Die Burgruine Ägerten (Aegerten)

Eine besondere Burgstelle auf dem Gurten südlich von Bern


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Über den hier erwähnten alten Berner Maler Albrecht Kauw vergleiche auch den Web-Artikel:

Albrecht Kauw - ein Berner Maler um 1750

Die Burgruine Ägerten wird auch behandelt in dem neuen Buch

Die Ursprünge Berns. Materialien für eine Neubetrachtung.


Die Lage der Burgstelle

Die Burgstelle Aegerten (Ägerten) liegt gut einen Kilometer im Südwesten des Ostsignals des Gurten-Bergs, oberhalb des Weilers Gurtendorf (vergleiche die Abbildung).  Die Lage auf einem markanten östlichen Vorberg des Hügelrückens ist bemerkenswert.

Die höchste Erhebung des Burghügels von Aegerten liegt auf 814 Meter über Meer. Damit ist die Wehranlage eine typische Höhenburg. - Wäre heute die Bewaldung nicht, so hätte man von dort eine prachtvolle Aussicht gegen Bern und ins Aare-Tal.

Blick auf die Burgstelle Ägerten von Westen

Man erkennt durch den Wald hindurch deutlich den Ringwall, der den steilen Burghügel umgibt.

Foto des Autors vom 28.2.2004


Ruine Ägerten (Aegerten oder Egerdon) am Gurten

Aeggerden. Der edlen frey herren von Eggerden Ir altes stamm hus. Es Verblieben alten Thurm so noch zu sehen ist.

Aquarell von Albrecht Kauw, datiert "1674"

Wiedergabe mit freundlicher Genehmigung des Historischen Museums Bern

Über den Maler Albrecht Kauw vergleiche den Web-Beitrag:

Kauw - ein Berner Maler um 1750


Die Aquarelle des Burgenmalers Albrecht Kauw bestechen durch ihren schlichte künstlerische Gestaltungskraft und ihre erstaunliche Treue in der Wiedergabe der Topographie und der Details.

Es ist dies eine Ansicht aus Osten gegen den Turm hin. - Der Hügel, auf dem Ägerten liegt, scheint schon damals bewaldet gewesen zu sein. Denn der in der Blickrichtung abgeholzt dargestellte Ringwall scheint ein Kunstgriff des Malers zu sein. Indem er die aufrechten Bäume wegließ, ermöglichte er eine vollständige Ansicht des Wehrturms.

Der massige rechteckige Turm war nach Kauw schon damals sehr ruinös. Im Innern wuchsen bereits Bäume.

Kauws Bilder sind zum großen Teil datiert. - Aber wir befinden uns in jener Zeit erst am Anfang der heute wie selbstverständlich gebrauchten Jahrzählung nach Christi Geburt mit vier Ziffern.

Je länger ich überlege, desto mehr scheinen mir die Bilder Kauws falsch oder rückdatiert zu sein. - Aus verschiedenen Einzelheiten und Fingerzeigen ergibt sich eine Verjüngung. Kauws künstlerisches Werk ist um 1750 anzusetzen.


Blick von der Burgruine Ägerten am Gurten auf die Stadt Bern

Stich von Gabriel Lory für den Almanach Alpenrosen für das Jahr 1814

Die Geschichte, welche durch diesen Kupferstich eingeleitet wird, hat der Autor Christoph Pfister eben wieder neu herausgegeben. Man lese:

Johann Rudolf Wyss der Jüngere: Der Abend zu Geristein und Der Ritter von Ägerten


Schon der Vergleich zwischen Kauw und Lory ist aufschlußreich: Das ältere Bild zeigt eine Gesamtansicht der Burg mit Turm und Wall. - Lory hingegen bietet nur mehr eine Detailaufnahme, wobei die Ruine an den linken Rand gerückt ist. Wichtiger war dem Künstler die idyllische und romantische Hirtenszene im Vordergrund und die Sicht auf die zentralen Teile der Stadt Bern im Hintergrund.

Von der Burg Ägerten standen um diese Zeit noch bedeutende Mauerreste. Man erkennt auch eine Fensteröffnung - und links vielleicht den ursprünglichen ebenerdigen Eingang auf der SE-Seite des Turms.


Beschreibung der Ruine Ägerten

Die Wehranlage Ägerten am Gurten (vgl. den Plan) besteht aus einem Burghügel, dem auf drei Seiten ein Graben mit Ringwall vorgelagert ist. - Gegen Süden gab es  einen zweiten Graben. An diesem findet sich ein Findling, der offenbar als Positionsstein diente.

Der Hauptzugang ist im SE zu suchen, im rechten, zweiten Graben, der vielleicht einen alten Hohlweg andeutet.

Der imposante Ringwall auf drei Seiten mit dem Graben ist noch gut erhalten. Gegen NE ist das Terrain so abschüssig, daß sich Wall und Graben erübrigte.

Der mächtige rundliche Burghügel ist sicher künstlich überhöht und weist gegenüber der Grabensohle eine Sprunghöhe von ungefähr 20 Metern auf.

Auf der Höhe der Motte stand ehemals ein rechteckiger gemauerter Turm von ungefähr 12 x 15 Metern. - Die älteste Abbildung von Kauw zeigt den Turm noch in der ursprünglichen Höhe von vielleicht 20 Metern. Man darf auf dem Turm ein ursprüngliches hölzernes Obergeschoß vermuten.

Gegenüber der Ansicht von Kauw zeigt Lory einen mehr romantischen Anblick der Ruine. Sichtbar ist dort die Nordost-Ecke mit einem Blick auf die Stadt Bern. - Bemerkenswert auf diesem Stich ist eine Fensteröffnung - und vielleicht ein alter Torzugang - auf der Südost-Seite.

Bei Lory ist der Zerfall der Ruine Ägerten schon weiter fortgeschritten. Doch sind dort immer noch stattliche aufragende Reste zu sehen.

Die Ruinen von Ägerten sind also im Laufe des 19. Jahrhunderts vollständig zerfallen und darauf zur Gewinnung von Baumaterial abgetragen worden.

Heute ist nur noch ein winziger Rest der Nordost-Ecke des Turmes zu sehen (vergleiche das untenstehende Foto). - An anderen Stellen markieren noch einzelne Steine den Verlauf und die Lage des ehemaligen Rechtecks.

Rest der NE-Ecke des Wehrturms von Ägerten am Gurten

Foto: Autor, 2006


Der Turm hatte eine Längsachse in nordwestlicher Richtung, die sich auf 320° NW bestimmen läßt.

Beim Burghügel, der Motte ist anzumerken, daß dieser im Südosten ein deutliches Zwischenplateau besitzt. Dieses könnte der Zwinger oder die Zugangsrampe zum Burgturm gewesen sein.

Ebenfalls ein kleines, weniger deutliches Zwischenplateau kann man am nordwestlichen Abhang des Burghügels ausmachen.

Ägerten scheint wie viele Burgen zwei Phasen der Entstehung zu haben.

Der älteste und ursprüngliche Teil war die Erdburg. Diese ist hier gut erhalten: Der Burghügel - und teilweise auch der Ringwall - ist noch in voller Höhe zu sehen.

In einer späteren "römischen" Phase wurde die Wehranlage durch Mauerwerk verstärkt und ergänzt. Bei Ägerten wurde also ein Wehrturm auf den Burghügel gesetzt.

Indem der gemauerte Turm heute verschwunden ist, bietet Ägerten am Gurten wieder den Anblick eines gut erhaltenen Erdwerks aus vorgeschichtlicher Zeit.

Die Burgstelle Ägerten liegt in einem heute vernachlässigten Waldareal: Noch immer liegen dort gestürzte Bäume vom Sturm Lothar, Ende 1999 herum!

Ägerten als Markpunkt des Ankhs von Bern

Im System der keltischen Landvermessung bildete Ägerten einen wichtigen Ankerpunkt. Der alte Stadtgrundriß des vorgeschichtlichen Berns enthält die Figur eines ägyptischen Ankh-Kreuzes. Ich habe diese Zusammenhänge in meinem Artikel Das Ankh von Bern ausgeführt: Ägerten bildete einen Ankerpunkt der Querachse des Ankh-Stabes. - Der andere Markpunkt war die Burgstelle beim bernischen Rapperswil, die Eggliburg.

Die Rechnungen beweisen die geometrische Figur, welche in die Berner Landschaft gesetzt wurde:

Ort

Ort

Winkel

Meter

Leugen

Bern-Käfigturm Ägerten am Gurten, Block im S 347.10 4165.2 1.87

Bern-Käfigturm

Ägerten am Gurten, Block im S

347,52

4209,5

1,89

Bern-Käfigturm

Burg bei Rapperswil BE

346,91

13911,3

6,25

Ägerten Gurten, Block im S

Burg bei Rapperswil BE

347,05

18120,7

8,14

Die Höhenlage des Hügels der Burg Ägerten am Gurten ist ebenfalls bemerkenswert: Die Spitze des Burghügels liegt auf 814 m über Meer.

Der Ortsname Aegerten

Ägerten ist ein Ortsname, der mehrfach vorkommt. Eine kleine Burgstelle in der Nähe der Moosegg bei Lauperswil im Emmental heißt so. Ebenfalls gibt es eine Ortschaft Ägerten an der Zihl südwestlich von Biel.

Zu Ägerten gibt es eine alte Namensvariante EGERDON.

Der Name ÄGERTEN ergibt entvokalisiert CRTM, das man zu  CR(S)TM ergänzt und offenkundig CHRISTUM, Christus ergibt. Ägerten ist also ein Christen-Ort. - Und sowohl die Steinburg und erst recht die Erdburg wurden in einer Zeit angelegt, als der heutige Name noch nicht geschaffen war. - Alle unsere Ortsnamen sind relativ jung, kaum 300 Jahre alt.

Der Ortsname Aegerten wird auch erklärt in meinem Buch Der Vesuv ist überall (2007).

Das Ortsnamenverzeichnis selbst ist auch elektronisch abrufbar unter dem gleichen Titel Der Vesuv ist überall.


Juni 2006 ff.