres Plateau an, mit einem Hohlweg gegen W.

Eingezeichnet sind auch der Fahrweg (ocker) und das Güggelisloch (rosa), ferner der alte Aufgang im Norden (schwach rosa).

NB: Im Plan von Oltigen liegt sicher eine (Tier-)Figur verborgen.


Dem erwähnten Graben fügt sich im SE eine Vorburg oder ein Vorwerk an. Dieses wiederum ist gegen die schmale Fortsetzung der Runtigenfluh wiederum durch einen Graben abgetrennt.

Dem zentralen Burghügel schließt sich am Abhang gegen NW ein erstes oberes Plateau an. Dieses läßt gegen Norden noch unbestimmbare Reste eines befestigten Torzugangs (vgl. die Abbildung) erkennen. Dieser bestand aus einer Delle am Plateaurand, dann gegen die Aare hin mit einem merkwürdigen kleinen Wallwinkel und auf der östlichen Seite aus einer kleinen Terrasse, dem ein Loch - wahrscheinlich der Sod - vorgelagert war.

Burgstelle Oltigen: Der wahrscheinliche Torzugang an der Spitze des ersten, oberen Plateaus

Foto: Autor, 17.11.2009

Man erkennt im Vordergrund die kleine Terrasse, dahinter das Sodloch, dann die Delle des von rechts unten kommenden Aufgangs und zuhinterst eine kleine flankierende Erhebung.

Oltigen: Oberes Plateau, gegen Nordwesten gesehen.

Man erkennt rechts oben die Delle des Torzuganges

Foto: Brigitte Reist, 2.12.2009


Am Fuße des Steilabfalls des oberen Plateaus folgt ein zweites unteres Vorfeld mit einem Hohlweg gegen Westen.

Oltigen: Unteres Plateau mit Hohlweg und Sicht auf den gesamten Burghügel

Foto: Brigitte Reist, 2.12.2009


Sowohl das erste wie das zweite Plateau von Oltigen gegen Nordwesten gehörten sicher zur Burganlage, waren aber nicht durch Randwälle verstärkt.

Oltigen ist von seiner Lage, aber auch von seinen Ausmaßen her eine gewaltige Erdburg, die bei jedem Besuch staunen läßt.

Da kann man getrost auf die erfundene Geschichte verzichten, die von "Grafen von Oltigen" erzählt. Und Bern hätte das Schloß käuflich erworben und dort eine Landvogtei eingerichtet. - Alles das ist unglaubwürdig. - Ebenfalls heftet an Oltigen die Sage von einer Lederbrücke (!) von der Burg zum anderen Aare-Ufer hinüber.

Oltigen: Plan von Bendicht Moser, ca. 1920


Das Güggelisloch

Ein Rätsel muß noch behandelt werden. Es macht aus Oltigen auch in einem anderen Sinne einen sensationellen Ort.

Südöstlich der Burghügels, unterhalb der Waldstrasse findet sich unter einer kleinen Felswand der Eingang zu einem unterirdischen Gang, im Volksmund Güggelisloch genannt (vgl. die Fotos).

Das sogenannte Güggelisloch unterhalb der Burgstelle Oltigen (Radelfingen, Kt. Bern)

Foto aus: Die Burgen und Schlösser der Schweiz. Jura und Seeland, Teil 2, Basel 1936, S. 21

Das Güggelisloch: Eingang von Osten

Foto: Brigitte Reist, 2009

Der aareseitige Ausgang des Güggelilochs

Foto: Internet


Der unterirdische Gang ist passierbar und verläuft ebenerdig und leicht S-förmig in ostwestlicher Richtung unterhalb der Vorburg von Oltigen. Die Höhe des Tunnels beträgt stellenweise noch einen Meter.

Der östliche Eingang mit seiner breiten, bogenförmigen Wölbung ist fast künstlerisch gestaltet. - Doch welchem Zweck dieser unterirdische Gang von Oltigen gedient hat, ist unklar. Jedenfalls macht das Güggelisloch im System der Burganlage keinen unmittelbaren Sinn.

Der Name GÜGGELIS ist hoch interessant und beweist sein Alter: Entvokalisiert man das Wort, so ergibt sich C(R)CL. - Und darin erkenne ich zum wievielten Mal im Kanton Bern CARACALLA. - Dieser römische Kaiser muß zu Beginn der Geschichtszeit die Rolle eines Landespatrons gespielt haben. Anders läßt sich das gehäufte Vorkommen seines Namens nicht erklären.

Das vorläufige Fazit über den unterirdischen Gang lautet:

Wenigstens die östliche Öffnung des Güggelislochs ist als zeitgleich zur Burg anzusehen. Man darf vermuten, daß dieser Teil zuerst als Höhle ausgehauen und erst nachher zu einem vollständigen Gang mit Ausgang zur Aareseite erweitert wurde.

Vielleicht datiert die Erweiterung der Höhle zu einem Gang aus dem Ersten Weltkrieg, als auf dem Burghügel Maschinengewehrnester ausgehoben wurden.

Der Ortsname Oltigen

Sensationell ist auch der Ortsname OLTIGEN, der auf ein ursprüngliches Woltigen oder Moltigen schließen läßt.

OLTIGEN = LT > VLT > VLSM = VOLUSIUM, VESUVIUM = VESUV. Oltigen ist ein Vesuv-Name, wie viele andere in der Landschaft

Gegenüber der Burg, auf der anderen Seite der Aare, liegt das Gehöft WITTEN-Berg - ebenfalls ein vesuvianischer Name.

Man vergleiche darüber: Der Vesuv ist überall.

Nachtrag zu OItigen

Autor: Plan der Burgstelle Oltigen von 1959

In den persönlichen Papieren hat der Autor eine Planskizze entdeckt, die er 1959 - im Alter von dreizehn Jahren - nach einem Besuch des Ortes angefertigt hat.

Die topographischen Befunde sind für das frühe Alter des Zeichners erstaunlich genau erfaßt und halten teilweise einem Vergleich mit dem aktuellen Plan stand. - Selbst das Güggelisloch fehlt nicht - und dessen geschwungener Verlauf ist richtig aufgenommen.