Steinbrüche oder keltische Denkmäler?
Merkwürdige Felsaufbrüche oder Felsportale rund um Bern: Teufelsküche, Sodfluh, Lindenfeld, Wünnewil, Gäbelbach
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Über die Felsportale vgl. auch vom Autor das Buch Die Ursprünge Berns (2011)
Einleitung
Vorgeschichtliche Spuren entdeckt man durch eine genaue Betrachtung der Landschaft. Dabei zeigt sich, daß dort noch heute Denkmäler zu finden sind, welche man aber übersieht, weil man sie für jung hält. So sind mir in der Umgebung von Bern seit Jahren mehrere alte "Steinbrüche" aufgefallen.
Die "Steinbrüche" von denen ich rede, sind alle sehr klein. Es sind rechteckige Auskerbungen aus Felswänden oder steilen, felsigen Abhängen. Die Breite der Rückwand beträgt häufig nur etwa 4.5 Meter und die Tiefe höchstens zehn bis zwölf Meter. Die Sohle dieser Ausbrüche ist teilweise meterhoch mit Erde und Sand bedeckt und verfälscht so das ursprüngliche Erscheinungsbild.
Eine genauere Betrachtung der Eigentümlichkeiten dieser Steinbrüche zeigt, daß diese kaum der Gewinnung von Baumaterial gedient hatten. Die Ausbeute aus diesen bescheidenen Gevierten wäre zu gering gewesen. Zudem liegen diese merkwürdigen Ausbrüche selten an gut zugänglicher Stellen, sondern häufig an unzugänglichen Orten.
Die Teufelsküche im Grauholz (Bolligen)
Ein schönes Beispiel solcher Felsaufbrüche ist die sogenannte Teufelsküche (im Dialekt Tüfelschucheli genannt) am Nordostabhang des Grauholzberges nordöstlich von Bern (vergleiche das Foto).
Die sogenannte Teufelsküche am Grauholzberg, 7 km nordöstlich von Bern
Koordinaten 604'070/204'960
Der Stolleneingang ist auf dieser Aufnahme verdeckt.
Foto: Autor, 1997
Diese imposante Anlage hat eine viereinhalb Meter breite und zehn Meter hohe Rückwand, die von der Sohle etwa zehn Meter in den steilen, felsigen Abhang hineinreicht. Von vorne gesehen sieht der Ausbruch aus wie der schön gearbeitete Abzug eines Kamins. Von daher stammt auch die volkstümliche Bezeichnung Teufelsküche.
Merkwürdig ist bei obiger Anlage auch ein etwa 17 Meter langer und ursprünglich etwa 1.6 Meter hoher Gang, der geradewegs in den Berg hineingetrieben ist und blind endet.
Ist die Teufelsküche ein keltisches Monument oder ein alter Steinbruch? Ich möchte meinen beides.
Zum ersten gibt es aus der Mitte des 18. Jahrhunderts schriftliche Aufzeichnungen, die belegen, daß damals ein Bauhandwerker aus Jegenstorf von der Berner Regierung die Erlaubnis bekommen hat, in der Gegend der Wyssen Fluh, wie die Gegend damals hieß, eine Steingewinnung zu eröffnen. - Aber es hätte sich herausgestellt, daß das dortige Gestein nicht abbauwürdig sei.
Ich halte dafür, daß die Teufelsküche eine alte Anlage ist. Der besagte Bauhandwerker hat sich diese wohl ausgesucht, weil er dort leichter erkunden konnte. Dabei hat er die Sohle des Aufbruchs tiefer gelegt und den Sondierstollen vorgetrieben.
Die Daten der von mir entdeckten keltischen Landvermessung liefern die Beweise. Vgl. hierzu den Artikel Das Doppelquadrat von Bern.
Zum Beispiel liegt die Teufelsküche auf einer Ost-West-Achse, auf welcher im Westen der Menhir Bottis Grab liegt. Dieser Stein wurde anfangs der 1960er Jahre versetzt, da er in das Trassee der Autobahn zu liegen kam. Heute kann man ihn gleich daneben besichtigen.
Der Sage nach soll dieser Menhir das Grab des Riesen Botti sein.
Noch bevor ich die Teufelsküche kennenlernte, erkannte ich eine Sonnenwendlinie von 126° SE/306° NW, welche die beiden Höhenburgen Bantiger und die Knebelburg auf dem Jensberg bei Biel verbindet und genau 11 keltische Meilen (Leugen) mißt. - Erst nachher fand ich heraus, daß jener Felsaufbruch genau auf jener Linie liegt und auch die Achse der Anlage danach ausgerichtet ist.
Die Teufelsküche muß eine besondere Bedeutung besessen haben. Ich kann mir vorstellen, daß darin ein hohes, von weitem sichtbares hölzernes Götzenbild darin stand. Solche hat man an einigen Orten, etwa im Genfersee gefunden.
Eine solche Figur könnte als Kimme einer Visur gedient haben. - Auch dafür kann ich einen Beleg bringen:
Von der Arena auf der Engehalbinsel war der Ort der Teufelsküche am Horizont zu sehen. Die Rechnungen zeigt, daß die beiden Monumente in einem Himmelswinkel von 54.4° zueinander stehen. - Dieser aber bedeutet den tatsächlichen Sonnenaufgang zur Zeit der Sommer-Sonnenwende. Anders gesagt konnte man von der Arena aus in alter Zeit im NE genau am Horizont des Grauholzberges an der Stelle der Teufelsküche die aufgehende Sonne beobachten.
Die Teufelsküche am Grauholzberg ist also eine eindrucksvolle Anlage aus keltischer Zeit.
Übrigens trägt das Waldstück auf der Höhe über der Teufelsküche den Orts- oder Flurnamen Kaiserstuhl.
Lindenfeld bei Krauchthal
Südlich des Thorbergs bei Krauchthal findet sich der Felsaufbruch Lindenfeld. Diese Anlage befindet sich knapp oberhalb der östlichen Talsohle des Lindentals am Eingang eines Waldtals (vergleiche das Foto). Südlich davon beginnt die markante Felswand der Geismeflüh (Geismundflüh). - In dem Wort steckt GEIS, das man über C(R)S zu CHRISTUM, Christus ergänzen kann.
Felsaufbruch Lindenfeld im Lindental südlich von Thorberg und Krauchthal (Kanton Bern)
Koordinaten: 609'120/205'390
Foto: Autor, 2000
Der Felsaufbruch Lindenfeld ist in eine Felswand hineingetrieben und zeigt mit seinen drei Seiten genaue Orientierungen gemäß der keltischen Landvermessung. An den Wänden lassen sich noch Widerlager für Balkenkonstruktionen erkennen. - Zu einer gewissen Zeit wurde der Aufbruch also durch ein Dach geschützt.
Oberhalb von Lindenfeld liegt der markante steile und teilweise felsige Sporn des Tannstygli (Tannstigli). Dies soll eine Erdburg sein. Aber ich sehe dort oben eine alte astronomische Beobachtungsstätte.
Lindenfeld muß ebenfalls keltisch sein. Die Anlage paßt hervorragend in das alte Vermessungssystem.
Und im Lindental existiert auch eine alte Sage, welche von einer Felsnische in der Geismeflüh spricht. Darin soll zu heidnischen Zeiten ein Götzenbild gestanden haben. - An dieser Fluh gibt es keine Nische. Aber das Felsportal Lindenfeld liegt nur fünfzig Meter weiter nördlich. - Und Sagen enthalten oft mehr Wahrheit als die gedruckte und gelehrte Geschichte.
Der Felsaufbruch auf der Sodfluh bei Hub (Krauchthal)
Den rätselhaften Felsaufbruch bei der Erdburg Liebefels auf der Sodfluh südlich von Hub bei Krauchthal behandle ich im Rahmen der Burgenforschung: Die Burg Liebefels auf der Sodfluh bei Hub (Krauchthal).
Das Felsportal am Südrand der Burgstelle Liebefels im Laufental bei Hub (Krauchthal BE)
Koordinaten: 607'750/204'935
Foto: Autor, 1997
Zum Felsaufbruch Liebefels hier nur so viel: Das Monument liegt auf der gleichen Ost-West-Linie, auf welcher sich auch die Teufelsküche im Grauholz und der Menhir Bottis Grab im Grauholzwald befindet. - Ein solches Alignement kann nicht zufällig sein.
Das Portal von Liebefels stellt im Plan der Burganlage den westlichen Teil des südlichen Grabens dar. Die Rückwand der Anlage bildet eine Seite der alten Zugangsrampe zur Burg.
Wünnewil FR
Felsaufbruch bei Wünnewil (Kanton Freiburg)
Koordinaten: 589'200/191'850
Photo: Autor, 2002
Das Portal von Wünnewil im Kanton Freiburg liegt im NE der Ortschaft, auf der rechten Seite des Tafersbaches (Taverna), in einem Felsband, das sich längs des Eisenbahntrassees hinzieht und von diesem durch einen Fahrweg getrennt ist (Aufnahme). - Die Breite der Rückwand beträgt hier etwa acht Meter. - Auch bei diesem Monument muß man an eine vorgeschichtliche Entstehung denken.
Von einem anderen Felsportal am westlichen Stadtrand von Bern habe ich erst 2002 durch ein Mitglied unserer Vereinigung erfahren.
Gäbelbach (Bern-Bümpliz)
Das Felsportal im Gäbelbach im Westen der Stadt Bern
Foto: Autor, 11.2005
Der Felsaufbruch Gäbelbach liegt am linken Ufer des gleichnamigen Gewässers und ist in einen kleinen frei liegenden Felsaufschluß getrieben (Koordinaten: 595340/200260) (vgl. den Plan).
Die Dimensionen des Portals im Gäbelbach sind ungefähr die gleichen wie bei den anderen: Länge der Rückwand 6 m, Höhe der Rückwand 5 m, Länge der Schmalseiten: je 5 m (alles ungefähre Werte).
Die gute Erhaltung der Anlage verdient hervorgehoben zu werden.
Kartenausschnitt mit dem Felsportal Gäbelbach BE
(Isoliertes Waldstück im unteren Teil, links des Gäbelbaches)
Deutung; Ich sehe in diesen Felsaufbrüchen Kultanlagen. Sie sind als riesige Nischen anzusehen, in denen in vorgeschichtlichen Zeiten ein hölzernes Götterbild gestanden hat. Diese aus einem Stamm geschnitzten Standbilder waren von weitem sichtbar.
Etliche solcher Holzstelen hat man in Westschweizer Seen gefunden. Hier unten ein Beispiel aus dem Neuenburger See: die Madonna von "Yverdon".
"Madonna von Yverdon": Holzstele einer weiblichen Göttin, ausgestellt im Laténium NE
12/2004/11/2005/8,2011