Bern, der Bär und der Wagen
Ein Sternbild im Weichbild von Bern und neue Überlegungen zum Ortsnamen
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Vorbemerkungen
Mit einer Neubetrachtung der gallorömischen Vorzeit der Gegend von Bern begann ich vor zehn Jahren einen neuen Vorstoß in die ältere Geschichte. Die dabei gemachten Entdeckungen faßte ich in meinem Buch Die Ursprünge Berns zusammen
Die zuerst lokal begrenzten Überlegungen weiteten sich bald zu einer Neubeurteilung der älteren Geschichte. Sie führte mich zu der neuen Disziplin der Geschichts- und Chronologiekritik (vgl. dazu die Thesen zur Geschichts- und Chronologiekritik).
Die Geschichts- und Chronologiekritik versuche ich in Die Matrix der alten Geschichte (2006) zu einem Gesamtbild zu vereinigen.
Unmittelbar darauf wandte ich die gewonnenen allgemeinen Erkenntnisse auf die ältere Geschichte der Eidgenossenschaft an. Frucht dieser Bemühungen ist das Buch Bern und die alten Eidgenossen (2008).
Die Ortsnamen der Schweiz und Europas behandle ich in dem Buch Der Vesuv ist überall (2007)
Rückblickend zeigte sich, daß nur die Verbindung von allgemeinen, regionalen und lokalen Erkenntnissen zu fruchtbaren Ergebnissen führt. - Weder ist es möglich, aus einem engen Blickwinkel ein Thema richtig zu erfassen, noch dürfen allgemeine Behauptungen den einzelnen Feststellungen widersprechen.
Eine interdisziplinäre Betrachtungsweise im wahrsten Sinne des Wortes ist bei der älteren Geschichte und Vorgeschichte notwendig. Philologie, Geschichte, Heimatkunde, aber auch Astronomie und Erdgeschichte, sogar technologische Überlegungen, führen allein zu Ergebnissen, die der eigenen und fremden Kritik standhalten.
Die fortgesetzten Studien zum Ursprung des Namens Bern machen hier keine Ausnahme.
Bern und Brenodurum
Mutmaßungen zum Ursprung des Namens Berns brachte ich zuerst in dem erwähnten Berner Bär, dort ausgehend von der belegten Form BRENODURUM (Der antike Berner Bär, 42 ff.).
Bekanntlich wurde auf der gallorömisch belegten Engehalbinsel nördlich des Zentrums von Bern vor zwanzig Jahren ein Zinktäfelchen gefunden, auf welchem in griechischer Schrift die keltisch-lateinischen Worte DOBNORAEDO GOBANO BRENODOR NANTAROR eingepunzt waren. Diese Votiv-Inschrift läßt sich deuten als: Die Bewohner von Brenodurum im Aar-Tal dem Wagnergott Gobanus.
Die Echtheit der Inschrift steht außer Zweifel. - Doch vor dem 18. Jahrhundert gibt es meiner Auffassung nach keine plausible Chronologie und keine bedeutenden schriftlichen Aufzeichnungen. Somit beweist das Zinktäfelchen von Bern-Enge viel und wenig zugleich.
Das BRENODURUM meint sicher das heutige Bremgarten, nach meinen Forschungen das alte Zentrum der gallorömischen Engehalbinsel.
Aus dem Wortteil BRENO erhält man natürlich durch Metathese auch BERNO, Bern. - Eine Zweideutigkeit bleibt also.
Über die Ortsnamen der Schweiz unterrichtet seit 2005 das Werk Der Vesuv ist überall (Buch) und Der Vesuv ist überall (elektronisches Ortsnamen-Wörterbuch).
Doch die erwähnte Inschrift wird uns später noch einen hoch interessanten Hinweis zum Ortsnamen Bern selbst liefern.
Bern, ein rechtgläubiges Troja
In meiner Analyse der älteren Geschichte der alten Eidgenossen widmete ich ein eigenes Kapitel dem Ursprung der Städtenamen Basel, Bern und Zürich (Mär, 242 ff.).
Bern hat paradoxerweise die Matrix, also die Blaupause für die übrige Geschichte der Schwyzer Eidgenossen vorgegeben. Um so mehr kann man annehmen, daß sich die Aare-Stadt sicher einen besonders prestigeträchtigen Namen zugelegt hat.
Die Blaupause der im 18. Jahrhundert erfundenen älteren Geschichte - des Altertums und des Mittelalters - folgte vor allem der Troja-Matrix. - Bern machte dabei keine Ausnahme. Deren fingierte Ursprünge verwerteten den berühmten Sagenkreis gleich mehrfach.
Dabei ergab sich, daß Bern sich nicht als gewöhnliches, sondern als rechtgläubiges, man möchte sagen byzantinisches Troja verstanden wissen wollte. - Ich habe diese Gedankengänge in meinem Internet-Artikel Bern, ein rechtgläubiges Troja nachgezeichnet. - In dem gleichen Beitrag erkläre ich auch die Namens-Gleichheit zwischen Bern (Deutsch-Bern) und Verona (Welsch-Bern).
Die Stadt sah sich als Residenz des trojanischen Oberkönigs Priamus, Akkusativ PRIAMUM. Die Entvokalisierung ergibt PRM, woraus sich durch Revokaliserung mit Leichtigkeit BERNAM, Bern heraus destillieren läßt.
Die Belege, daß sich Bern tatsächlich als rechtgläubiges Troja darstellte, finden sich auch in der Namenlandschaft des Bernbiets. Der große Artikel Die heiligen Berge des Bernbiets zeigt dies an einer Vielzahl von Berg- und Ortsnamen.
Doch die alten Berner um vielleicht 1600 AD sahen sich nicht nur als Trojaner, sondern offenbar auch als Hebräer. - Das erklärt, weshalb die Stadt bei der Glaubensspaltung - die ich in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts sehe - zum protestantischen Dogma wechselte.
Auf die zahlreichen hebräischen Orts-, Berg- und sogar Flußnamen weise ich in dem Artikel Die Hebräer im Bernbiet hin.
Im Besonderen habe ich den südlich der Stadt gelegenen Gurten-Berg als ursprünglichen Burgberg von Bern erkannt. Der Name des Hügels leitet sich nämlich ab von CURTIM, Nominativ curtis, was Hof, besonders Königshof bezeichnet. - Der Sage nach baute sich nämlich König Priamus auf dem Berg vor Troja eine große Königsburg. Man lese darüber den Artikel Der Gurten als einstiger Burgberg von Bern.
Die Vorliebe der Alten für konkrete Formen
Ein anderer Gesichtspunkt der Betrachtung ist mir erst bei der Betrachtung von merkwürdigen Felsformen im Bernbiet aufgefallen.
Sieben Kilometer nordöstlich von Bern liegt auf einem Sandstein-Grat die bekannte Burgruine Geristein. Über die Baugeschichte der Burg habe ich mir in der Einleitung der Neuausgabe einer alten Novelle von 1825 Gedanken gemacht: Johann Rudolf Wyss: Der Abend zu Geristein.
In der gleichen Einleitung zur Erzählung, aber auch in einem besonderen Artikel widme ich mich einer merkwürdigen Felsformation bei der Ruine Geristein: Der "Elefant" von Geristein. - In dem Grat erkennt man nämlich ein großes Felstor, dessen Bogen sich wie der Rüssel eines solchen Tieres ausnimmt. - Gleich daneben erhebt sich ein hoher Felszacken, den man als Stosszahn eines Elefanten deuten kann.
Meiner Meinung nach ist diese Elefanten-Figur zeitgleich mit der Anlage der Burg geschaffen worden - meiner Meinung nach gegen Ende des 17. Jahrhunderts.
Und im Berner Jura gibt es die berühmte Pierre Pertuis, ein römischer Felsdurchbruch, durch den eine Strasse in nordsüdlicher Richtung führte. Dazu machte ich ebenfalls meine Überlegungen. Ich erkannte in dem dortigen Felstorbogen die Schnauze eines Dachses. Und der Beleg dafür liegt unmittelbar am Fuße dieses Tunnels in dem Ort Tavannes, der auf Deutsch Dachsfelden heißt.
Man vergleiche dazu: Die Pierre Pertuis als menschengestaltetes Naturwunder.
Bildliche Darstellungen waren also namengebend. Und solche Bilder wurden bewußt in Felsen gehauen. - Die Alten dachten konkret und in Bildern - weil die Schrift noch keinen besonderen Stellenwert hatte.
Geoglyphen und Urbanoglyphen
Auch Anregungen von außen brachten neuen Schub in die Überlegungen zum Namen und zur Gestalt von Bern.
Hansmartin Ungericht aus Ulm hat mir bei einem Besuch in Bern einige nützliche Hinweise zur alten Stadtstruktur gegeben. - Und vor allem hat er mich auf Merkwürdigkeiten in den historischen Landschaften und Städten hingewiesen. In und um Ulm hat Ungericht nämlich Tierfiguren festgestellt, welche durch besondere Markpunkte, alte Wege und Mauern bestimmt waren.
In alten Landschaften lassen sich also Erdbilder = Geoglyphen, und in den Weichbildern alter Orte Stadtbilder = Urbanoglyphen erkennen.
Die Sache hörte sich sehr interessant an. Doch andere Betrachtungen hatten den Vorrang. So unterließ ich deshalb für längere Zeit die Suche nach solchen Bildern in der engeren Heimat.
Erst Herwig Brätz aus Rostock hat mich wieder angeregt, im Stadtplan nach Bern nach möglichen Bildern zu suchen und präsentierte mir sogar Ansätze für Lösungen.
Doch immer noch zögerte ich, weil mir die eigenen Grundlagen nicht genügend schienen, um einen Nachweis zu führen.
Das Ankh in Bern
Wesentlich schneller reagierte ich auf eine freundliche Bemerkung von Gernot L. Geise. Dieser wies mich auf eine bereits 1992 von Thomas Riemer geäußerte Feststellung hin, wonach sich in den Grundrissen alter europäischer Städte häufig ein Ankh-Kreuz fände.
Das ägyptische Ankh- oder Henkelkreuz besteht aus einer Schlaufe und einem Stiel. Die Kreuzform ergibt sich durch einen Querstab, welcher den Schnittpunkt zwischen Stab und Schlaufe quert.
Da ich bereits sehr viele Überlegungen zum alten Bern gemacht hatte, fiel es mir leicht, im Grundriß der Stadt ein Ankh nachzuweisen. Die Ergebnisse publizierte ich in Efodon Synesis, Heft 6 (2002) und in dem Online-Artikel Das Ankh von Bern. Neue Überlegungen zur alten Stadtstruktur von Bern, Bremgarten bei Bern und Aventicum.
Ein Ankh in einer alten Stadt hat einen Stab, dessen anderes Ende grundsätzlich in die Schlaufe eines Ankhs einer anderen Stadt hinein greift. Für Bern war dies die 77° SW-Linie nach Aventicum.
Nebenher brachte die Erkenntnis eines Ankhs in Bern die ganze konventionelle Erklärung der "mittelalterlichen" (oder gallorömischen?) Stadtentwicklung durcheinander.
Bern und Byzanz
Schon erwähnt habe ich die Selbstdarstellung Berns am Anfang der Geschichtszeit als rechtgläubiges, als byzantinisches Troja.
Der Vergleich zwischen Bern und Byzanz ist nicht nur abstrakt sondern konkret, wie ich nachher erkannte:
Byzanz, das ist bekanntlich Besançon, die Stadt an einer Flußschleife des Doubs in der französischen Freigrafschaft. - Von dieser Stadt benannten die Franzosen in später vorgeschichtlicher Zeit auf ihren Zügen gegen Osten den Ort an den Meerengen.
Byzanz am Bosporus wurde so benannt, weil jener Ort gleich wie die namengebende Stadt in der Freigrafschaft von drei Seiten von Wasser umgeben ist. - Dabei spielt es keine Rolle, ob dies wie im Osten Buchten der Meerengen oder wie im Westen die Schlaufe eines Flusses ist.
Sofort kommt auch die Topographie von Bern ins Spiel: Auch diese Stadt ist innerhalb einer bauchigen Flußschleife angelegt - wie Besançon.
Bern hätte auch den Namen Byzanz wählen können. - Es hat dies nicht gemacht. Aber im Bernbiet gibt es zwei Byzanz-Ortschaften: Bözingen bei Biel und Bösingen bei Laupen.
Die erfundene alte Geschichte Berns beweist die Stadt als Byzanz: Angeblich habe König Rudolf von Habsburg "1288" zweimal vergeblich die Stadt Bern belagert. - Im Folgejahr jedoch erobert der Herrscher die Stadt Besançon - und auch Bern wird erobert!
Rudolf von Habsburg ist beiläufig erwähnt eine Parallelgestalt zum römischen Kaiser Septimius Severus. Auch dieser belagerte und eroberte Byzanz (welches?) in drei Anläufen oder in drei Jahren.
Bern, Bernrain und Wagenrain
Andere wichtige Hinweise zum Namen Bern und zum Weichbild der Stadt ergaben sich für mich aus der keltischen Landvermessung.
Bei meiner Neubetrachtung der gallorömischen Engehalbinsel bei Bern fand ich in der dortigen Arena (vgl. dazu: Der antike Berner Bär und den Online-Artikel: Die Arena auf der Engehalbinsel bei Bern und der Ursprung des Berner Bären) das alte Vermessungs-System heraus.
Die Linien, welche kreuz und quer durch die Landschaft gezogen wurden, waren dabei an besonderen Markpunkten aufgehängt oder fixiert. Und jede Linie folgte einer Himmelsrichtung, die von einem bestimmten Sonnenstand abgeleitet war.
In diesem Zusammenhang interessieren ein paar 58° NE-Linien, die über die Region Bern laufen.
58° NE bedeutete in der keltischen Landvermessung der Azimut des Sonnenaufgangs zur Zeit der Sommer-Sonnenwende bei einer Elevation von 3° (54, 5 + 3 = 58, 5° NE).
Nun fällt auf, daß es rund um Bern drei Ortschaften gibt, die Namenspaten im aargauischen Freiamt an der Reuss haben. Die Rede ist von Wohlen, Bremgarten und Muri.
Vergleiche dazu den Online-Artikel Bern, Bremgarten und Wohlen: im Aargau und im Bernbiet.
Die Gleichnamigkeit der drei Orte kann kein Zufall sein, wie ich durch mehrere Indizien herausfand. Beispielsweise sind beide Bremgarten in der engsten Stelle einer bauchigen Flussschleife angelegt. - Auch hier also wieder ein Beweis für die bildliche Gestaltungsweise der alten Baumeister.
Doch am Verblüffendsten ist, dass die genannten drei Orte sich durch die erwähnten 58° NE-Linien verbinden lassen. - Damit ist jeder Zweifel an der Zufälligkeit der Benennungen ausgeschlossen.
Die Verbindung der drei Orte Bremgarten, Muri und Wohlen in zwei entfernten Landstrichen liess bei mir die Frage aufkommen, wie es denn bei Bern mit einem möglichen Limitations-Azimut bestellt sei. Könnte nicht auch von Bern aus in nordöstlicher (oder südwestlicher) Richtung eine 58° NE-Linie auf einen gleichnamigen oder ähnlich heissenden Ort treffen?
Gesagt, getan. Nach NE trifft die erwähnte Linie vom Berner Münster aus kurz vor Kreuzlingen am Bodensee auf eine Erdburg, die BERN-Rain heisst!
Im Gebiet der drei Orte Bremgarten, Wohlen und Muri im aargauischen Freiamt jedoch schien sich kein Name zu finden, der zu Bern passt. Oder doch?
Die 58° NE-Linie von Bern nach Bern-Rain überfährt bei Muri im Aargau einen Hügelrücken, der WAGEN-Rain heisst.
Erst langsam kamen mir bei diesem Namen Hinweise, die zweifelsfrei auf Bern - und die Engehalbinsel bei Bern - deuteten.
Alexander der Grosse und der Wagen auf dem Burgberg von Gordion
Bereits beim Nachweis des Ankhs von Bern deutete ich die Linie, welche von Bern nach Aventicum führt, als die Deichsel eines Wagens. - Der Vergleich ist mehr als richtig: Bern hatte etwas mit dem Wagen, und zwar in zweierlei Hinsicht.
Bei der Analyse der älteren Berner Geschichte fielen mir die Burgunderkriege mit den berühmten Schlachten bei Grandson und Murten als exakte Parallelität zum Krieg Alexanders des Grossen gegen die Perser auf. - Der Unterschied ist nur der, dass der Burgunderherzog zwar Alexander darstellt, aber in dieser Version die Verliererrolle der Perser spielt. Die Berner und Eidgenossen hingegen sind formal Perser, siegen aber wie die Makedonen.
Nun gibt es in der Alexander-Geschichte auch die berühmte Legende vom Gordischen Knoten.
Angeblich hätte der makedonische König nach der Eroberung von Halikarnassus im SW von Anatolien einen weiten Umweg hinauf ins Landesinnere gemacht, um dort die Stadt Gordium (Gordion) zu besuchen. - Dort hätte der Herrscher auf dem Burgberg mit dem Schwert einen Knoten durchtrennt, der einen Wagen mit einer Deichsel verband.
Die Episode von Gordion nimmt sich auch innerhalb der erfundenen Geschichte sehr unglaubwürdig aus. - Doch nichts wurde ohne Sinn angefügt.
Alexanders Ausflug nach Gordion mutet wie ein Einschub in die Sage an. Und erfunden haben diese Geschichte sicher Bern oder die Westschweiz. Denn der Burgberg von Gordion ist der Burgberg von Bern, der - wie bereits gesagt - Gurten heisst.
In meinem Artikel Alexander der Grosse gelangte bis Aarberg weise ich nach, wie sehr diese angeblich antike Geschichte sich auf Bern und die Westschweiz bezieht.
Und Bern hat einen Wagen in seinem Weichbild, wie gerade bewiesen wird.
Die Spitalgass-Anomalie als Ansatz einer Erklärung
Bereits seit längerer Zeit fiel mir im Grundplan der alten Stadt Bern die besondere Orientierung der Spitalgasse auf.
Während die Hauptachse der Stadt nach der Burg Nydegg über die Gerechtigkeitsgasse, Kramgasse und Marktgasse, oder nach der Nydegg über den Zytgloggeturm und Käfigturm in einer geschwungenen Linie verläuft, so macht die Spitalgasse - die Hauptgasse der letzten "mittelalterlichen" Stadterweiterung einen abrupten Knicks nach SW. Und diese Strasse verläuft schnurgerade, nicht geschwungen.
Ich nannte diese Merkwürdigkeit bald die Spitalgass-Anomalie des Stadtplans von Bern. - Und die Erklärung lieferte die keltische Landvermessung und die Entdeckung des Ankhs.
Die schnurgerade Orientierung der Spitalgasse erklärt sich als Limitationsazimut von 77° NE oder 257° SW und führt zum Ost-Tor oder Nord-Tor der Stadtmauer des römischen Aventicums. - Symbolisch stellt diese Linie den Stab des Ankhs dar.
Aber gleichzeitig könnte diese Orientierung auch als überlange Deichsel eines Wagens aufgefaßt werden. Damit aber werden zwei Dinge angesprochen: Der Gordische Wagen mit seiner Deichsel und das Sternbild des Grossen Wagens oder des Grossen Bären.
Mit dem letzteren Namen des Sternbilds würde auch gleich erklärbar, weshalb Bern den Bär als Wappentier hat.
Der Grosse Bär oder der Grosse Wagen im Grundriß von Bern
Bekanntlich besteht das genannte Sternbild aus zwei Figuren: einem Wagen mit überlanger Deichsel und einem schreitenden Bären, der die erstere Figur als einen Teil enthält.
Die Frage ist nun: Müssen beide Figuren als Geoglyphen, beziehungsweise als Urbanoglyphen vorhanden sein oder nur eine?
Ich persönlich meine, daß mindestens der Wagen nachweisbar sein muß. Der Bär wäre wohl schwieriger zu finden. - Und noch wichtiger: Die beiden Namen der Sternbilder sind miteinander verschränkt; das eine ergibt sich folglich aus dem anderen.
Um ein Sternbild in einer Stadt herauszufinden, müssen Brunnen, Kirchen, Rathäuser, Wehrtürme und Tore betrachtet werden. Jedes dieser Objekte kann einen Stern darstellen und gesamthaft ein Bild ergeben. Stadtmauern und Gassen können die Konturen der Figuren nachzeichnen.
Auf Grund dieser Überlegungen habe ich die einige wichtige Objekte im Weichbild oder Grundriß des alten Berns ausgewählt, in der Hoffnung, darin das Vexierbild einer Himmelsfigur zu erkennen (vgl. den Plan).
Tatsächlich läßt sich im Grundriß von Bern ein Wagen bilden, dessen vier Eckpunkte vom Münster (M), Rathaus (R), der Dominikanerkirche (K) und der alten Lateinschule (L) gebildet wird. Die Deichsel des Wagens bildet die von der Dominikanerkirche nach Aventicum weisende 77° NE-Linie.
Und wie am Sternenhimmel, so findet sich auch im Weichbild von Bern der Wagen eingebettet als Teil des Grossen Bären. Dessen Kopf erkennt man im Osten in dem charakteristischen Nydegg-Quartier an der Aare - noch heute städtebaulich als eigene Stadt erkennbar.
Der Bär hat auch Füße. Diese müssen südwärts über den Umkreis der Stadt hinausragen. - Doch soll hier nicht versucht werden, die entsprechenden Markpunkte zu bestimmen.
Die Alten wußten, daß sie Bilder über den Stadtgrundriß legten. Und sie nannten die Sternbilder sogar.
Die letzte alte Befestigung Berns waren die Sternschanzen, die etwa um 1720 - 1730 gegen Westen errichtet wurden. Sie sollten die Stadt gegen die neu aufgekommene Artillerie verteidigen.
Die einzelnen Bastionen dieser nach holländischem Muster errichteten Schanzen hatten Namen: Wächter, Christoffel, Hohliebe und - GROSSER BÄR! - Die bisherige Stadtforschung hat sich noch nie Gedanken gemacht, weshalb eine Bastion genau diesen Namen trug. - Der Berner Bär steht dahinter, oder genauer gesagt das Sternbild des Grossen Bären.
Die Wagner von Brenodurum
Sowohl der Bär wie der Wagen haben gallorömische Wurzeln - die nach der neuen Chronologie nicht so weit vor der Geschichtszeit des 17. Jahrhunderts zurückreichen.
Bereits wurde die Inschrift vom Zinktäfelchen von der Engehalbinsel genannt, welche von einem Wagen (RAEDA) und einem Wagner-Gott GOBAN(N)US spricht.
Das Oppidum und der Vicus auf jener Halbinsel beherbergten also auch Wagner als Handwerker.
Und aus Muri bei Bern haben wir die bekannte Statuettengruppe der DEA ARTIO, der keltischen Bärengöttin.
Seit vielen Jahren habe ich die Vermutung, daß das "mittelalterliche" Bern die Symbole des Wagens und des Bären von der Engehalbinsel in die Aare-Schlaufe versetzt habe. Die keltische Landvermessung liefert solche Hinweise.
Im östlichen Teil der Halbinsel der Enge wurde zu Beginn des 20. Jahrhunderts ein langer und schmaler sogenannter Korridorbau festgestellt. Man vermutet, daß dies eine Votivgalerie gewesen sei. - Das genannte Zinktäfelchen wurde 1984 dort gefunden.
Im Elsaß, im Ort Soultzmatt, gibt es eine Wagenburg. - Könnte es nun sein, daß diese mit der Enge oder mit Bern durch eine besondere Orientierung verbunden sind?
Die Rechnung ergibt, daß die Wagenburg im Elsaß mit dem Korridorbau auf der Engehalbinsel durch eine Linie von 351° NW verbunden sind.
Diese Orientierung nun hat auf der Enge, westlich des Korridorbaus und nördlich der Arena, auch ein gallorömischer Tempel, über dem in christlicher Zeit eine Kapelle errichtet wurde. - War dies der dem Gott Gobanus geweihte Tempel?
Die Kapelle war dem heiligen Ägidius geweiht - oder dem Saint-Gobain, der in Frankreich in alter Zeit verehrt wurde?
Nicht nur Bern, auch die Enge weist also mit einer Orientierung auf einen geographischen Namen, der WAGEN enthält.
Die Wiedergewinnung der historischen Ursprünge
Meine Erkenntnisse über die Geoglyphen im Bernbiet und die Urbanoglyphen im Weichbild von Bern sind noch unvollständig. Doch die Ansätze sind da.
Sicher aber ist bereits: Die alten Zeiten waren anders, als die bisherige Geschichte sie darstellt. Die kreative Phantasie der Alten war unerschöpflich, ihre bildnerischen Fähigkeiten vielfältig. Dergestalt schufen sie in ihren Landschaften und Siedlungen Vexierbilder, die wir Heutigen erst ansatzweise verstehen. - Und nie werden wir den ganzen Umfang entschlüsseln. Das ist auch nicht nötig. Das Staunen bleibt auch so, ebenso die Freude über die Wiedergewinnung der realen historischen Ursprünge unseres Paradigmas.
15.3.2005