Die Erdburg Bürgisweiher oder Weiher(s)köpfli nordöstlich von Madiswil BE im Oberaargau

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Plan der Burgstelle Bürgisweiher (Weiherköpfli), Gemeinde Madiswil BE

Äquidistanz der Höhenkurven: 2 m

Planskizze: Autor, 2017

Die Form des Burghügels mit dem Frontwall an der östliche Schmalseite und den beiden Flankenwällen an der Breitseite des Burghügels lassen eine Figur erkennen.

Die Erdburg Fuchsmatt - in der gleichen Gemeinde gelegen - hat einen ähnlichen Grundriß.


Östlich von Madiswil auf der Strasse nach Melchnau liegt in einem schmalen von Wald eingesäumten Tal der bekannte Landgasthof Bürgisweiher (siehe Abbildung) mit seinem Garten und dem namengebenden Weiher. Ein Besucher ahnt nicht, daß hinter dem Weiher, gleich am Waldrand beginnend, sich die Reste einer gewaltigen und interessanten Erdburg befinden. Die Wehranlage wird Bürgisweiher (Bürgisweier oder Bürgisweyer) oder zutreffender Weiherköpfli genannt.

Die unterschiedlichen Schreibweisen der Orte seien festgehalten.

Übrigens: Die Flur vor der Burg am Weiher wird St. Waldburg genannt.

Der Landgasthof Bad Bürgisweiher bei Madiswil


Die Burgstelle Bürgisweiher oder Weiherkopf im LIDAR-Bild)

Deutlich erkennbar ist der Burghügel, der sich gegen SE verengt, sowie die unterhalb der Motte liegenden Wälle gegen NW, N, sowie im SE. - Ob die Wälle ehemals zusammenhingen und einen Ringwall bildeten, kann heute nicht mehr entschieden werden.


Beschreibung

Die Burg nutzt einen natürlichen, gegen Nordwesten gerichteten Sporn aus. Dieser ist vom Talhang fast ganz abgetrennt. Das verleiht dem Weiherköpfli ein inselartiges Aussehen.

Der merkwürdige Sporn ist in der Anlage sicher natürlich. Aber vielleicht wurde der inselartige Charakter künstlich verstärkt.

Der markante, steile und überhöhte Burghügel hat eine Länge von etwas mehr 50 Metern bei halber Breite und verengt sich gegen Südosten in eigenartiger Weise auf ein paar Meter. Diese Verengung ist zudem durch einen seichten Graben vom breiteren Burghügel abgetrennt.

Etwa fünf Meter unterhalb der Höhe der Kuppe war die Motte ehemals durch einen Ringwall mit Graben geschützt. Von diesem Ringwall sind noch deutliche Reste an den beiden Schmalseiten und gegen die nordöstliche Langseite zu sehen. - Gegen Südwesten ist von diesem Wall nichts mehr erhalten. Nur eine breite Terrasse erinnert daran.

Es kann erwogen werden, daß der Burghügel nicht auf allen Seiten von einem Wall umschlossen war. Doch sprechen verschiedene Erwägungen und Vergleiche mit anderen Burgen für einen ehemals rundum geschlossenen Wall..

Das Weiherköpfli stellt zweifellos eine Wehranlage dar. Allerdings läßt besonders das überaus schmale, kaum 2 m breite längliche Ende des Burghügels gegen Südosten an der alleinigen Funktion als Befestigung zweifeln.

Unbedingt zu erwähnen ist die Nähe zur Erdburg Grauenstein im Nordosten. Der Abstand zwischen den zwei Erdburgen beträgt nur etwa 300 Meter. Doch Grauenstein als Vorwerk von Bürgisweiher anzusprechen, ist gewagt.

In die Erdburg Bürgisweiher scheint die Figur eines Ochsenkopfs im Grundriß eingearbeitet zu sein. Im LIDAR-Bild (siehe oben) denkt man auch an die Schnauze eines Fuchses oder eines Wolfs.

Aber vor allem ist die Ähnlichkeit des Grundrisses von Bürgisweiher-Weiherkopf mit der gut 3 Kilomter südsüdöstlich gelegenen Erdburg Fuchsmatt (Gde. Madiswil) verblüffend: Man stellt eine öhnliche Orientierung der Anlage, eine ähnliche Form des Burghügels und ebenfalls drei Wallstücke fest.

Bürgisweiher und Fuchsmatt müssen den gleichen Baumeister gehabt haben.

Zuletzt noch ein interessanter vermessungskundlicher Hinweis zu Bürgisweiher:

Die Erdburg liegt auf einer Ost-West Linie zusammen mit dem östlich davon gelegenen Sursee. Und die Distanz zwischen den beiden Orten beträgt exakt 10 keltische Meilen (Leugen), also 22250 m.

Das östliche Ende des Burghügels von Bürgisweiher. Ansicht von Südosten.

Foto: Markus Schilt, 20.6.2009

Blick von der westlichen Stirnseite des Plateaus von Bürgisweiher auf Reste des davor liegenden Grabens und Walls

Foto: Markus Schilt