Neu Bubenberg bei Schliern (Gemeinde Köniz): ein Wehrbau des frühen 18. Jahrhunderts
Interessante Beobachtungen und Vergleiche zu einer Burgruine bei Bern. - Mit einer Beschreibung der Burgstelle Alt Bubenberg bei Frauenkappelen.
Christoph Pfister
Die Burgruine (Neu) Bubenberg bei Schliern
Aquarell von Albrecht Kauw, vermutlich etwa 1740
Wiedergabe mit freundlicher Genehmigung des Historischen Museums Bern
Plan der Burgstelle Neu Bubenberg bei Schliern, Gemeinde Köniz, BE
aus: Die Burgen und Schlösser der Schweiz. Lieferung X a: Kanton Bern: Mittelland, Emmental und Oberaargau (1. Teil); Basel 1942, Seite 55
Der Plan hat einen Fehler: Die Unterteilung, deren Maueransatz auf der Innenseite der nördlichen Abschlußmauer noch kenntlich ist, wurde bei der Aufnahme vergessen.
Einschub:
Alt Bubenberg bei Frauenkappelen
Die Burgstelle Alt Bubenberg liegt nordöstlich von Frauenkappelen auf einem länglichen bewaldeten Sporn, der steil zur Aare - dem heutigen Wohlensee - abfällt.
Alt Bubenberg stellt eine reine Erdburg dar. Erkennbar sind ein markanter länglicher Burghügel, der gegen Norden und Osten durch Felsen geschützt ist. Gegen die Bergseite sind der Motte ein weiterer rundlicher und ein schmaler länglicher Hügel vorgelagert. Gegen die Talseite ist noch ein halb verfüllter Halsgraben und ein weiterer niedriger Hügel zu erkennen.
Die Burgstelle Alt Bubenberg soll an der Westseite ferner einen Flankenwall gehabt haben. - Von einem solchen ist jedoch heute nichts mehr zu erkennen: Die Anlage eines Waldweges hat alle Spuren verwischt.
Besonders zu erwähnen und fast sensationell ist ein gut erhaltener Sod bei Alt Bubenberg. Dieser ist an der Westflanke des zentralen Burghügels eingelassen, heute noch mindestens 5 m tief bei einem Durchmesser von 1,5 m.
Diente der Sod der Wasserversorgung der Burg oder hatte er noch einen anderen Zweck?
In meinem Buch Die Ursprünge Berns (2007) gehe ich auf das Rätsel der Sodlöcher ein.
Die Lage der Burgstelle
Die Burgruine Neu Bubenberg liegt auf einem markanten, nach allen Seiten steil abfallenden Hügel von aussichtsreicher Lage südlich von Schliern bei Köniz auf dem Weg nach Scherliau. Ein Trockental trennt den Hügel von dem östlich davon gelegenen Ulmizberg.
Die Burgruine liegt auf dem privaten Grundstück einer 1939 gleich westlich unterhalb erbauten Villa. Der Burgplatz ist also nicht öffentlich. Er kann aber nach Absprache und Einwilligung der Grundeigentümer besichtigt werden.
Die Unterscheidung zwischen Alt- und Neu-Bubenberg ist als künstlich geschaffen anzusehen. Die Zuschreibung dieser beiden Burgplätze zu dem sagenhaften Geschlecht der Bubenberg hat keinen realen Hintergrund.
Die Anlage
Zu erkennen sind von der Burg noch auf drei Seiten die Außenmauer, die einen unregelmäßigen Grundriß hat: Die lange Nordfront mit einer Ausrichtung von etwa 60° NE hat auf beiden Seiten eine spitzwinkelige und nachher gerundet verlaufende Fortsetzung im Westen und im Osten.
Im Süden ist eine Mauer vorgelagert die klar die Zugangsrampe einfaßte. - Überhaupt ist der ursprüngliche Zugang von Westen an der gerundeten Südwest-Mauer noch gut zu erschließen. Sogar die Reste eines Tordurchgangs sind am Ende der Außenmauer im Süden vor der Rampe noch erkennbar.
Die Außenmauer hat eine unterschiedliche Dicke, die zwischen 1,5 und 2 Metern variiert. Innen und außen besteht die Mauer aus behauenen Sandsteinquadern. Die Mitte wurde mit Geschiebesteinen ausgefüllt.
Die Burg besaß mindestens eine Unterteilung. In der Mitte der inneren Mauer gegen Norden ist der Ansatz einer zum früheren Tor verlaufenden Innenmauer zu erkennen. Der ursprüngliche Turm oder Donjon ist wohl im Westteil der Anlage zu sehen.
Der eigenartige, früher wohl dreieckige Grundriß der Burg mit der geradlinigen Längsfront gegen Norden und dem gerundeten Verlauf nach Süden soll ausdrücklich hervorgehoben werden.
Die Nordostecke der Außenmauer von Neu Bubenberg
aus: Fritz Hauswirth: Burgen und Schlösser der Schweiz, Bd. 10, Bern 1; Kreuzlingen 1975, Seite 21
Die Nordostecke der Außenmauer von Neu Bubenberg
Aufnahme vom 29.8.2005
Auf den beiden Fotos ist die unnatürlich modern restaurierte Struktur der Außenmauer deutlich zu erkennen.
Eine Ruine des 20. Jahrhunderts
Von der Burg Neu Bubenberg sind noch ansehnliche Reste erhalten, die das ursprüngliche Aussehen des Wehrbaus erschließen lassen. Besonders die Nordostecke beeindruckt durch die beachtliche Sprunghöhe der Mauer.
Doch des Burgenforschers Freude an der Burgruine ist beeinträchtigt. Denn offensichtlich entspricht die Struktur der Außenmauer mit ihrer fantastisch guten Erhaltung und ihrer unnatürlich regelmäßigen Behauung nicht dem ursprünglichen Zustand.
Und tatsächlich: Die Ruine ist 1938 im Rahmen eines Beschäftigungsprogramms für Arbeitslose restauriert worden. Dabei wurden die Blöcke der Außenmauer abgespitzt und die Fugen mit neuem Mörtel geschlossen.
Was wir heute bei Neu Bubenberg sehen, ist also eine Ruine aus der Mitte des 20. Jahrhunderts. Nur deren Grundriß und allenfalls Teile der Innenseiten sind alt.
Ursprünglich waren die Blöcke der Außenmauer nämlich bossiert. Kurz vor der Nordwestecke hat man verschämt einige Blöcke in dem ursprünglichen Zustand belassen.
Auch sind durch das Abschlagen der Bossierungen die Kropflöcher zerstört worden: Die Kropfzange ist eine typische technische Errungenschaft der Gotik und machte es möglich, Mauerwerk in effizienter und zeitsparender Weise hochzuziehen.
Neu Bubenberg zeigt exemplarisch, wie fragwürdig die Renovation von Burgruinen ist. Hier wurde auf jeden Fall eine sinnlose Arbeit geleistet, welche den ursprünglichen Aspekt zerstört hat.
Ein Vergleich zwischen Neu Bubenberg und der Riedburg
Trotz der störenden Restauration lassen sich beim Studium der Ruine Neu Bubenberg ein paar interessante Beobachtungen machen. Diese erlauben es, die Anlage vergleichend und zeitlich einzuordnen.
Das Mauerwerk von Neu Bubenberg, mit seinen regelmäßig behauenen Sandsteinblöcken nach innen und nach außen, den Geschiebesteinen als Füllmaterial und der Bossierung der Außenquadern, zeigt eine große Ähnlichkeit mit der Ruine Riedburg am Schwarzwasser. Letztere Burgruine habe ich als Wehrbau der Gotik angesehen und in das frühe 18. Jahrhundert gesetzt.
Die beiden Anlagen haben wohl nur ein paar Jahrzehnte bestanden und wurden nachher verlassen - oder zerstört - und somit zu Ruinen.
Bei Neu Bubenberg ist der zeitliche Rahmen noch enger: Der Burgenmaler Albrecht Kauw malte die Burg schon als Ruine - in einem ähnlichen Zustand wie heute.
Kauws Aquarelle werden in die 1670er Jahre gesetzt.
Doch Albrecht Kauw ist erst gegen 1740 glaubhaft einzuordnen.
Pseudohistorischer Unsinn, der die Ruine umrankt
Wie bei den meisten Burgruinen wird dem Platz von Neu Bubenberg eine erfundene und unsinnige Geschichte angehängt. Und hier ist sie - wie der Name sagt - mit den Bubenberg verbunden.
Die Bubenberg gelten in der offiziellen Geschichtsdarstellung als bedeutendes regimentsfähiges Geschlecht des mittelalterlichen Berns. - Doch so wie es kein Mittelalter gegeben hat, so wahrscheinlich auch keine Bubenberg.
Die Geschichtserfindung selbst behauptet ein Aussterben der Bubenberg "zu Beginn des 16. Jahrhunderts", also vor der Reformation.
Die Bubenberg spielen in der erdichteten Geschichte die Rolle von Verlierern. Deshalb auch mußten sie untergehen. Diese Funktion ist in ihrem Namen beschlossen:
BUBEN = PPM = PAPAM, papa = Papst
Die Bubenberg waren also die Päpstlichen, die gegen die Neugläubigen, etwa die Erlach und die Diesbach unterliegen mußten.
Die Verbindung zwischen dem Geschlecht der Bubenberg und den Burgstellen Alt und Neu Bubenberg wird von den Historikern über wertlose Urkunden gemacht, die erst in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts geschrieben wurden. - Und keine schafft einen eindeutigen Bezug zu einer Burg.
Ein starkes Stück stellt die angebliche Entstehungszeit von Neu Bubenberg dar: Diese soll "um 1090" erbaut worden sein! - Vor 900 Jahren aber gab es weder Eisen, noch Mörtel noch behauene Steine - und schon gar keine Bubenberg.
Das zeigt einmal mehr, wie sich Historiker blind auf imaginäre Jahrzahlen verlassen und keinen Deut auf inhaltliche und chronologische Plausibilität verlieren.
Wir aber setzen Neu Bubenberg, wie gesagt, in die Gotik des entwickelten 17. Jahrhunderts.
September 2005, Oktober 2007