Bärhegen - eine Erdburg hoch im Emmental

Die Burgstelle Bärhegen nördlich von Wasen BE und das Geheimnis ihrer Form


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Bärhegen wird auch erwähnt im Buch des Autors:

Die Ursprünge Berns. Eine historische Heimatkunde Berns und des Bernbiets. Mit besonderer Berücksichtigung der Burgen und mit einem autobiographischen Anhang (2013)


Plan der Erdburg Bärhegen bei Wasen BE

Die Äquidistanz der Höhenkurven beträgt 1 m.

Die Fischform ist deutlich zu erkennen. - Neben einem Delphin könnte der lange Schnabel gegen SW auch einen Schwertfisch andeuten.

Plan: Autor, 2017


Der bewaldete Hügel von Bärhegen von Westen aus gesehen

Foto: Autor, 7.2008


Bärhegen von N (Oberwald) aus

Foto: Autor, 7.2008


Bärhegen von N (Oberwald) aus

Foto: Felix Brodmann, 15.7.2010

Vgl. die Webseite: http://www.verges.ch/


Bärhegen - bekannt dank Gotthelf

Jeder kennt Jeremias Gotthelf, den Emmentaler Schriftsteller der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Sein wohl bekanntestes Werk ist die Erzählung Die Schwarze Spinne. Darin werden zwei Erdburgen in der Gegend von Sumiswald erwähnt: zum ersten die gewaltige Burgstelle Münnenberg bei Grünenmatt und die Burg Bärhegen auf dem Bärhegenknubel, nordnordöstlich von Wasen (Kanton Bern).

Wir wollen uns nicht weiter mit Gotthelfs Novelle befassen, sondern die bekannte und doch rätselhafte Burgstelle Bärhegen betrachten.


Darstellung eines Schwertfischs in der Cosmographia von Sebastian Münster


Darstellung eines Delphins in einem Mosaik aus Avenches VD


Die Burgstelle Bärhegen

Der Bärhegenknubel liegt auf einem Höhenzug nördlich von Wasen im Emmental. Der Burghügel erreicht eine Höhe von 987 m über Meer.

Die Burgstelle bildet ein längliches, geschwungenes Dreieck mit einer NNW ausgerichteten Achse. Bärhegen ist eine typische Höhenburg, wie im Bernbiet etwa Tschuggen bei Oberbalm oder der Bantiger-Berg.

Der heutige Zugang führt von Norden über einen schwanzartigen und geschwungenen Ausläufer vom Fahrweg im NW. Auf diesem erreicht man einen ersten steilen Hügel. Dieses Ausläufer war gegen Süden durch einen ersten Graben abgetrennt, der heute zugeschüttet, aber noch erkennbar ist.

Es folgt ein erster kleiner Vorhügel (Quote 982).

Über einen tiefen Halsgraben gelangt man zum zentralen grossen Burghügel (Quote 987) von länglich-ovaler Form. Die Kuppe der Motte zeigt keinerlei besondere Merkmale. Solche sind verschwunden, weil zu verschiedenen Zeiten Sondierungen vorgenommen wurden. Die Masse des Burgplateaus sind etwa mit 9 x 21 m anzusetzen.

Dem Burghügel ist an seinem südöstlichen Fuss ein Graben mit Grabenwand vorgelagert.

Ebenfalls trennt an seinem südwestlichen Fuss ein Graben mit Grabenwand den Burghügel.

Auffällig ist die schnabelartige Fortsetzung der Burganlage gegen SSW. Man möchte meinen, dieser schmale Erdgrat sei künstlich nachbearbeitet worden.

Die Anlage war wohl immer eine reine Erdburg geblieben. Mauerspuren sind keine zu entdecken.

Man muß wissen, daß die Burg in den letzten anderthalb Jahrhunderten nicht unberührt geblieben ist. Wohl hauptsächlich auf der Motte wurden 1859, 1914. 1921, 1937 und 1967 Sondierungen durchgeführt. Der Grund für diese wiederholten sinnlosen Grabungen war wohl die Bekanntheit, welche Bärhegen durch Gotthelfs Novelle erlangt hatte.

Blick vom Burghügel von Bärhegen auf das nördlich gelegene Vorwerk. Im Vordergrund der Hauptgraben.

Aufnahme: Felix Brodmann, 15.7.2010


Blick vom Vorhügel von Bärhegen auf den zentralen Burghügel

Aufnahme: Autor, 19.7.2015


Welches Tier stellt der Grundriß der Burg dar?

Die Alten bauten Wehranlagen und Stadtgrundrisse meistens nicht nach rein rationalen Grundsätzen. Etliche Forscher - auch der Autor - widmen sich seit Jahren den Figuren und figürlichen Formen, die in Burgen und alten Städten versteckt sind.

Im Plan der Teufelsburg bei Rüti bei Büren etwa ist die Figur eines Vogels enthalten. - Und die Erdburg Fenis oder Hasenburg südlich von Vinelz BE stellt überdeutlich einen Penis dar.

Auch die Erdburg Bärhegen enthält zweifellos eine Figur in ihrem Grundriß. Wenn man den Plan um 90° dreht, so rätselt man über die Tierform, welche darin sicher versteckt ist.

Wir nehmen des Rätsels Lösung voraus: Die Burganlage Bärhegen stellt zweifellos einen Fisch dar.

Vielleicht ist ein Delphin gemeint. In alten Zeiten wurde aber bei Wasserlebewesen nicht besonders unterschieden zwischen Fisch, Schwertfisch, Delphin und Wal.

Mosaik aus Ostia Antica mit der Darstellung eines Delphins


 Bärhegen: ein zusammengesetzter hebräischer Name

Der Name der Burgstelle ist sicher hebräisch und ein zusammengesetzter Begriff.

Allerdings kann der genaue Sinn nur erraten werden. Folgende Elemente sind festzuhalten:

In BÄR steckt be'er = Brunnen, Wasserstelle, Quelle.

HEGEN kommt von  hag'gan = der Garten (Eden). Die gleiche Wurzel ist auch im Namen des höchsten Berges des Emmentals enthalten, dem HOHGANT.

Das HEGEN könnte natürlich auch ein abgewandeltes dag'im = Fische darstellen. - In diesem Falle wäre die Fischform erklärt.

Man wisse, dass das Hebräische nur ein Wort für Fisch, nicht jedoch für Delphin und Wal kennt.

Es gibt auch einen Familiennamen BARHEGEN.

Die hebräischen Bestandteile im Ortsnamen Bärhegen zeigen, wie stark das deutsche Sprachgebiet durch das Hebräische durchdrungen ist. Hebräisch ist hier in Oberdeutschland, in Helvetien, vielleicht sogar im Bernbiet entstanden (vgl. dazu auch: Hebraica historica).


 Juli 2008/Juli 2010/10.2010, 2017