Archäologie und Chronologiekritik am Beispiel des (pseudo-)antiken Griechenlands

von K. von Phillipoff (1931)


 Der vorliegende Text ist eine Bearbeitung von Gabowitsch und vom Autor und ursprünglich 1931 in einer Kölner Zeitung erschienen.

Trotz seiner Kürze hebt der unbekannte Autor wesentliche Dinge der Fälschung der griechischen Antike hervor.


Cyriacus von Ancona: Parthenon in Athen, Westseite

Seit dem 19. Jahrhundert gilt als selbstverständlich, dass die "alten Griechen" den gewaltigen Tempel erbauten, welcher der jungfräulichen Athene geweiht war.

Doch es waren wohl Katalanen, Franken oder Italiener, welche diesen Tempel in altgriechischem Stil erbaut haben. In Tat und Wahrheit war der Parthenon eine christliche Kathedrale, der Jungfrau Maria geweiht.


 

Woher stammen die viel bewunderten "antiken" Bauwerke aus Sicht der Chronologiekritiker? Sind sie Fälschungen? Sicherlich nicht. Aus Sicht des Historikers K. von Phillipoff (1931) sind sie jedoch auch keineswegs Erzeugnisse jener Zeitepochen, denen sie gewöhnlich zugeschrieben werden.

Beispiel Griechenland: Wohl ursprünglich von Slawen besiedelt, wurde es erst zu Beginn des 13. Jh. von den Kreuzfahrern im vierten, dem "lateinischen" Kreuzzug erobert und unter den einzelnen Feudalherren zumeist französischer, burgundischer, flämischer und italienischer Herkunft, aufgeteilt.

Die Chroniken berichten übereinstimmend von großen Bauten, welche die westlichen Kreuzfahrer in Griechenland errichteten. Mit keinem Wort ist dort die Rede von altertümlichen Bauwerken. Moderne Archäologen wollen jedoch heutzutage keine Spuren von den Prachtbauten der lateinischen Herren sehen. Vielmehr werden alle Ruinen dem Altertum zugeschrieben.

Im 14. Jh. wurden die ostfranzösischen Feudalherren von den Katalanen besiegt. Die Hauptschlacht fand in Kephissa („1311) statt, wo viele Ritter in einer seichten Sumpfstelle untergingen. Als man im Jahre 1840 dieses Moor urbar machen wollte, fand man viele verrostete Rüstungen, die eine auffallende Ähnlichkeit mit denjenigen der mittelalterlichen Ritter aufweisen.

Dazu nochmals von Phillipoff:

Der katalanische Chronist Muntaner, der die Zeitgeschichte seines Volkes aufschrieb, gibt die Hauptereignisse der Trojasage wieder und fügt hinzu, daß er selbst zusammen mit den anderen katalanischen Rittern, an der Zerstörung Ilions teilgenommen habe.

Die Namen der historischen Personen stimmen mit denjenigen der Ilias überein: Paris, König von Troja, Menelaus, Herzog von Athen, Helena, seine Gattin, usw. - Der Trojanische Krieg entpuppt sich also als eine Episode aus dem 13. Jahrhundert. Der Herzog von Theben war damals der flämische Graf de Saint‑Omer, einer der hervorragendsten Troubadoure des lateinischen Griechenlands. Er machte daraus ein Epos. Die griechische Bevölkerung, die zur Orthodoxen Kirche gehörte, ließ immer das "Saint"' bei seinem Namen weg und setzte ihm üblicherweise ein" H "' (Spiritus asper) vor. So entstand der Name Homer.

Während der Eroberung durch die Türken in der Mitte des 15. Jahrhunderts (*) flüchteten viele Griechen nach Italien. Jahre später, so von Phillipoff weiter, bereiste der gewiefte Kaufmann Kyriakus de Pizzikolli oder Cyriacus von Ancona genannt, die Trümmerfelder Griechenlands. Den alten Palastbauten der Feudalherren gab er neue Namen: das Schloß der Herzöge von Athen (Basileia) wurde zum Zeus‑Tempel, das große Palais (Palation Megiston) zu den Propyläen. Als "Vater der griechischen Archäologie" gründete er später ein Handelshaus, das, mit Hilfe der besten italienischen Bildhauer jener Zeit, Bestellungen auf Standbilder, Vasen und andere klassische Kunstgegenstände annahm und stets pünktlich ausführte. So erwuchs aus dem kargen Boden Griechenlands die fantastische Mär eines um zwanzig Jahrhunderte zurückversetzten Hellas.

Mit der "Ewigen Stadt" Rom verhält es sich nicht anders. Keiner der frommen Pilger erwähnte bis ins 13. Jh. hinein die Kolossalbauten, die jetzt allgemein als Überreste des Altertums betrachtet werden.


(*) Anfügung des Autors:

Die "antike" und "mittelalterliche" Geschichte Griechenlands, vor allem von Athen und Morea (dem Peloponnes) ist chronologiekritisch in die erste Hälfte des 18. Jahrhunderts zu setzen. Etwa um 1760 scheint ganz Hellas osmanisch geworden zu sein.

Für weitere Ausführungen zum Thema antikes und mittelalterliches Griechenland vergleiche das Werk des Autors Die Matrix der alten Geschichte (2012).