Bonneville: ein gewaltiges Erdwerk im Val de Ruz (Kanton Neuenburg)

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Bonneville (Engollon NE): Rekonstruktions-Plan des Erdwerks

Der Plan ist mit dem digitalen Oberflächenmodell (LIDAR = light detection and ranging) unterlegt.

Unten rechts erkennt man die Strasse, welche heute die Südost-Ecke vom Rest der Anlage abtrennt.

Grafik: Autor


Lage

Das Erdwerk (La) Bonneville liegt auf ungefähr 700 m Höhe in einem Wald in der Gemeinde Engollon im neuenburgischen Val de Ruz, auf der linken Seite des Bachs (Le) Morguenet, der gleich unterhalb in das Flüßchen (Le) Seyon mündet.

Das Objekt ist gut erhalten. Die einzige Störung ist eine Strasse, die den südlichen Teil der Anlage bis auf die SE-Ecke des Ringwalls zerstört hat. - Dennoch ist das ursprüngliche Gesamtbild ohne Mühe zu rekonstruieren.

Die Anlage

Das Erdwerk Bonneville bildet ein längliches, sich nach Süden leicht verjüngendes Rechteck, dessen Achse nach NNW ausgerichtet ist.

Das Rechteck wird gebildet durch einen hohen Wall mit einem sehr breiten innenseitigen Graben, der ein leicht gewölbtes Plateau umschließt. Dieses überragt die Wallkrone.

Auf der Bergseite im Norden und im Osten ist dem Ringwall ein zweiter Graben vorgelagert.

Mauerspuren sind nirgends zu sehen. Das Objekt muß eine reine Erdburg gewesen sein.

Die Masse der Anlage betragen:

Vom äußeren Fuß des Ringwalls: ca. 215 x 95 m

Größe des Plateaus vom Fuß der Böschung: ca. 165 x 58 m

Fläche der Anlage mit dem Ringwall: ca. 1,6 Hektaren

Die Beschreibung von Bonneville in der Burgenkarte der Schweiz - West (2007, S. 69) ist mehr als summarisch:

levée de terre formant un quadrilatère


Bonneville (Engollon NE): Blick auf den östlichen Graben gegen Süden. Der Wall ist links, das Plateau rechts.

Die Breite des Grabens ist auffällig.

Bild: Autor, 20.7.2015


Bonneville (Engollon NE): Blick auf den westlichen Graben gegen Süden. Das Plateau ist links, der Wall rechts.

Die Breite des Grabens ist auffällig.

Bild: Autor, 20.7.2015


Charakteristik

Von der Größe her gehört Bonneville bei Engollon zu den wichtigsten Erdburgen der Schweiz.

Ebenfalls ist die Form eines regelmäßigen, länglichen Rechtecks einzigartig.

Als große Ringwallanlage mit Oppidum-Charakter wird Engollon als ehemaliges Städtchen angesprochen und mit einer erfundenen Geschichte unterlegt: Es sei dies eine Gründung der Herren von Valangin.

Die Nähe zum bedeutenden Schloß Valangin ist erwähnenswert. Doch lassen sich daraus keine zwingenden Schlüsse ziehen.

Man denkt bei Bonneville an eine „mittelalterliche“ Wüstung, also an eine aufgelassene befestigte Siedlung. Das Objekt hat von der Größe und seiner Befestigung her den Charakter eines kleinen Städtchens. Aber die fehlenden Mauern deuten darauf hin, daß die Anlage nie besiedelt war, sondern nur als Wehranlage existierte – und dies offenbar nur für kurze Zeit.

Mehrmals wurde auf dem Platz von Bonneville gegraben. Doch weiter reichende Erkenntnisse haben die Sondierungen nicht gebracht.

Bonneville ist eine einzigartige und in gewissem Sinne rätselhafte Anlage. Im Kanton Neuenburg kann als verwandtes Objekt die sogenannte Redoute des Bourguignons bei Vernier, oberhalb von Vaumarcus angesprochen werden. – Jenes durch einen Wall und Graben gebildete Erdwerk ist allerdings viel kleiner.

Bemerkenswert ist auch die Lage von Bonneville in dem weiten, fruchtbaren Jura-Tal des Val de Ruz.