Uttigen BE: eine bedeutende Burgstelle im NW von Thun

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Vergleiche auch: Burgen rund um Bern


Uttigen: Reste der Umfassungsmauer

Foto von 1940

aus: Die Burgen und Schlösser der Schweiz. Die Burgen und Schlösser des Kantons Bern. Lieferung 10 b: Mittelland, Emmental, Oberaargau, Teil II, Basel 1942, S. 66


Uttigen: Der Burgplatz im LIDAR-Bild

LIDAR = light detection and ranging = Laser-Abtastung des Geländes aus der Luft


Burgenforschung: eine mühselige Angelegenheit

Burgen sind interessante Zeugen der Vergangenheit. So viele Burgstellen es auch gibt: Wir wissen wenig über sie. Man muß sich beschränken, diese Objekte zu beschreiben und genaue Pläne zu erstellen. Sind Mauern vorhanden, so bringen Ausgrabungen oft neue Erkenntnisse.

Burgenforschung ist eine mühsame Angelegenheit. Neben ständigen Geländebegehungen sind regelmäßige Vergleiche der Grundrisse und Pläne zu machen. Und neue Einsichten kommen selten und meistens zufällig.

Der Autor beschäftigt sich sein ganzes Leben mit Burgen. Aber erst in den letzten Jahren und Jahrzehnten sind neue Erkenntnisse hinzugekommen.

Trotzdem: Burgen sind Zeugen einer Vergangenheit, über die wir kaum etwas Sicheres wissen und nur ungefähr datieren können. Die Geschichts- und Chronologiekritik ist bei jeder Betrachtung einzubeziehen und mahnt zu äußerster Bescheidenheit in den Aussagen.

Uttigen: Burg oder Stadt?

Die Berner Archäologie macht gegenwärtig in Uttigen Ausgrabungen der Wehranlage. Und dabei möchte sie mit einer Sensation aufwarten: Uttigen sei nicht nur eine Burg, sondern eine Stadt, ein Städtchen gewesen. Als Argument dient ein Flurname. Die Ruine trägt nämlich in der neuesten Ausgabe der Landeskarte der Schweiz den Namen Stadtmauer (Stadtmur).

Aber wie in anderen Dingen sitzen die Forscher einem grundlegenden Mißverständnis auf: Eine Burg und eine Stadt sind nicht zwei verschiedene Dinge. Im Gegenteil: Eine Burg ist eine (kleine) Stadt und eine Stadt eine (große) Burg. Deshalb hießen die früheren Stadtbewohner auch Burger, später Bürger.

Das gilt auch für Uttigen. Diese ist eine von der Fläche her große Burg. Aber deswegen läßt sich nichts weiter behaupten.

Die angebliche Sensation führt ins Leere.

Noch mehr: Weil wir vor dem Ende des 18. Jahrhunderts kein sicheres Wissen haben, ist auch die angebliche Geschichte von Uttigen mit den "Freiherren von Wädenswil" ins historische Märchenland zu versetzen. - Es nützt also nichts, in den Archiven nachzuforschen. Man wird dort nichts finden.

Übrigens: Was haben Adelige am Zürichsee in der Gegend von Thun verloren?

Was weiß man über die Burg Uttigen?

Uttigen war eine große Burganlage etwa 6 km nordwestlich von Thun. Die Burg lag damals noch gleich über dem linken Ufer der Aare, die dort in einem breiten Flußbett mäandrierte.

Das LIDAR-Bild zeigt Uttigen als eine unregelmäßig rechteckige Anlage von beachtlicher Größe: Die Innenfläche mißt ungefähr 50 Aren, die Ostseite  90, die Südseite 80 Meter. Eine Erhebung an der Südwestecke deutet den ehemaligen Bergfried an.

Von der Grösse her und der Gestalt eines unregelmässigen Rechtecks drängt sich ein Vergleich auf mit der Burganlage Räsch bei Düdingen.

Als Mauerwerk haben sich bei Uttigen nur zwei Mauerstücke im westlichen Teil erhalten.

Bis etwa in die Mitte des 19. Jahrhunderts war die Burg Uttigen eine imposante Ruine, wie die Bilder von Kauw, Dill und Wagner zeigen. Dann wurden die Mauern zur Verwertung des Baumaterials fast gänzlich abgetragen.

Am Interessantesten ist die älteste Ansicht von Uttigen, geschaffen von Albrecht Kauw, auf etwa 1770 (neue Chronologie) zu datieren. Die Sicht von Süden zeigt links einen noch fast ganz erhaltenen Bergfried und rechts über der Aare einen runden oder halbrunden Turm. Letzterer wies offenbar Buckelquader auf, war also jünger als das übrige Mauerwerk.

Man muß annehmen, daß Kauw die Südseite von Uttigen aus künstlerischen Gründen in die Länge gezogen hat.

Die Federzeichnung von Johann Rudolf Dill zeigt von Uttigen neben einem hoch aufragenden Bergfried interessante Details der Ruine, die sich aber schwer bestimmen lassen.

Die Ansicht von Johann Sigismund Wagner stellt eine gewinkelte Umfassungsmauer dar.

Man darf hoffen, dass als Ergebnis der Sondierungen von 2017 auch ein genauer Plan des Burgplatzes von Uttigen erstellt wird.


Albrecht Kauw: Uttigen, Aquarell

Wiedergabe mit freundlicher Genehmigung des Historischen Museums Bern


Johann Rudolf Dill: Uttigen, Federzeichnung, undatiert

Historisches Museum Bern


Johann Sigismund Wagner: Uttigen, Lithographie, um 1840